Es ist ein stiller Abschied. Leise und unspektakulär verabschieden sich derzeit Newsletter aus unserem Medienalltag. Natürlich werden sie immer noch verschickt, aber ihre Zeit ist unwiderruflich abgelaufen.
Als Alternative und Ergänzung zu Kundenzeitungen hatte sich der Newsletter in den 90ern schnell etabliert: Er war weniger aufwändig in der Herstellung und vor allem viel billiger. Leider sah er dann meist auch so aus: Textwüsten, die einer richtig schön gemachten Kundenzeitung nie das Wasser reichen konnten. Aber der Newsletter war deutlich schneller als sein gedrucktes Pendant und hatte damit in Sachen Aktualität die Nase vorn.
Das Web, das alles verändert, brachte dem Newsletter zunächst einen Aufschwung. Er wurde nicht mehr nur per E-Mail verschickt, sondern stand auf jeder besseren Web-Site zum Herunterladen bereit. Für den Empfänger ergab sich daraus eine neue Herausforderung: Wie wird man einen einmal bestellten Newsletter wieder los? Mancher Newsletter versteckte seinen Abbestell-Button sehr gut und machte aus Interessenten verärgerte Uninteressierte. Seit damals führt das Wort "Newsletter" in der Betreffzeile eines E-Mails überwiegend zu einem Stirnrunzeln.
Der Niedergang setzte ein, als Unternehmen dazu übergingen, in ihrem Newsletter nicht mehr direkt Informationen, sondern hauptsächlich Links auf Informationen zu verschicken. Um aber an die Informationen des Web zu kommen, braucht man keinen Newsletter, dafür hat das Web eigene, sehr effiziente Methoden. Und da das Tempo, mit dem im Web Informationen ausgetauscht werden, sehr hoch ist, geriet der von seiner Konzeption her etwas behäbige Newsletter auf einmal ins Hintertreffen: Wer nun etwas Neues wissen wollte oder musste, der wartete nicht mehr ein paar Wochen auf den nächsten Newsletter. Mit der nun geforderten Geschwindigkeit der Informationen war der Newsletter überfordert. Was man hier erfuhr, hatte man längst anderswo gelesen – von wegen "News". Dem passten sich die Inhalte an: Mehr und mehr bestanden Newsletter aus liebloser Zweitverwertung. Klar, kaum jemand reservierte wichtige Informationen noch für seinen Newsletter.
So ist der Newsletter mittlerweile zu einem Anachronismus geworden, zu einer (fast) ausgestorbenen Medienart, die wie so vieles vom Web und seiner Dynamik überrollt wurde. Natürlich gibt es in Nischen noch Überlebende. Im schlechten Fall, weil der Anbieter der Informationen mit den neuen Medien nicht zu Rande kommt und nicht weiß, wie er seine Informationen im Zeitalter des Web verteilen soll. Im positiven (aber selteneren) Fall, weil sich die Herausgeber nicht dem Zwang zu immer mehr Aktualität beugen wollen, weil sie nicht einsehen, warum eine fachlich fundierte Information weniger gut sein soll, bloß weil sie drei Wochen alt ist. Das ist eigentlich schon wieder sympathisch und wenn ein Newsletter dann auch noch schön gemacht ist, kann er das Herz des Lesers durchaus erfreuen – wie ein schön hergerichteter Oldtimer.