Steve Jobs’ Auftritte auf der Macworld Expo waren jedes Jahr eine Sensation. Seine Keynotes haben IT-Geschichte geschrieben. Die Ankündigung von Neuigkeiten mit wirklichem Neuigkeitswert – etwa iPod (2001), neuer iMac (2002), Mac mini (2005), iPhone (2007), MacBook Air (2008) – wurde mit gekonnt in Szene gesetzten dramaturgischen Elementen gespickt.
Dieses Jahr überließ er nun die Keynote seinem Vizepräsidenten Phil Schiller. Phil Schiller ist ja auch kein Frischling im IT-Showbiz und stand bereits öfters auf der Bühne neben seinem Chef. Doch es war wirklich keine dankbare Aufgabe, unter den aktuellen Umständen und Spekulationen, die ja auch immer ein unmittelbares und heftiges Auf und Ab der Aktienkurse bewirken, den Auftritt allein meistern zu müssen. Zumal Apple bereits vor der Messe bekannt gab, das letzte Mal bei MacWorld Expo dabei zu sein.
Phil Schiller hatte ja auch einige hübsche Sachen anzukündigen, iLife 09 mit iPhoto (Faces and Places klingt richtig nett), iMovie etc. Nur Skeptiker oder Spielverderber würden da „Schnickschnack“ sagen... Für mich persönlich ist die Ankündigung von DRM-freier Musik auch ein Highlight. Und als PR-Beraterin für NVIDIA begeistert mich natürlich auch die Nachricht, dass in den neuen Macbook Pros endlich NVIDIA-Chipsätze mit integrierter Grafik verbaut werden, die bekannterweise viel – grob geschätzt 5- bis 10mal – leistungsfähiger sind als die Intel-Grafik.
Doch ich spiele nachtäglich gerne mit dem Gedanken, was Phil Schiller hätte machen sollen, wäre er ein eitler, effekthascherischer Mensch, der den legendären Auftritten seines CEO den Rang ablaufen wollte. Ich stelle mir vor, ich bin Phil Schillers Image-Berater und lade mein Team zum Brainstorming „Phil Schiller wird mit seinem Auftritt zum living legend“ ein. Man kann dabei von Größen in der Showbiz, deren Imagebuilding-Aktionen geradezu beispielhaft, wenn auch völlig geschmacklos sind, was abgucken. Ich möchte nicht so weit gehen, Janette Jacksons Nipplegate oder Madonnas Zungenkuss mit Britney vorbildlich zu nennen. Unpassende Vergleiche, schließlich reden wir ja hier über die seriöse IT-Branche. Aber vielleicht hätte Phil sich über sein Styling etwas zusätzliche Aufmerksamkeit generieren können. Den individualistischen dunklen Rollkragenpulli hat sein Chef schon belegt, mit anderen bunten, „geschmackreduzierten“ Pullis kann Bill Gates punkten, und auch die Schüleruniform samt kurzer Hose oder den Fächer haben für sich Stars aus anderen Branchen reserviert.
Möglichweise hätte ihm ein unkonventioneller Auftritt eine besondere Aufmerksamkeit verschafft. Aber seit Steve Ballmers Monkey Dance würde man mit einem Ententanz o.Ä. nur als trauriger Plagiator gelten.