Dienstag, 29. Juni 2010
Die Eigentor-PR Geschrieben von Susanna Tatár
in PR und Kommunikation, Technologie und Märkte um
09:24
Kommentar (1) Trackbacks (0) Die Eigentor-PRGewiss war das nicht die erste PR-Aktion in der Grafikbranche, die gehörig nach hinten losging. NVIDIA und ATi hatten kürzlich mit Attrappen- und Paperlaunch-Vorwürfen zu kämpfen und auch ihre Salami-Taktik, technische Details neuer Produkte in kleinen Häppchen an die Presse zu verteilen, löste mitunter Befremdung und Verärgerung unter deutschen Technik-Journalisten aus. Interessanterweise gelingen Intel, dessen riesige Marketing- und PR-Maschinerie doch ganz andere Potentiale als etwa die von NVIDIA hat, die peinlichsten Eigentore (wollen wir aus bekanntem Anlass bildlich sein…). Das Neueste: Intel veröffentlichte ein Whitepaper, das sich anschickt, den Mythos „GPUs sind 100mal schneller als CPUs“ zu entzaubern. Nun nahmen die Intel-Ingenieure die NVIDIA-GPU GeForce GTX 280 (die ist zwar mittlerweile veraltet, aber als Intel mit den Messungen anfing, war sie noch aktuell), und verglichen sie mit dem Core i7 960. Mit dem Ergebnis, dass die GTX 280 nur etwa 2,5mal schneller ist als der Core i7 960. Und überhaupt, generell lässt sich sagen, hieß es, dass GPUs im Durchschnitt nur 14mal schneller als CPUs sind. Abgesehen davon, dass der wissenschaftliche Wert der Messungen fraglich ist, da der Code vermutlich nicht ausreichend auf den NVIDIA-Chip optimiert wurde und der Datendurchsatz sowie Benchmarks nicht hinreichend nachvollziehbar sind, sorgte die Aussage verständlicherweise für Belustigung in der Branche. Andy Keane, Leiter der GPU-Computing-Sparte bei NVIDIA, brachte dies in seinem Blog so auf den Punkt: Es komme in der Technikwelt selten vor, dass ein Unternehmen auf einer Konferenz erklärt, seine Technik sei nur 14-mal langsamer als die seines Konkurrenten. Zumindest habe er dies in den 26 Jahren, seit er in der Industrie ist, nicht erlebt. Nach wie vor gilt es: Es wird einem nie langweilig in der Grafikbranche. Jetzt bin ich neugierig, womit uns Intel die nächste Überraschung beschert. Wird es vielleicht wieder was mit Larrabee? Letztes Jahr wurden große Erwartungen geweckt, „Intel bringt einen Grafikchip mit 16 Kernen auf den Markt….“ (NVIDIA-Chips haben mittlerweile 480), Larrabee ist dann tot erklärt worden, nur damit er auf der ISC seine wundersame Auferstehung als High-Performance-Chip feiern konnte. Wir sind gespannt, was noch alles aus dem Problemkind wird. Weitere Verwendungsvorschläge wären eventuell (je nachdem, wie die Hitzeentwicklung sein wird):
Dienstag, 1. Juni 2010
Medienkritik des kleinen Mannes Geschrieben von Susanna Tatár
in Medien um
19:38
Kommentare (0) Trackbacks (0) Medienkritik des kleinen MannesTaxifahren ist immer aufschlussreich – für einen PR-Menschen sowieso, aber wahrscheinlich auch für jeden, der sich gern informiert. Trifft man einen mitteilungsfreudigen Taxifahrer, ist das informationstechnisch teilweise besser als die "Bild" bzw. ihre lokalen Pendants zu lesen. Gestern Morgen fuhr ich mit einem wortunkargen Fahrer zur Supercomputing-Messe in Hamburg. Ich war sehr auf die neue Top-500-Liste der schnellsten Supercomputer gespannt, denn es hat sich vorab abgezeichnet, dass es ein GPU-basiertes System in die Top 3 schaffen wird. Die Aufregung des Taxifahrers hatte einen anderen Grund. Die Fahrt dauerte nur 10 Minuten, doch er hat die 600 Sekunden höchst effizient eingesetzt, Medienkritik zu üben. "Lena, Lena, Lena… Ich kann das nicht mehr hören. Himmel, das ist NUR ein Song. Und das ist NUR ein 19-jähriges Mädchen. Mein Gott, wir haben doch andere Probleme. Dieser Medien-Zirkus ist nicht mehr zu ertragen." Mit einem demonstrativen Hieb brachte er das Radio, in dem "Satellite" lief, zum Schweigen und fasste in den folgenden 591 Sekunden die gravierendsten deutschen und weltweiten Probleme kurz und pointiert zusammen. Mancher Verfasser von Pressemitteilungen könnte sich an dieser Effizienz ein Beispiel nehmen. Auf wörtliche Wiedergabe möchte ich an dieser Stelle jedoch verzichten: Erstens sind genannte Probleme – Stichwörter Hochwasser, Ölpest und Griechenland – jedem bekannt, zweitens war die Zusammenfassung des Fahrers mit zahlreichen salonunfähigen Wörtern gespickt. Als ich dann von der Messe in meinem Hotelzimmer zurück war, registrierte ich verblüfft, dass der Medien-Wahnsinn um Lena ein jähes Ende genommen hatte: Die "anderen Probleme" haben die Medien doch erreicht, sie hatten sich nun mit aller Wucht auf den Rücktritt des Bundespräsidenten gestürzt. Ich war ziemlich schockiert und fragte mich, inwiefern der Medienrummel um seine umstrittenen Äußerungen diese Entscheidung mitbewirkt hat. Plötzlich musste ich an den Taxifahrer denken, und mich ließ dabei ein skurriler Gedanke nicht los: Sollte ich morgen Früh mit ihm zur Messe fahren, wird er sagen, "Köhler hat's nur geschmissen, damit der Medien-Zirkus um das Mädel beendet wird". Aber ich fuhr heute mit einem Taxifahrer aus einem slawischen Land – zumindest ließ das sein Akzent vermuten –, der sich anscheinend weder über das Mädel noch über den Bundespräsidenten den Kopf zerbrach, sondern gut gelaunt in den Rückspiegel grinste: „Wehter gut heute. Im Mai viel Regen, ihmer Regen. Heute Sohne.“ Freitag, 30. April 2010
Grafikmarkt – Die Ruhe vor dem Sturm? Geschrieben von Susanna Tatár
in Technologie und Märkte um
11:44
Kommentare (0) Trackbacks (0) Grafikmarkt – Die Ruhe vor dem Sturm?In den letzten Monaten war es ungewöhnlich – ja fast schon beängstigend – friedlich auf dem Grafikmarkt. Letztes Jahr ging es da so richtig rund, die Fan-Boys konnten sich wöchentlich über einen neuen Schlagabtausch zwischen den Hauptplayern AMD/ATI, Intel und NVIDIA freuen... oder auch mal ärgern. Ende November 2009 titelte Golem-Journalist Nico Ernst seinen Kommentar mit „Grafikmarkt goes Gaga“. In der Tat bot 2009 alles – mit dem Motto „jeder gegen jeden“: Gerichtsklagen, Gerüchte, Schlammschlachten, Paper-Launches, Attrappen-Vorwürfe, und zu allem Überfluss auch noch lange Verschiebungen von offiziell nie angek Ende 2009 musste Intel eingestehen, dass es offensichtlich doch nicht so trivial ist, eine anständige GPU zu entwickeln, und hat das Larrabee-Projekt weiter verschoben. Frühjahr 2010 brachte NVIDIA auch DX-11-GPUs auf den Markt. Da gab es ein bisschen Bewegung in der Community, aber eigentlich recht wenig. NVIDIA hat sich die Performance-Krone wieder geholt, allerdings zu einem hohen Preis. Die Diskussionen um Energieverbrauch und Lautstärke waren sicherlich berechtigt, doch sie schienen ein wenig so, als hätte Lamborghini einen neuen Luxuskarren auf den Markt gebracht und die Ferrari-Fans würden mokieren, dass der Schlitten zu teuer und laut ist und viel Sprit frisst… NVIDIA arbeitet jetzt fleißig an der Optimierung, und AMD setzt sich – noch – die Fassade der Gelassenheit auf. Und wie geht es weiter? Der Markt zieht an, AMD und NVIDIA haben im gerade abgelaufenen Quartal ganz schön Marktanteile gewonnen, indem sie sie dem (Noch-)Platzhirsch Intel abluchsten. TSMC, der Auftragsfertiger von AMD und NVIDIA, verbessert seine Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahresquartal im – sage und schreibe – dreistelligen Bereich, mit 133 Prozent. Krise...? Wo bitte...? In der neuen Aufbruchstimmung wächst auch nun die Kampflust der Player, NVIDIA geht wieder stärker an die Öffentlichkeit gegen Intels wettbewerbswidrige Methoden. Der Frühling ist da, die IT-Märkte blühen auf… und wir alle freuen uns auf ein weiteres spannendes Jahr in der Grafikbranche. Montag, 8. März 2010
Twitter-Dinge, die die Welt nicht ... Geschrieben von Susanna Tatár
in Medien um
15:53
Kommentare (0) Trackbacks (0) Twitter-Dinge, die die Welt nicht brauchtEs gibt Firmen, die "twittern per Fax" anbieten, andere lassen Haustiere twittern. Spielzeughersteller Mattel hat einen Halsbandanhänger entwickelt, der die Bewegungen und Laute von Hunden erkennt, diese einer von 500 Twitter-Nachrichten zuordnet und die Statusmeldung sofort per WLAN an Twitter versendet. Mein Favorit ist „Endlich habe ich den Schwanz gefangen, den ich die ganze Zeit gejagt habe – Aua!“ Solche Erfolgserlebnisse meines Hundes muss ich auch unbedingt und umgehend erfahren, etwa inmitten eines Kundenmeetings. Und wenn ich während einer Presseveranstaltung einen Tweet meines Hundes lese „Ich zerfetze gerade deine Designer-Couch, für die du ein Jahr lang gespart hast“, dann werden die Pressevertreter und meine Kunden sicherlich dafür Verständnis haben, dass ich sofort heim muss - um das Möbelstück zu retten oder den Hund zu vermöbeln... Na ja, so lange man nicht auf die Idee kommt, ein ähnliches Halsband für Angestellte zu entwickeln...
Mittwoch, 3. März 2010
Der Online-Twitter-Fax-SMS-Brief Geschrieben von Susanna Tatár
in Medien, Technologie und Märkte um
17:23
Kommentare (0) Trackbacks (0) Der Online-Twitter-Fax-SMS-Brief
Das sehnsüchtige Warten ist vorbei: Er ist da, der Online-Brief. Es wird zwei Varianten geben: Einen reinen Online-Brief – es tut auch nichts zur Sache, dass andere neulich doch schon eine ähnliche Idee hatten, die unter dem Namen „E-Mail“ einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat – und eine Kombi-Version, die digitale und reale Elemente besonders elegant kombiniert: Der Absender übermittelt die Daten der Post online und diese werden dann von Postboten an den Empfänger zugestellt. Für einen Brief nach dem Hybrid-Modell wird die Post etwa 46 Cent verlangen, für den reinen Online-Brief 22 Cent. Nicht ganz zu Unrecht titelte die Computerwoche Anfang Februar: "22 Cent für (r)eine Email?"
Freitag, 12. Februar 2010
Wie viel Honorar braucht ein Freelancer? Geschrieben von Susanna Tatár
in Medien um
10:57
Kommentare (0) Trackbacks (0) Wie viel Honorar braucht ein Freelancer?
Die Medienkrise ist noch lange nicht vorbei, darin sind sich leider alle Experten einig. Auch in unserem Kernbereich, bei den IT-Medien, beobachten wir mit Schrecken das Zeitschriftensterben und den massiven Personalabbau in den Redaktionen. Zum Glück gibt es auch einige Hoffnungsschimmer, LANline wurde aus dem Konradin-IT-Verlag, den Konradin komplett fallen gelassen hatte wie eine heiße Kartoffel, „rausgerettet“ und lebt unter den Fittichen des ITP-Verlags weiter. Auch freuen wir uns über neue Medienprojekte, wie etwa Virtualisierungsguide.de, tech-test.de oder WindowsPro.de, die unter anderem von ehemaligen Journalisten der Computerzeitung, des Windows IT Pro oder der Computerwoche ins Leben gerufen wurden.
Die Überschrift spiel auf meinen früheren Beitrag "Wie viel Schlaf braucht ein Freelancer?" an. Dort ging es darum, wie Verlage ihre festen Mitarbeiter in die Selbstständigkeit drängen. Wie steht es aber generell um Freelancer im IT-Themenbereich? Einerseits versuchen viele der früher festangestellten Journalisten, als Freelancer zu überleben – das hieße dann, es gibt mehr freie Journalisten, also muss es schwieriger sein, ihre Artikel unterzubringen. Andererseits läge es auf der Hand, dass Freelancer nun mehr Aufträge von den Medien bekommen, arbeiten doch die meisten Redaktionen mit grob geschätzt 50 bis 70 Prozent der Personalressourcen im Vergleich zu bis vor zwei Jahren.
Wir beobachten, dass freie Journalisten ihr Businessmodell in den letzten 18 Monaten teils gravierend überarbeitet haben. Sie erschließen zusätzliche Einnahmequellen, indem sie sich nun nicht ausschließlich von den Medien als Auftraggeber vergüten lassen, sondern teils von den Unternehmen, über die sie schreiben. So verschwimmen immer mehr die Grenzen zwischen PR und Journalismus. Neulich erzählte mir ein bekannter freier Journalist, dass er IT-Zeitschriften Artikel umsonst abliefere und daher von den Unternehmen, die in den Artikeln zu Wort kommen, sein Honorar holen müsse. Abgesehen davon, dass dieses Verhalten der Verlage als Ausbeutung und jegliches Fehlen von Berufsethos bewertet werden kann, stellt sich auch die Frage, was nun der Unterschied zwischen einem PR-Text und diesen Texten sei. Ich sage jetzt mal: gar keiner. Dass ich als PR-Beraterin das Verschwimmen der Grenzen zwischen PR und Journalismus für nicht wünschenswert halte, ist kein Widerspruch: Die Glaubwürdigkeit der Medien leidet weiter, dies führt dann zu weiter sinkenden Auflagen, das wiederum weiteren Entlassungen in den Redaktionen.
Montag, 1. Februar 2010
"Avatar": Der Sieg des ... Geschrieben von Susanna Tatár
in Technologie und Märkte um
09:03
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: 3d, 3d-film, 3d-kino, avatar, computergrafik, filmindustrie, kino, rendering, stereoskopie
"Avatar": Der Sieg des Guten – und der 3D-Computergrafik"Avatar" hat es offensichtlich geschafft: Der 3D-Blockbuster brach nicht nur alle Kassenrekorde, sondern hat das alte-neue Thema 3D zum Kino-Mainstream gemacht. 2009 kam ich bei NVIDIA-Events zwar mehrmals zum Vergnügen, 3D-Spiele, -Filmsequenzen und -Fotos zu sehen, „Avatar“ war aber mein erster 3D-Film in voller Länge. Rein aus beruflichem Interesse und ziemlich skeptisch ging ich in die Vorstellung – und musste dann zugeben, vom Film mitgerissen worden zu sein. In erster Linie hat mich angenehm überrascht, dass die stereoskopische (dreidimensionale) Darstellung richtig dosiert war – sprich, sehr, sehr niedrig. Ich hatte von Cameron, Erschaffer des Monumental-Schinkens Titanic, erwartet, wesentlich dicker aufzutragen. Doch die Tiefeneffekte waren bewusst moderat gehalten beziehungsweise die Tiefen-Ebenen wurden Schritt für Schritt dazu geschaltet. Zudem gab es nur wenige Stellen, in denen Objekte aus der Leinwand hervorragten oder davor schwebten. Doch „Avatar“ ist mittlerweile auch mehr als gutes 3D-Entertainment: Der Film mauserte sich – trotz seiner viel einfacher gestrickten Story als etwa die von „Star Wars“ oder von „Herr der Ringe“ – zu einem sozialen Phänomen, indem er vielen, völlig verschiedenen Menschen eine Art Identifikationsbasis bietet. Kolumnistin Hung Huang beschreibt in China Daily, dass viele Chinesen sich mit dem Na'vi-Volk identifizieren, denn in China werden Bürger auch von erzwungenen Umsiedlungen betroffen. Stern-Autoren Schmidt und Teichmann formulieren dies so (4/10, 21.1.10): "Avatar ist platt genug, dass jeder alles versteht. Aber eben auch tief genug, dass jeder etwas Passendes darin findet." Und tatsächlich: Umweltschützer, Naturliebhaber, Ethnologen, Philanthropen, Pazifisten, Globalisierungsgegner, unter Burn-out-Syndrom Leidende, Hippies, Realitätsflucht-suchende Yuppies, US-Kritiker – jeder findet seine eigenen Botschaften im Film. Sogar die Tabakindustrie kann sich über die qualmende Wissenschaftlerin (Sigourney Weaver) freuen... beziehungsweise über den Erfolg ihrer Lobbyisten…
Freitag, 6. November 2009
Zum Scanner, Liebling! Geschrieben von Susanna Tatár
in Technologie und Märkte um
13:28
Kommentare (0) Trackbacks (0) Zum Scanner, Liebling!Die skurrilste Chipmeldung des vergangenen Monats war für mich die Meldung über VeriChip. Heise.de berichtete:
Zugegeben, die Meldung bewegt die Phantasie einer Frau, deren Kontostand nie so hoch sein kann wie die Defizite ihres Kleider- und Schuhschranks. Böse Zungen sagen einer Dame, die bei der Partnerwahl großen Wert auf den monetären Status der Kandidaten legt, nach, „sie betrachtet ihren Partner als wandelndes Portemonnaie“. Beim Lesen der Meldung bekommt dieser chauvinistische, grundgemeine Spruch eine neue Tragweite. Mir schwebt eine Szene vor, in der eine Dame mit ihrem Partner shoppen geht und ihn dann – ja zufällig – zum Zahl-Scanner-Gerät schubst. „Ups, Schatz, du bist schon gescannt worden, vielen Dank für die zwei Louis-Vuitton-Taschen, ach, das wäre ja nicht nötig gewesen.“ Mittwoch, 4. November 2009
Wie viel Schlaf braucht ein Freelancer? Geschrieben von Susanna Tatár
in Medien um
16:13
Kommentare (0) Trackbacks (0) Wie viel Schlaf braucht ein Freelancer?Zum Glück ist alles in bester Ordnung in der deutschen Medienlandschaft, berichtete mein Kollege Rainer Doh am Montag über die Bombenstimmung der Medientage München. Einen Tag später die Meldung auf wuv.de: Kahlschlag bei magnus.de. Magnus.de wurde im September 2007 als Launch des Jahres angekündigt und ist im Dezember 2007 mit großem Tamtam live gegangen. Der ehrgeizige Plan sah vor, einen Pool von 20 Mitarbeitern aufzubauen. Knapp zwei Jahre später lagert Weka Media nun die Magnus-Redaktion komplett aus. Allen sechs Online-Redakteuren sei gekündigt worden. Besonders prekär die Begründung: Magnus.de soll ein "rund um die Uhr aktuelles Online-Portal" werden. Ist das so zu verstehen, dass Weka annimmt, Freelancer würden weniger Schlaf als fest angestellte Redakteure brauchen und könnten daher nachts aktuelle Berichte online stellen? Oder möchte Weka statt den sechs festen Mitarbeitern 12 Freelancer in zwei Schichten oder 18 Freelancer in drei Schichten beschäftigen? Ebenfalls diffizil: Mit den gekündigten Redakteuren will das Medienhaus Gespräche über eine "mögliche freie Mitarbeit" führen. Die Betroffenen sollten sich wohl schon mal – analog zu einem Bewerbungstraining – passende Antworten auf die Fragen „Wie ist Ihr Tagesrhythmus?“ und „Wie viel Schlaf brauchen Sie?“ überlegen.
Mittwoch, 21. Oktober 2009
Fight Club Chipindustrie Geschrieben von Susanna Tatár
in Technologie und Märkte um
13:09
Kommentare (0) Trackbacks (0) Fight Club ChipindustrieDie Krimis von Christie und Wallace, die Schocker von Hitchcock und Lynch sind zum Einschlafen, vergleicht man sie mit einem gewöhnlichen Monat in der Chipindustrie. Gäbe es ein „Who suits whom?“ der Branche, wäre es dicker als Brockhaus. Im Februar 2009 verklagt Intel NVIDIA, um ein seit 2004 gültiges Lizenzabkommen für ungültig zu erklären. NVIDIA fertigte Chipsätze für Intel-Plattformen seit geraumer Zeit, und nun behauptet Intel, dass die Lizenz für Prozessoren mit integriertem Speichercontroller nicht gilt. Dass die kommenden neuen Generationen der Intel-Prozessoren in diese Kategorie fallen, können wir als einen wundersamen Zufall oder als Ironie des Schicksals betrachten. NVIDIA reichte zwar Gegenklage ein, doch ein Urteil lässt auf sich warten. Nachvollziehbarerweise stellte NVIDIA mittlerweile die Entwicklung der betreffenden Chipsätze ein, was wiederum für Gerüchte und Klatsch in der Szene sorgte – und Gerüchte sind für eine Aktiengesellschaft alles andere als harm- und belanglos. Im Mai wurde Intel von der EU-Kommission eine Rekordstrafe von 1,06 Milliarden Euro verhängt. Unter anderem soll das Unternehmen Media Saturn mit wettbewerbswidrigen Methoden – Rabattpraktiken und direkten Zahlungen – zum Verkauf von PCs mit Intel-CPUs "animiert" und so Konkurrenten AMD geschädigt haben. Intel hat natürlich Berufung eingelegt, die Scharen von Intel-Juristen sollen schließlich für ihre üppigen Gehälter auch was tun. In den letzten Wochen bewegte ein Schlagabtausch zwischen NVIDIA und AMD die Branche. Seit 2006 gehört ATi, NVIDIAs Hauptkonkurrent im GPU-Design, zu AMD. Nun bezichtigt AMD NVIDIA, durch die Zusammenarbeit mit Spieleentwicklern für sich Vorteile und so natürlich Nachteile für ATis Grafikprozessoren verschaffen zu haben. NVIDIA hat in der Tat ein umfangreiches Programm, TWIMTBP, The Way it’s Meant to be Played, in dessen Rahmen sie mit Spieleentwicklern an neuen Spielen arbeiten und diese an verschiedenen Hardwarekonfigurationen testen und optimieren. NVIDIAs Developer-Relations-Team reagierte auf AMDs Vorwürfe mit einem Statement von erfrischender Unverblümtheit:
By the way, wurde Adidas schon vorgeworfen, bei der Entwicklung von Joggingschuhen mit Joggern zusammenzuarbeiten? Oder etwa Loreal bezichtigt, Nivea zu schädigen, indem sie bei der Entwicklung von Faltencreme reife Frauen als Testpersonen verwenden? Donnerstag, 24. September 2009
Yes we sing Geschrieben von Susanna Tatár
in PR und Kommunikation um
13:39
Kommentare (0) Trackbacks (0) Yes we singEine gelungene Initiative zur Mobilisierung zukünftiger Erstwähler war die Jugendwahl am 19. September. Die Zielgruppe ist nicht unerheblich: Am 27. September dürfen 3,5 Millionen junge Deutsche ihre Stimme zum ersten Mal abgeben. Sieht man allerdings in Stefan Raabs TV Total den "Erstwählercheck", kann man angesichts der vollkommenen Ahnungslosigkeit der Kandidaten nur hoffen, dass das alles gestellt ist. Von großer Tragweite ist also die Herausforderung, jungen Wählern die Wahlkampagnen näher zu bringen – seit jeher versuchen galaktisch bezahlte PR-Agenturen und Wahlberater dies zu meistern. Natürlich, die alten PR-Basics, Emotionalisierung der Kampagnen, Identifikationsmerkmale für die Kandidaten schaffen. Kurze, prägnante – wenn auch sinnentleerte – Slogans haben ihre Effizienz kürzlich unter Beweis gestellt. In den USA wird auch gerne auf die Wirkung von Musik gesetzt, für die Kandidaten wird häufig ein „Wahlkampfsong“ etabliert. Berühmter Fauxpas war die Auswahl von Bruce Springsteens „Born in the USA“ – im Text beklagt sich ein Vietnam-Veteran, vom Staat fallen gelassen zu sein. Auch deutsche Kandidaten versuchten sich in den letzten Monaten mit Wahlkampfsong, br-online machte sich nicht unberechtigt lustig über manche ungelenken Versuche. Am effektivsten wäre sicherlich – ich klammere hier die Frage des Urheberrechts aus –, mit bekannten Songs zu arbeiten. Herrn Steinmeiers Name bietet gleich eine schöne Stei(n)lvorlage: „Papa was a rolling stone“. Frau Merkel ist natürlich das „Supergirl“. Für Frau von der Leyen fällt mir auf Anhieb „Lady Madonna“ ein. Und für Herrn zu Guttenberg? Zugegeben, es wäre oberflächlich, ihn auf seine stets gepflegte Frisur zu reduzieren und ihm den Song „Mein Baby war beim Frisör“ zu verpassen. Genauso unfair wäre es, Herrn Seehofer den Song „Macho, Macho“ zu geben, das Lied hätte sich für „Medienkanzler“ Schröder besser geeignet – in den letzten Jahren war Gerd allerdings eher mit „Moskau, Moskau“ unterwegs. Und gut, wenn wir schon dabei sein, kann ich mir nicht verkneifen, Frau Schmidt „Baby you can drive my car“ zuzuordnen. Vera Lengsfeld ist nach dem „Dekolleté-Plakat“ nun das „Sexy thing“. Wobei Halina Wawzyniak mit ihrem Gesäß-Wahlplakat noch dicker aufgetragen hat (das ist nicht wörtlich zu nehmen). Zu ihrem Plakat fällt mir kein passender Song ein, und ich werde mich davor hüten, dieses Wort als Suchwort bei YouTube einzugeben... Freitag, 4. September 2009
Kommunikations-Update aus Paprika-Land Geschrieben von Susanna Tatár
in PR und Kommunikation um
00:21
Kommentare (0) Trackbacks (0) Kommunikations-Update aus Paprika-LandNeulich hatte ich bei einem längeren Heimat-Urlaub in Ungarn die Gelegenheit, die Kommunikations- und Web-2.0-Gewohnheiten meiner Landsleute zu studieren. Ein Handy hat schon lange jeder einzelne Ungar zwischen 12 und 70 Jahren – vor 10 Jahren noch Statussymbol, ist es nun das Telekommunikationsmittel: Viele haben das Festnetz abgemeldet, mit den Mobilfunkpreisen kann der alte Festnetzmonopolist MATÁV nicht mithalten. Das private Messaging erfolgt neben SMS und Email hauptsächlich über MSN und Skype. Etwa die Hälfte meiner Freunde teilt seine Fotos mit anderen auf Flickr oder Picasa. Auch YouTube hat schon lange eine ungarische Oberfläche und wird viel besucht; daneben gibt es populäre ungarische Videoportale. Auch das mobile Internet setzt sich immer mehr durch. Die urbanen, jüngeren Leute sind im Web 2.0 sehr aktiv. Bei Networks ist – noch – iwiw.hu der ungeschlagene Sieger. Iwiw funktioniert an sich unter denselben Prinzipien wie etwa Facebook, man hat ein Profil, lädt Fotos und Videos hoch, sammelt Freunde, sendet ihnen private Nachrichten. Was fehlt, ist die äußert amüsante Startseite mit Statusmeldungen (wobei das sicherlich früher oder später von Facebook abgekupfert wird wie auch andere Features…). War Facebook vor 1-2 Jahren in Ungarn kaum ein Begriff, erhöht sich nun die Nutzerzahl rapide. Vor allem junge, urbane Magyaren mit Fremdsprachkenntnissen und internationalem Freundesnetzwerk (größtenteils mit akademischem Hintergrund) sind auf Facebook nun aktiver als auf iwiw. Facebook hat auch schon länger eine ungarische Oberfläche, diverse (teils hirnrissige) Quizes auf Ungarisch, viele natürlich mit ungarischem Bezug. Wie etwa das Quiz: Was war dein Liebling unter den ungarischen Zeichentrick-Figuren? Mein Ergebnis war der „kockásfülü nyúl“ (der Hase mit den karierteren Ohren), das ich mit Bild des seltsamen Hasen veröffentlichte. Daraufhin fragte eine chinesische Freundin von mir, was dieses „cute thing“ sei. Bevor ich hätte antworten können, hat einer meiner ungarischen Freunde, die meine Freundin ja gar nicht kennt, ihr erklärt, dass das ein „annoying, strange bunny“ sei, der fliegen konnte und ständig „protected a fat loser kid“. Dies war zwar nicht unbedingt im Sinne der Vermarktung ungarischen Kulturgutes, aber der Dialog lieferte mir nun wieder einen Beweis dafür, dass Facebook eine hervorragende Plattform interkulturellen Austausches ist. Donnerstag, 13. August 2009
Justitia outgesourct Geschrieben von Susanna Tatár
in Wirtschaft und Politik um
17:40
Kommentare (0) Trackbacks (0) Justitia outgesourctIT-Outsourcing wird weitgehend positiv diskutiert. Doch Outsourcing in anderen Bereichen, etwa in der Politik, ist hierzulande heikel. Heftige Angriffe gibt es nun auf Wirtschaftsminister zu Guttenberg – er ließ einen Gesetzentwurf zur Zwangsverwaltung maroder Banken von einer externen Kanzlei (von einer britischen) ausarbeiten. SPD und Grüne werfen ihm Steuergeldverschwendung vor, zudem sei unverantwortlich und unprofessionell. Dabei ist das Outsourcing in Ministerien nicht neu – in vielen anderen Ländern ohnehin Usus, auch in Deutschland gab es etliche Fälle: Das Bundesverkehrsministerium hat externen Beratern für den Gesetzentwurf zur Neuorganisation der Eisenbahnen 1 Mio. hingeblättert, das Umweltministerium lagerte den Entwurf des Gesetzes zur "Atomrechtlichen Abfallverbringungsverordnung" aus. Also wozu jetzt die Aufregung? Im Wahlkampf lässt sich eben jedes Thema aufblasen, ob Gesetzes-Outsourcing oder Dienstwagenaffäre. Letzteres sorgte in Osteuropa für große Belustigung – teilweise auch für Befremden... Dienstwagen privat verwenden, was ist daran so ungewöhnlich – wie sollen die Kinder zur Schule, die Gattin zum Shopping und die Geliebte ins Präsidentenbüro kommen, mit dem Bus etwa...? Und damit man im fetten Dienstwagen nicht im Stau steht, gibt es auf Moskaus Straßen für Politiker in der Tat einen eigenen Fahrstreifen. Dienstag, 21. Juli 2009
Schöne, neue Animal Farm Geschrieben von Susanna Tatár
in Medien, Technologie und Märkte um
13:33
Kommentare (0) Trackbacks (0) Schöne, neue Animal FarmAmazon hat vorgestern legal erworbene eBooks von den Kindle-Geräten seiner Kunden gelöscht, denn die Bücher waren von einer Firma in den Kindle-Store eingestellt worden, die die dazu nötigen Rechte nicht besaß. Wen wundert's, dass der Aufschrei groß war: Der Zugriff von außen ist für die User sicherlich ein befremdliches Gefühl – auch wenn man weiß, dass Amazon und natürlich auch diverse andere Anbieter dazu in der Lage sind. Und ausgerechnet die Romane 1984 und Animal Farm von George Orwell waren von der Vernichtung durch Außeneingriff betroffen – welch Ironie des Schicksals, geht es doch in beiden Romanen um Zukunftsutopien, in denen Menschen (bzw. Tiere) ihre Selbstbestimmung weitgehend verlieren und von außen überwacht, geleitet und manipuliert werden. Den PR-GAU könnten folgende Aktionen vollständig machen: Löschung der Werke Fahrenheit 451 von Ray Bradbury (vorzugsweise durch „Verbrennen“ der Datei), Schöne, neue Welt von Aldous Huxley (indem man den Usern Soma verabreicht und während sie „schlummern“, wird der Löschvorgang ungemerkt vorgenommen) und The Sentinel von Arthur C. Clarke (die literarische Vorlage für 2001: Odyssee im Weltraum – da muss der Anbieter gar nichts machen, HAL übernimmt die Aufgabe eigenständig).
Donnerstag, 16. Juli 2009
Wer hat Angst vorm Googieman? Geschrieben von Susanna Tatár
in Technologie und Märkte um
16:08
Kommentare (0) Trackbacks (0) Wer hat Angst vorm Googieman?Die Nachricht, dass Google 2010 als Erweiterung des Browsers Chrome ein eigenes Betriebssystem auf den Markt bringen möchte, hat die Branche in hellen Aufruhr versetzt. Das Handelsblatt widmete der Ankündigung sogar die Titelstory – bebildert mit einem hübschen gelben Mähdrescher mit Google-Aufschrift, der auf der grünen Microsoft-Wiese eines Windows-Desktops mäht. Eine Woche nach der Ankündigung gibt sich Microsoft betont gelassen. Windows-Chef Bill Veghte spielt Chrome OS als „ein Blog-Eintrag“ herunter. Bill Gates meint, Chrome OS ist "ein Linux unter vielen". Steve Ballmer findet Chrome OS "hoch interessant", denkt aber gleichzeitig, dass die Nutzer die Verlagerung aller Aktivitäten ins Web nicht wünschen, sondern weiterhin eine Kombination von Online- und Offline-Anwendungen bevorzugen werden. Die Open-Source-Community sieht dahinter allerdings eine ganz andere Message. Jan Wildeboer, Open-Source-Evangelist bei Red Hat, betont im Handelsblatt-Interview (Nr. 129, 9.6.09., S. 2): Die wahre Nachricht sei, dass es ohne Windows geht. Er weist darauf hin, dass alle neuen erfolgreichen Services – egal ob Facebook, Twitter, Xing oder Cloud Compting – im Browser laufen. „Keine namhafte Neugründung in den vergangenen fünf Jahren ist ohne Open-Source-Software groß geworden.“ Annette Jump von Gartner sieht es auch nicht ganz so gefahrlos für Microsoft: „Die Hersteller suchen nach günstigen Alternativen zu Windows.“ Ist Microsofts Gelassenheit nur gute Miene zum bösen Spiel? Nun ja, das Boogieman-Potenzial von Firefox oder Open Office hat man anfangs auch verdrängt... |
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