Professor müsste man sein. Oder Marktforscher.
Der Anteil von Rechenzentren am weltweiten Stromverbrauch liegt nach einer Studie des Stanford-Professors Jonathan G. Koomey zwischen 1,1 und 1,5 Prozent und ist deutlich weniger stark gestiegen als noch 2005 von ihm selbst und 2007 von der US-Umweltschutzagentur EPA befürchtet. Vor allem wegen der Wirtschaftskrise, aber auch dank Virtualisierung und Optimierungen bei der Energieeffizienz verdoppelte sich der Stromverbrauch nicht wie zwischen den Jahren 2000 und 2005, sondern wuchs nur um 56 Prozent – in den von der Wirtschaftsflaute besonders gebeutelten USA sogar bloß um 36 Prozent. (heise.de, mehr auf Koomeys Blog und in der NYT)
Da bleiben dann doch einige Fragen offen:
• "zwischen 1,1 und 1,5 Prozent" - das liegt schon ein gutes Stück auseinander, nämlich rund ein Drittel. Nichts Genaues weiß man leider nicht. Könnte aber auch 1,72% sein, nicht wahr? Oder 1,04%?
• "Vor allem wegen der Wirtschaftskrise, aber auch dank …" Das sind schon komplett unterschiedliche Dinge, die da mit einem kühnen "aber auch" verknüpft werden. Ist der Zuwachs an Servern zurückgegangen oder verbrauchen die zugewachsenen Server weniger Strom? Und was heißt "vor allem"? Mehr als 50%? Mehr als 75%? Nichts Genaues weiß man auch hier nicht (heise.de zu Folge hat Koomey seine Zahlen vom Marktforscher IDC). Dass der Stromverbrauch in den wirtschaftskrisengebeutelten USA zwischen 2005 und 2010 extra viel weniger stark mehr geworden ist, spricht nicht gerade für das "aber auch". Es klingt ein wenig wie zu Hause: "Mein Auto hat im letzten Jahr weniger Benzin verbraucht, es war aber auch ein paar Wochen in der Werkstatt."
Koomey räumt aber auch ein, dass noch viele Verbesserungen an den Schätzungen nötig seien, insbesondere bei der Beurteilung der tatsächlichen durchschnittlichen Leistungsaufnahme der Server.
Eine gute Idee.