Donnerstag, 2. September 2010
Abenteuer Hochverfügbarkeit Geschrieben von Rainer Doh
in Technologie und Märkte um
13:13
Kommentare (0) Trackbacks (0) Abenteuer HochverfügbarkeitWas Hochverfügbarkeit ist, ist eigentlich klar definiert. Oder doch nicht so ganz klar? Wikipedia nimmt sich der Sache zwar recht ausführlich an, will sich aber dann doch nicht so genau festlegen:
Man "spricht" also ab 99,9% von Hochverfügbarkeit, aber erst bei 99,999% wird es "allgemein unstrittig". Kein Wunder, dass in der IT derzeit eine Inflation des Begriffs "Hochverfügbarkeit" festzustellen ist. Alles ist hoch verfügbar beziehungsweise hochverfügbar. Wobei sich natürlich kaum ein Unternehmen, sei es Anbieter oder Anwender, darauf festlegen will, was denn unter Hochverfügbarkeit konkret zu verstehen sein soll. Es ist offenbar so, dass Hochverfügbarkeit immer das ist, was die eigenen Systeme gerade bieten können – das nennt man dann wohl "herstellerabhängig". Auf Basis dieser hoch flexiblen Definition können Unternehmen ihre Server mit einer "Hochverfügbarkeit von 99,5 Prozent" und einer "maximalen zusammenhängenden Ausfallzeit von 2 Stunden" betreiben. Hoffentlich wird auf diesem hoch verfügbaren System nicht mein nächster Flug gebucht. Vor einigen Wochen haben wir selbst im Rahmen einer Umfrage unter IT-Verantwortlichen zum Begriff Hochverfügbarkeit teilweise abenteuerliche Antworten erhalten. Zum Beispiel: "Wir sind hoch verfügbar, weil wir regelmäßig Backups machen." Oder: "Wir sind hoch verfügbar, weil wir für unsere Rechner ein eigenes Ersatzteillager haben." Vielleicht gibt es ja für den Lötkolben ein zweites Netzteil. ![]() So … einen Moment … gleich sind wir wieder hoch verfügbar. Quelle: mightyohm via Flickr Creative Commons Unser Kunde Stratus, als Anbieter fehlertoleranter Server bezüglich Hochverfügbarkeit auf der sicheren Seite, hat zur Klarstellung der Begriffe mal aufgeschrieben, was Hochverfügbarkeit alles nicht ist:
Warum nicht, kann man hier und auch dort ausführlich nachlesen. PS: Bei einem Verfügbarkeitsniveau von mindestens 99,99 % beträgt die durchschnittliche Ausfallzeit höchstens 52 Minuten pro Jahr. Fehlertolerante Server erreichen eine Verfügbarkeit von 99,999 % bis 99,9999%, was einer durchschnittliche Ausfallzeit von etwa 5 Minuten beziehungsweise einer halben Minute pro Jahr entspricht. Daran musste mal wieder erinnert werden. Mittwoch, 25. August 2010
Immer wieder Cloud Computing Geschrieben von Rainer Doh
in Technologie und Märkte um
15:20
Kommentar (1) Trackbacks (0) Immer wieder Cloud ComputingAuf Zeit-Online hat Christiane Schulzki-Haddouti einen interessanten Beitrag zum Thema Cloud Computing geschrieben. Der wird jetzt hier nicht nacherzählt - hier ist der Link zum Selberlesen. Wir beschränken uns auf ein paar Statements daraus:
Seltsam, dieser Punkt ist eigentlich seit der Erschaffung des Cloud Computing virulent - und das war's dann auch. Ceterum Censeo ... So ist am selben Tag beispielsweise bei ChannelPartner zu lesen:
Also führt kein Weg vorbei an "völlig uneinsehbar"? Motto: "Wir machen das jetzt einfach mal" - setzen auf eine Technologie bei der ein paar grundlegende Fragen völlig offen sind. Es sind ja nur Rechtsfragen. Dazu noch einmal Zeit-Online:
Und wenn diese International Cloud Agency (ICA) nicht zu Stande kommt? Am Ende ist die Cloud sogar der berühmte "rechtsfreie Raum"? Freitag, 20. August 2010
Die Wahrheit über unsere Festplatten Geschrieben von Rainer Doh
in Technologie und Märkte um
15:21
Kommentare (0) Trackbacks (0) Die Wahrheit über unsere FestplattenDie Festplattenkapazität wird größer und größer. Mittlerweile bekommt man für 80 Euro im Elektrohandel schon ein komplettes Terabyte. Sehr lange ist es noch nicht her, dass sich in dieser Dimension ganze Rechenzentren bewegten. Der Speicherhunger ist gerade im Privatsektor nach wie vor riesig: Audio, Foto und Video verschlingen die Gigabytes geradezu. Bevor wir jetzt zivilisationskritisch werden und fragen, wo das alles enden soll (Petabyte > Exabyte > Zettabyte > Yottabyte), fragen wir erst einmal, wo wir bezüglich der Festplattengrößen eigentlich konkret stehen. Schließlich ist ein verkauftes Terabyte ja noch lange kein genutztes Terabyte. Unser Kunde PC Pitstop ist Spezialist für das Online-Tuning von PCs. Das Unternehmen analysiert PCs per Web und führt dann automatisch diverse Systemoptimierungen durch. Beim Analysieren fällt jede Menge statistisches Material an (selbstverständlich anonym). Im Unterschied zu sonstigen Daten dieser Art stammen diese aus der wirklichen Welt, es handelt sich also nicht um Verkaufszahlen oder die berüchtigten Schätzungen von Marktbeobachtern, es sind vielmehr Daten, die aus Rechnern stammen, die tatsächlich im Einsatz sind. Bei 19.135 Festplatten, die analysiert wurden, ergab sich eine Durchschnittsgröße von 224 GB. Davon waren durchschnittlich 58,5 GB benutzt, also etwa 26 Prozent. Oder ausführlich:
Größenklasse Kapazität benutzter Platz freier Platz
unter 50 GB 12,4% 60,4% 30,9%
50 - 100 GB 21,8% 26,1% 20,1%
100 - 150 GB 16,8% 7,5% 12,8%
150 - 200 GB 9,1% 2,9% 8,9%
200 - 250 GB 11,1% 1,3% 7,5%
250 - 500 GB 21,5% 1,6% 13,6%
über 500 GB 7,3% 0,2% 6,2%
100% 100% 100%Nur etwa 7% der PCs haben also eine Festplattenkapazität von mehr als 500 GB. Nur rund 0,2% aller untersuchten PCs nutzen mehr als 500 GB. Fast 70 Prozent haben mehr als 50 GB freien Plattenspeicher (ich gehöre leider nicht dazu). Nur 8 Prozent der Platten sind zu mehr als 75 Prozent belegt, 41 Prozent zu weniger als 25 Prozent und 11 Prozent zu weniger als 10 Prozent. Oder ausführlich: Auslastung der HD Nutzer in % <10% 11% 10% - 25% 30% 25%-50% 34% 50%- 75% 17% 75%-90% 6% >90% 2% Da PC Pitstop beim Einloggen auch nach dem Geschlecht der Anwender fragt, wissen wir, dass Männer etwas größere Festplatten als Frauen verwenden: Beträgt die durchschnittliche Festplattengröße bei männlichen PC-Nutzern 228 GB, so begnügen sich Frauen mit 192 GB. Männer haben im Durchschnitt etwa 168 GB Plattenkapazität frei, Frauen etwa 145 GB. So, nun liegen die Daten auf dem Tisch und jeder kann selbst entscheiden, wie er sein weiteres Leben darauf einstellt.
Mehr Festplattenstatistik HIER Dienstag, 17. August 2010
Vergesslichkeit Geschrieben von Alain Blaes
um
15:45
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: datensicherheit, umfrage
VergesslichkeitAlso wir kaufen unseren Fisch ganz gern bei Fisch Maier am Viktualienmarkt. Die Verkäufer sind wirklich sehr nett, und der Fisch ist wirklich sehr frisch. Mit Fisch kann man eine Menge anstellen: marinieren, grillen, dünsten, panieren – und vergessen. Ja, es gibt tatsächlich Leute, die ihren Fisch vergessen, zum Beispiel im Taxi vom Viktualienmarkt nach zuhause. Das hat unser Kunde Acronis herausgefunden, nachdem er hundert Münchner Taxifahrer nach der Vergesslichkeit ihrer Gäste befragt hatte. Was in den Köpfen der Leute vorgehen mag, dass sie ihren Fisch liegen lassen? Andererseits: auch Ohrringe, Katzenstreu und ein Haartrockner wurden auf den Rückbänken gefunden, und ein Fahrgast hat sogar sein Gebiss verloren. Schmerzhaft war sicher auch der Verlust der Dutzenden Smartphones und Notebooks, zumal die mit ungesicherten Daten, betont Acronis. Was aber aus gutem Grund nicht publik gemacht wurde: ein Fahrgast hat ein Damenslip, ein anderer – jawohl, einen Vibrator vergessen. Das sind vielleicht Zustände in den Münchner Taxen! Dienstag, 17. August 2010
Keine Sorge wegen Street View Geschrieben von Rainer Doh
in Datenschutz um
09:54
Kommentare (0) Trackbacks (0) Keine Sorge wegen Street ViewDatenschützer müssen sich wegen Street View (doch) keine Sorgen machen - Google nimmt das mit dem Verpixeln wirklich sehr ernst: ![]() Gesehen mit Street View in Stonehaven, Kincardineshire, UK Montag, 16. August 2010
Market Opportunities Geschrieben von Alain Blaes
in Technologie und Märkte um
16:14
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: smartphones, sommerloch
Market OpportunitiesWichtige Erkenntnisse mitten im Sommerloch: Gibt ein User sein Passwort auf einem Smartphone ein, hinterläßt er verräterische – nein, nicht nur Fingerabdrücke, sondern Fettspuren. Damit konnten Wissenschaftler der Universität Pennsylvania mit etwas Aufwand neun von zehn Passwörter knacken, weil sich das Fett nicht einfach abwischen lässt. Das macht nachdenklich:
Kein Fett am Polohemd - Getestet haben die Wissenschaftler lediglich die Displays von Google Nexus One und HTC G1. Gilt das auch für mein iPhone? Nach Abwischen auf meinem Polohemd sehe ich mit dem besten Willen keine Fettspuren mehr (auch nicht auf dem Polohemd) - Sind die Fettspuren sichtbarer bei höherem User-BMI? Müssen korpulentere Smartphone-Benutzer jetzt abnehmen? - Was ist besser, um Fettspuren zu vermeiden: ein fettlösendes Reinigungsmittel, wie es die Wissenschaftler empfehlen, oder vorbeugend eher Handschuhe, wie es meine Kollegin Sandra empfiehlt? Fragen über Fragen. Jedenfalls eröffnen sich völlig neue market opportunities für die einschlägigen Zubehöranbieter: portables Reinigungsmittel im schicken Lederetui, 50 ml, auch für Flugreisen geeignet; Handschuhsets, aus Leder mit passendem Logoaufdruck oder als Wegwerfvariante zur Einmalbenutzung; oder, sollte sich der BMI-Verdacht erhärten, ein Abo im Fitnessstudio. Soll noch einer sagen, der IT-Branche ginge es nicht gut. Montag, 16. August 2010Hallo?In der SZ hat sich vorgestern Alex Rühle Gedanken über das (vermeintliche) Ende des Telefons gemacht. Ein Thema von epochaler Bedeutung, so dass wir uns in die Diskussion einklinken müssen. In den USA soll nämlich, so ist zu lesen, seit 2005 die Zahl der Telefonanrufe kontinuierlich zurückgehen. Zugleich nimmt die Dauer der Telefongespräche ab: "Dauerte ein Gespräch vor fünf Jahren durchschnittlich drei Minuten, so hat man sich mittlerweile anscheinend schon nach 90 Sekunden nichts mehr zu sagen." Vor allem junge Menschen nutzen Telefon intensiv – aber dem Vernehmen nach immer weniger zum Telefonieren, und die Telko-Anbieter scheinen ihr Geschäftsmodell auch mehr auf den Datenverkehr zu verschieben. Deutet sich da ein globaler Trend an? Man muss zugeben: Asynchrone Kommunikationsdienste (schöner Begriff!) haben ihre Vorteile: Schließlich ist ein E-Mail "self-documenting", man kann auch nach vier Wochen den genauen Wortlaut rekapitulieren. Und das gilt sogar für Kanäle wie SMS oder Twitter mit ihrem extrem restriktiven 140-Zeichen-Limit. Alex Rühle weist noch auf ein weiteres Manko des Telefonieren hin – eines, das mehr im Zwischenmenschlichen angesiedelt ist:
Bizarr, in der Tat. Wie formvollendet tritt dagegen ein E-Mail auf, das mit einem fröhlichen "Hallo Herr Meier" beginnt. Noch ein Aspekt auf den die SZ hinweist: Wieder in den USA hat eine Studie gezeigt, dass Politiker, die sich per Telefon austauschten, durchschnittlich 13 Minuten miteinander redeten, im direkten Gespräch hingegen eine dreiviertel Stunde. Außerdem "konnte am Telefon der jeweilige Sprecher gerade mal 15 Wörter sagen, bis sich sein Gegenüber einschaltete, während es in der persönlichen Begegnung fast doppelt so viele waren." Das gilt nicht selbstverständlich nur für Politiker. Hier zeigen sich vielmehr ganz generell die Grenzen von telefonischen Interviews – im direkten Gespräch kann man einfach mehr erfahren. Die Gesprächspartner sind im realen Vis a Vis auskunftsfreudiger, sie erzählen Dinge, Hintergründe und Einschätzungen, die sie einer Telefonstimme nie verraten würden. Beim Telefonieren will man offenbar möglichst schnell wieder auflegen. Nun fehlt noch eine Studie, die uns sagt, wie sich das bei einer Videokonferenz verhält – liegt sie näher an 13 oder näher an 45 Minuten? Wir sind gespannt auf die Antwort der Wissenschaft. Mittwoch, 11. August 2010
Roaming: Selber schuld Geschrieben von Rainer Doh
in Technologie und Märkte um
18:53
Kommentare (0) Trackbacks (0) Roaming: Selber schuldVor einiger Zeit haben wir uns hier mit dem Thema Roaming auseinandergesetzt. Anfang der Woche gab es zu diesem Thema einen schönen und sehr lesenswerten Beitrag von Marcus Rohwetter auf Zeit Online:
Das freut uns natürlich riesig, wenn ein so großer Laden wie die Zeit unsere Themenvorschläge aufgreift. Erstaunt waren wir über die Reaktionen der Zeit-Leser. Schon wenige Stunden nach dem Start der Diskussion, die bis gestern auf immerhin 75 Beiträge kam, gewann auf Zeit-Online ein heftiger Streit um die Frage "Selber Schuld" die Oberhand. Hier ein paar Beipiele:
… und einiges anderes auch. Sonst wüsste der Kommentator ja, warum man beim Frisör oder im Taxi nicht schnell mal 3.000 Euro zahlen muss. Auch wenn man im Vorfeld keinen Blick auf das Kleingedruckte geworfen hat. Und auch nicht im nicht-europäischen Ausland. Beindruckend mit welchen Tricks einige Zeit-Leser der "Roaming–Falle" entwischen. Sie legen zum Beispiel im Ausland das Handy unter einen Blecheimer, kaufen vor Ort eine Prepaid-Karte, suchen zum Telefonieren ein Internetcafe auf, nutzen Wifi oder lassen – und das ist meines Erachtens der ganz ultimative Tipp – das Handy einfach ausgeschaltet. Dass wir da nicht gleich draufgekommen sind? Wir setzen gleich noch einen Tipp drauf: Warum überhaupt so weit wegfahren? Selber schuld – ist zu Hause doch auch schön. Aber irgendwie war das mit Mobility, Connectivty, Global Collaboration usw. schon anders gemeint. Oder haben wir da was ganz falsch verstanden? Freitag, 23. Juli 2010
Das Internet als Bratwurst Geschrieben von Rainer Doh
in Medien um
10:54
Kommentare (0) Trackbacks (0) Das Internet als BratwurstDas Internet, das so vieles bewirkt hat, hat auch einen neuen Beruf hervorgebracht: den Internet-Philosophen. Das sind Leute, die sich Gedanken machen um das Internet als solches, seine Zukunft, seine Hinter- und Abgründe usw., was halt so zu einer Philosophie gehört. Internet-Philosophen äußern sich natürlich nicht nur im Internet, sie sind auch gern gesehene Gäste in den klassischen Medien, insbesondere in den Feuilletons der großen Tageszeitungen, wo die Internet-Philosophie mittlerweile einen festen Platz hat.
Im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung hat gerade heute Ethan Zuckerman, der laut SZ am Berkman Center for Internet and Society an der Harvard-Universität forscht, folgendes herausgefunden:
Das kann man nicht oft genug betonen, dass das Internet so riesig groß ist und dass man es nicht verstehen kann, nicht einmal als Internet-Philosoph. Aber es ist doch auch eine etwas merkwürdige Vorstellung von "verstehen", die der Harvard-Forscher hier zum Besten gibt. Verstehen heißt für ihn offenbar alles anschauen. Eine etwas kindische Auffassung ist das ja schon. Aber so ein Einwand wäre dem mangelnden Ernst der Argumentation vermutlich gar nicht angemessen. Ich versuche es stattdessen mit einem Beispiel: Es verhält sich mit dem Internet nämlich so wie mit den Bratwürsten. Es werden jeden Tag von den Metzgern in aller Welt Millionen und Abermillionen von Bratwürsten hergestellt. Um allein die in einer Stunde hergestellten Bratwürste zu essen, müsste man (grob geschätzt) 2.563 Jahre lang ununterbrochen Bratwürste essen – "ohne zu schlafen, auf die Toilette oder zur Psychotherapie zu gehen". Ein Wahnsinn! Die Metzgerei ist viel zu groß und komplex, um sie auch nur annähernd zu verstehen. Dienstag, 20. Juli 2010Schon wieder dieses WebOft schon wurde gemutmaßt, dass der Niedergang der großen Warenhaus-Konzerne etwas mit dem Internet zu tun haben könnte. Möglich wär's, weil das Web an allem schuld ist. Tatsächlich scheint ja der eine oder andere Anbieter mit der wahnwitzigen Geschwindigkeit des Web so seine Schwierigkeiten zu haben:
Heute habe ich das aufgeschnappt, also neun Tage nach dem WM-Finale. Man kann außerdem davon ausgehen, dass auch die letzte WM-Woche für das WM-Geschäft bereits gelaufen war, womit dieser Banner sein Verfallsdatum schon um zwei bis drei Wochen überlebt hat. Es ist aber auch alles so schnell geworden, mit diesem Web. Leider hält die Karstadt-Website nicht, was der Banner verspricht: Ich hätte fürs Finale gern noch ein paar brasilianische Fähnchen geordert. (jetzt haben wir also doch noch einen WM-Blog geschrieben) Freitag, 16. Juli 2010
Amerikaner sind nett, und ihre ... Geschrieben von Alain Blaes
in PR und Kommunikation, Sprechen und Schreiben um
11:48
Kommentare (0) Trackbacks (0) Amerikaner sind nett, und ihre Presseinfos auchDas erste, was einem als Neuankömmling in den USA auffällt, ist die überwältigende Freundlichkeit. Wo auch immer man sich bewegt, man wird geradezu überrannt mit Aufmerksamkeit: "It's really great to meet you. Oh, you come from Europe? Awesome. I've been to Paris/Munich/Barcelona/Rome/usw. recently. What do you do? Really? Welcome to the neighborhood. If you need anything, please call me", samt Überreichung der Visitenkarte. Das ist nicht nur im Bekanntenkreis so, sondern auch beim Shoppen, und sogar im noblen Saks Fifth Avenue in Boston: "Hi, my name is Lucy. Oh, you come from Germany? That's great. I've been to Paris 20 years ago. Where do you live in Boston? Oh my God, me too. This is my phone number and my e-mail address. If you need anything, please call me." Wir haben Lucys halbe Lebensgeschichte erfahren und konnten uns von der verbalen Umklammerung nur schwer lösen. Im Massenbetrieb Supermarkt geht es etwas zurückhaltender zu, aber die obligatorische Floskel "How are you? Good, how are you? Good, thank you" ist allgegenwärtig.
![]() In den USA ist alles anders
Und so sind auch amerikanische Presseinformationen mit ihren überschwänglichen Quotes à la "We are so excited…": Sie waren nie dazu gedacht, veröffentlicht zu werden, niemand erwartet es, und es passiert auch nicht. Die Intention ist vielmehr, einfach nur freundlich zu sein, genauso wie der Kassierer mit "How are you?" und Lucy mit "Call me anytime." Reflex-bedingte Nettigkeiten ohne tieferen Hintergrund, beruhend auf einem gesellschaftlichen Konsens. Das ist nun einmal so und ist auch solange ok, bis das deutsche Management der Meinung ist, Presseinformationen müssten inklusive der Quotes wortwörtlich übersetzt werden und müssten womöglich auch in dieser Form in den Medien erscheinen. Dem liegt ein großes Missverständnis zu Grunde, das aus einer unverbindlichen Nettigkeit eine verbindliche Aussage ohne nennenswerten Inhalt macht. Im besten Fall wird eine solche Quote von der deutschsprachigen Presse herausgestrichen, im schlechtesten Fall die komplette Presseinformation ignoriert. Donnerstag, 15. Juli 2010
Achtung Quote Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
12:56
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: kommunikation, pr-tools, press release, pressemitteilungen, unternehmenskommunikation, usa
Achtung QuoteInsbesondere Presseinformationen amerikanischer IT-Unternehmen lieben Zitate/Quotes über alles, sie können davon gar nicht genug bekommen. Am besten in jeder Meldung sechs Stück: Ein Zitat von einem Vice-Presidenten, eines von einem Kunden, eines von einem Analysten, eines von einem anderen Vice-Presidenten, eines von einem Partner und eines von Microsoft. Der Informationsgewinn solcher Quotes ist leider meist sehr reduziert. Es werden in der Regel die Aussagen des Fließtextes mit anderer Wortstellung wiederholt oder Trivialitäten verkündet. In jeden Fall aber mit einem kräftigen "We are very excited …" unterfüttert. "Wir freuen uns außerordentlich, dass wir unser neues Produkt nun fertiggestellt haben." Ah ja. Oder schlicht:
Zumindest in den deutschen Medien sind solche Quote-Rallyes allerdings nicht so beliebt (es soll aber auch amerikanische Medien geben, die dergleichen unter den Tisch fallen lassen – aber das ist schon wieder ein anderes Thema). Mehr als ein Zitat wird daher nicht übrig bleiben, wenn eine Meldung zur Veröffentlichung übernommen wird, wenn überhaupt. In den Print-Ausgaben eher gar keines. Wozu auch: Drei Zitate würden mehr Textvolumen ohne mehr Inhalt erzeugen und das ist das genaue Gegenteil dessen, was derzeit bei Texten als Medien-Trend gilt: kurz, kompakt, konzentriert. Und wenn etwas schon nicht in 140 Zeichen abzuhandeln ist, so sollte man es doch wenigstens in 140 Worten versuchen. Insofern sind diese ellenlangen Mehrfachzitate auch nicht einfach nur überflüssig, sondern sogar kontraproduktiv: Sie blähen die Meldungen auf und senden dem Leser/Redakteur vor jedem Inhalt zuerst einmal folgendes Signal:
Solche Signale wollen wir natürlich nicht aussenden. Wir bleiben flexibel, thinken global und acten lokal, übernehmen US-Meldungen also nie 1:1. Unter anderem deswegen. Natürlich wären die Vice-Presidenten, der Kunde aus Oklahoma, der Analyst aus Boston, der Partner aus Detroit und vor allem Microsoft (das in Redmond vermutlich eine ganze Abteilung Quote-Men beschäftigt) furchtbar gern auch einmal in einer deutschen Pressemeldung zu Wort gekommen. Aber es gilt weiterhin die Devise: Kommunikation ist das, was ankommt. Fehlt noch was? Ach ja:
(mehr zu diesem Themenkomplex hier) Mittwoch, 30. Juni 2010
Grenzen der Globalisierung Geschrieben von Rainer Doh
in Technologie und Märkte um
16:18
Kommentar (1) Trackbacks (0) Grenzen der GlobalisierungEs gibt also auch gute Nachrichten: Ab 1. Juli müssen auf Druck der EU-Kommission und gegen intensiven Widerstand der Provider die leidigen Roaming-Gebühren für Handy-Gespräche und für Datenverkehr gesenkt werden. Ist das eine gute Nachricht? Oder eher eine aus der Kategorie "der Schmerz lässt nach"?
![]() Quelle: Vodafone Aber immerhin ein Auslaufmodell:
Bis dahin muss den Roaming-Kings was Neues einfallen. Dienstag, 29. Juni 2010
Strategische Erosion Geschrieben von Rainer Doh
in Medien um
15:57
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: computerzeitung, infomationweek, it-industrie, it-medien, it-strategie, itk-branche, weka
Strategische ErosionDie Erosion der IT-Fachpresse geht weiter. Im letzten Sommer hatte es die Computerzeitung erwischt, nun streicht neben der Network Computing auch die Informationweek aus dem Weka-Verlag die Segel. Dem Sterben dieses ruhmreichen Titels konnte man schon seit einiger Zeit fast zusehen: Schon lange erschien diese "Week" nicht mehr wöchentlich, immer dünner wurde das Heft und immer weniger Anzeigen wurden geschaltet. In der Ausgabe 4/2010 waren bei einem Gesamtumfang von 36 Seiten gerade noch sechs ganzseitige Anzeigen zu finden. Dabei war die Informationweek, auch wenn dem Ende zu die Mischung aus redaktionellen und aus Gast-Beiträgen gelegentlich etwas in Schieflage geraten ist, qualitativ immer überdurchschnittlich. Vor allem, weil sie Fragen der strategischen IT behandelt hat und sich nicht in Artikeln rund um iPhone und iPad verlor. Oder war gerade das das Problem? Gibt es für Print-Titel, die sich um strategische IT kümmern, keinen Markt mehr? Und warum investieren die IT-Unternehmen nicht mehr in Medien, die doch ihre Themen behandeln? Tapio Liller vom Blog Open Source PR ist das Thema vor ein paar Tagen grundsätzlich angegangen und kommt zu folgendem Schluss:
Eigentlich möchte man sagen: Genau so ist es! Wäre da nicht die lästige Empirie. Anfang des Jahres haben wir nämlich selbst eine Untersuchung über die Nutzung von Blogs in der IT durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass, von einer Handvoll Ausnahmen abgesehen, selbst die größten und bedeutendsten IT-Unternehmen so gut wie gar nicht bloggen. Wir haben jedenfalls nicht viel davon bemerkt, dass neue Produkte in Blogs angekündigt werden, und von einer Diskussion von strategischen Fragen war auch nichts zu sehen. Bezeichnend auch eine Übersicht der besten IT-Blogs, die die CW im März vorgestellt hatte: Sogar hier überwiegen die Gadget-Blogs, und netzpolitik.org und basicthinking.de mögen ja interessante Blogs sein, aber nicht für IT-Strategien. Wo also wird kommuniziert, wenn es um die IT jenseits von iPad und Excel-Tipps geht? Es gibt natürlich eine Menge kleiner Blogs, die mal dieses und mal jenes wichtige Thema aufgreifen. Aber für Einzelkämpfer stellt sich hier schnell die Ressourcenfrage – wenn es darum geht, an Themen dran zu bleiben und auch Seitenlinien in aller Breite zu verfolgen, haben sie gegenüber einer Redaktion immer einen Nachteil. Aber die etablierten Redaktionen scheinen diesen Vorteil derzeit nicht nutzen zu können. Dienstag, 29. Juni 2010
Die Eigentor-PR Geschrieben von Susanna Tatár
in PR und Kommunikation, Technologie und Märkte um
09:24
Kommentar (1) Trackbacks (0) Die Eigentor-PRGewiss war das nicht die erste PR-Aktion in der Grafikbranche, die gehörig nach hinten losging. NVIDIA und ATi hatten kürzlich mit Attrappen- und Paperlaunch-Vorwürfen zu kämpfen und auch ihre Salami-Taktik, technische Details neuer Produkte in kleinen Häppchen an die Presse zu verteilen, löste mitunter Befremdung und Verärgerung unter deutschen Technik-Journalisten aus. Interessanterweise gelingen Intel, dessen riesige Marketing- und PR-Maschinerie doch ganz andere Potentiale als etwa die von NVIDIA hat, die peinlichsten Eigentore (wollen wir aus bekanntem Anlass bildlich sein…). Das Neueste: Intel veröffentlichte ein Whitepaper, das sich anschickt, den Mythos „GPUs sind 100mal schneller als CPUs“ zu entzaubern. Nun nahmen die Intel-Ingenieure die NVIDIA-GPU GeForce GTX 280 (die ist zwar mittlerweile veraltet, aber als Intel mit den Messungen anfing, war sie noch aktuell), und verglichen sie mit dem Core i7 960. Mit dem Ergebnis, dass die GTX 280 nur etwa 2,5mal schneller ist als der Core i7 960. Und überhaupt, generell lässt sich sagen, hieß es, dass GPUs im Durchschnitt nur 14mal schneller als CPUs sind. Abgesehen davon, dass der wissenschaftliche Wert der Messungen fraglich ist, da der Code vermutlich nicht ausreichend auf den NVIDIA-Chip optimiert wurde und der Datendurchsatz sowie Benchmarks nicht hinreichend nachvollziehbar sind, sorgte die Aussage verständlicherweise für Belustigung in der Branche. Andy Keane, Leiter der GPU-Computing-Sparte bei NVIDIA, brachte dies in seinem Blog so auf den Punkt: Es komme in der Technikwelt selten vor, dass ein Unternehmen auf einer Konferenz erklärt, seine Technik sei nur 14-mal langsamer als die seines Konkurrenten. Zumindest habe er dies in den 26 Jahren, seit er in der Industrie ist, nicht erlebt. Nach wie vor gilt es: Es wird einem nie langweilig in der Grafikbranche. Jetzt bin ich neugierig, womit uns Intel die nächste Überraschung beschert. Wird es vielleicht wieder was mit Larrabee? Letztes Jahr wurden große Erwartungen geweckt, „Intel bringt einen Grafikchip mit 16 Kernen auf den Markt….“ (NVIDIA-Chips haben mittlerweile 480), Larrabee ist dann tot erklärt worden, nur damit er auf der ISC seine wundersame Auferstehung als High-Performance-Chip feiern konnte. Wir sind gespannt, was noch alles aus dem Problemkind wird. Weitere Verwendungsvorschläge wären eventuell (je nachdem, wie die Hitzeentwicklung sein wird):
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