In USA längst Alltag, ist das Thema Internet-Sourcing hierzulande so gut wie inexistent. An der Mentalität kann es jedenfalls nicht liegen, denn der deutsche Michel gibt Jahr für Jahr im Web mehr Geld aus für Reisen, Bücher, Musik, Staubsauger, Notebooks und Schuhe und ist mit dieser Art des Shoppens im Übrigen hochzufrieden.
Und was ist mit dem deutschen Manager? Er pflegt eine rätselhafte Zurückhaltung, wenn es darum geht, Produkte oder Dienstleistungen zeitgemäß zu beschaffen oder zu verkaufen. Zeitgemäß, das heißt: vom Schreibtisch aus den Kontakt zu den richtigen Partnern finden, bessere Preis- und Lieferbedingungen aushandeln, Prozesse optimieren, Produktion besser auslasten, den gesamten Workflow in die IT integrieren. Die Vorteile wären überragend.
Ich weiß, Qualität, Zahlungsfluss und Schutz von geistigem Eigentum beschäftigen die Unternehmen, das sind aber Aspekte, die moderne Sourcing-Plattformen zuverlässig im Griff haben. Wo ist also der Hemmschuh?
Die deutsche Wirtschaft ist geplagt von zu hoher Exportlastigkeit und Überkapazitäten, und die Innovationskraft vieler Betriebe ist, milde ausgedrückt, zurückhaltend. Das sind die traurigen Erkenntnisse, die die Finanzkrise zu Tage gebracht hat. In einem globalen Markt sind aber hohe Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit gefragt, da reicht Althergebrachtes nicht mehr. Die Nutzung zeitgemäßer Technologien wäre schon mal ein guter Anfang, wenn es darum ginge, Kosten zu sparen und Ressourcen effektiver zu nutzen. Dann wäre auch wieder mehr Zeit für Innovation und Kreativität übrig – die eigentlichen Stärken der Deutschen.