Musterbeispiel für das "Mitmach-Web" ist bekanntlich Wikipedia: "... jeder Internetbenutzer kann die Artikel nicht nur lesen sondern meist auch bearbeiten, auch anonym. Bestand hat, was von den andern Benutzern akzeptiert wird." Wer sich bei einem Thema auskennt, schreibt einen Beitrag und die "Weisheit der Vielen" sorgt dann für die Qualitätskontrolle.
Soweit die Theorie, die grau ist. Und jetzt zur Praxis:
Vor einiger Zeit habe ich nämlich selbst einen Beitrag für Wikipedia geschrieben, einfach um mal zu probieren, wie das so funktioniert. Es wurde ein kleiner Vierzeiler, ganz sachlich und neutral (es betraf keinen unserer Kunden oder Mitbewerber). Vorsichtig wie ich bin, hatte ich mich inhaltlich über den entsprechenden Beitrag in der amerikanischen Wikipedia abgesichert. Und natürlich habe ich mich peinlich genau an alle Formatvorgaben gehalten.
Mein erster Wikipedia-Beitrag war etwa 2 Stunden "drin". Dann wurde er ohne Angabe von Gründen gelöscht. Meine höfliche Nachfrage auf der Diskussionsseite nach dem Warum, mit dem Hinweis das Thema könne doch nicht etwa "irrelevant" sein, wenn es einen entsprechenden englischen Beitrag dazu gäbe, verhallte ohne Reaktion in den Weiten von Wikipedia. Keine Diskussion, keine Erklärung, kein Beitrag.
"Jeder Nutzer kann auch als Autor oder Redakteur an der Erweiterung und Verbesserung der freien Online-Enzyklopädie mitarbeiten." Jeder? Tatsächlich scheint Wikipedia nicht so offen zu sein, wie immer angenommen wird – und wie es ein Berichterstatter vom anderen abschreibt, vermutlich ohne je selbst etwas dort eingestellt zu haben. Dafür muss man wohl zu den paar 1000 Wikipedia-Insidern gehören.
Jetzt bin ich zwar tief enttäuscht von Wikipedia, das sich durch mich nicht erweitern lassen will, aber andererseits ... doch auch ein wenig beruhigt, dass es "in der Praxis" anscheinend recht schwierig ist, dort was einzustellen. Ist vielleicht besser so.