Dienstag, 7. September 2010Die Edelblogger (I)Blogs und "klassische" Medien stehen in einem eher spannungsvollen Verhältnis. Letztere halten Blogs gern für eine (weitere) Abart des digitalen Sargnagels der 4. Gewalt; die Gegenseite sieht sich als legitimer Nachfahre der dem Untergang geweihten "Holzmedien" – im Ergebnis laufen beide Positionen in etwa auf das Gleiche hinaus. Tatsächlich herrscht auch nach offiziellem Ende von Finanz-, Immobilien-, Griechenland- und anderen Krisen, weiterhin "Medienkrise". Redaktionen werden zusammengestrichen oder Titel gleich ganz eingestellt. In den USA, wo das Medienwesen und die Bloggerei – und natürlich auch die Medienkrise – noch immer drei Schritte voraus sind, kam vor einiger Zeit daher die Idee auf, die Blogs müssten solche Ausfälle auf Seiten klassischer Medien substituieren, schöner formuliert: "dass die Blogger eine größere Verantwortung im Mediensystem übernehmen müssen". Natürlich gibt es dazu Studien:
Es ist hier ein wenig so wie mit dem Radiowecker, der kein Spiegelei braten kann: Blogs sollen, natürlich ganz ohne finanzielle Ausstattung, das leisten, was den Medien zu teuer geworden ist – und dann stellt man sich mit großen Augen hin und muss erkennen: Ach, das schaffen die ja gar nicht. Nur mal zu Erinnerung, damit es nicht ganz in Vergessenheit gerät: Blogs sind Online-Tagebücher, woher ja auch der Name kommt (weB-LOGbuch). Sie stellen damit eine persönliche Sicht des Autors dar, persönlich hinsichtlich Darstellung und Bewertung aber auch hinsichtlich Themenauswahl. Blogger greifen auf, was sie selbst interessiert, was ihnen auf den Nägeln brennt oder auch nur worüber sie schon immer mal was schreiben wollten. Wie soll man darin etwas wie "Nachrichtenabdeckung" unterbringen? Von einer Zeitung, egal ob gedruckt oder online, erwartet man sich etwas anderes, vor allem eine systematische Befassung mit den Themen des jeweiligen Sachgebiets und wenn etwas aufgegriffen wird, eine halbwegs gute Recherche darüber. Wenn Blogs das nicht leisten, so nicht bloß, weil sie dafür kein Geld haben. Blogs sind keine Ersatzzeitung. Das gilt natürlich auch umgekehrt, Zeitungen sind nicht einfach ein besonders großer Blog. Diesem Missverständnis unterliegt beispielsweise Heribert Prantl, einer der deutschlandweit führenden Journalisten, der sich in seiner Süddeutschen Zeitung zum Verhältnis Blog – Medien so äußert:
Da mache ich mir gleich mal einen Kernsatz von Heribert Prantl zu eigen: Das ist, mit Verlaub, Unfug. Zeitungen sind ganz und gar kein Blog für professionelle Journalisten, sondern schlichtweg etwas anderes. Wie gesagt: Blogs sind eine Art Online-Tagebuch usw. – siehe oben. Oder sind die erwähnten Edelblogger nur Blogger, die zum Bloggen zu edel sind? Machen wir die Probe aufs Exempel und wenden wir uns nach diesem theoretischen Vorspiel dem Konkreten zu: Wie bloggen eigentlich unsere klassischen Medien? Wobei man natürlich grundsätzlich fragen könnte, warum bloggen sie überhaupt? Schließlich haben sie – im Unterschied zu nicht so edlen Arten von Bloggern – doch schon ihre Plattformen. Warum auch immer, sie tun 's jedenfalls. Fortsetzung folgt morgen Donnerstag, 2. September 2010
Abenteuer Hochverfügbarkeit Geschrieben von Rainer Doh
in Technologie und Märkte um
13:13
Kommentare (0) Trackbacks (0) Abenteuer HochverfügbarkeitWas Hochverfügbarkeit ist, ist eigentlich klar definiert. Oder doch nicht so ganz klar? Wikipedia nimmt sich der Sache zwar recht ausführlich an, will sich aber dann doch nicht so genau festlegen:
Man "spricht" also ab 99,9% von Hochverfügbarkeit, aber erst bei 99,999% wird es "allgemein unstrittig". Kein Wunder, dass in der IT derzeit eine Inflation des Begriffs "Hochverfügbarkeit" festzustellen ist. Alles ist hoch verfügbar beziehungsweise hochverfügbar. Wobei sich natürlich kaum ein Unternehmen, sei es Anbieter oder Anwender, darauf festlegen will, was denn unter Hochverfügbarkeit konkret zu verstehen sein soll. Es ist offenbar so, dass Hochverfügbarkeit immer das ist, was die eigenen Systeme gerade bieten können – das nennt man dann wohl "herstellerabhängig". Auf Basis dieser hoch flexiblen Definition können Unternehmen ihre Server mit einer "Hochverfügbarkeit von 99,5 Prozent" und einer "maximalen zusammenhängenden Ausfallzeit von 2 Stunden" betreiben. Hoffentlich wird auf diesem hoch verfügbaren System nicht mein nächster Flug gebucht. Vor einigen Wochen haben wir selbst im Rahmen einer Umfrage unter IT-Verantwortlichen zum Begriff Hochverfügbarkeit teilweise abenteuerliche Antworten erhalten. Zum Beispiel: "Wir sind hoch verfügbar, weil wir regelmäßig Backups machen." Oder: "Wir sind hoch verfügbar, weil wir für unsere Rechner ein eigenes Ersatzteillager haben." Vielleicht gibt es ja für den Lötkolben ein zweites Netzteil. ![]() So … einen Moment … gleich sind wir wieder hoch verfügbar. Quelle: mightyohm via Flickr Creative Commons Unser Kunde Stratus, als Anbieter fehlertoleranter Server bezüglich Hochverfügbarkeit auf der sicheren Seite, hat zur Klarstellung der Begriffe mal aufgeschrieben, was Hochverfügbarkeit alles nicht ist:
Warum nicht, kann man hier und auch dort ausführlich nachlesen. PS: Bei einem Verfügbarkeitsniveau von mindestens 99,99 % beträgt die durchschnittliche Ausfallzeit höchstens 52 Minuten pro Jahr. Fehlertolerante Server erreichen eine Verfügbarkeit von 99,999 % bis 99,9999%, was einer durchschnittliche Ausfallzeit von etwa 5 Minuten beziehungsweise einer halben Minute pro Jahr entspricht. Daran musste mal wieder erinnert werden. Mittwoch, 25. August 2010
Immer wieder Cloud Computing Geschrieben von Rainer Doh
in Technologie und Märkte um
15:20
Kommentar (1) Trackbacks (0) Immer wieder Cloud ComputingAuf Zeit-Online hat Christiane Schulzki-Haddouti einen interessanten Beitrag zum Thema Cloud Computing geschrieben. Der wird jetzt hier nicht nacherzählt - hier ist der Link zum Selberlesen. Wir beschränken uns auf ein paar Statements daraus:
Seltsam, dieser Punkt ist eigentlich seit der Erschaffung des Cloud Computing virulent - und das war's dann auch. Ceterum Censeo ... So ist am selben Tag beispielsweise bei ChannelPartner zu lesen:
Also führt kein Weg vorbei an "völlig uneinsehbar"? Motto: "Wir machen das jetzt einfach mal" - setzen auf eine Technologie bei der ein paar grundlegende Fragen völlig offen sind. Es sind ja nur Rechtsfragen. Dazu noch einmal Zeit-Online:
Und wenn diese International Cloud Agency (ICA) nicht zu Stande kommt? Am Ende ist die Cloud sogar der berühmte "rechtsfreie Raum"? Freitag, 20. August 2010
Die Wahrheit über unsere Festplatten Geschrieben von Rainer Doh
in Technologie und Märkte um
15:21
Kommentare (0) Trackbacks (0) Die Wahrheit über unsere FestplattenDie Festplattenkapazität wird größer und größer. Mittlerweile bekommt man für 80 Euro im Elektrohandel schon ein komplettes Terabyte. Sehr lange ist es noch nicht her, dass sich in dieser Dimension ganze Rechenzentren bewegten. Der Speicherhunger ist gerade im Privatsektor nach wie vor riesig: Audio, Foto und Video verschlingen die Gigabytes geradezu. Bevor wir jetzt zivilisationskritisch werden und fragen, wo das alles enden soll (Petabyte > Exabyte > Zettabyte > Yottabyte), fragen wir erst einmal, wo wir bezüglich der Festplattengrößen eigentlich konkret stehen. Schließlich ist ein verkauftes Terabyte ja noch lange kein genutztes Terabyte. Unser Kunde PC Pitstop ist Spezialist für das Online-Tuning von PCs. Das Unternehmen analysiert PCs per Web und führt dann automatisch diverse Systemoptimierungen durch. Beim Analysieren fällt jede Menge statistisches Material an (selbstverständlich anonym). Im Unterschied zu sonstigen Daten dieser Art stammen diese aus der wirklichen Welt, es handelt sich also nicht um Verkaufszahlen oder die berüchtigten Schätzungen von Marktbeobachtern, es sind vielmehr Daten, die aus Rechnern stammen, die tatsächlich im Einsatz sind. Bei 19.135 Festplatten, die analysiert wurden, ergab sich eine Durchschnittsgröße von 224 GB. Davon waren durchschnittlich 58,5 GB benutzt, also etwa 26 Prozent. Oder ausführlich:
Größenklasse Kapazität benutzter Platz freier Platz
unter 50 GB 12,4% 60,4% 30,9%
50 - 100 GB 21,8% 26,1% 20,1%
100 - 150 GB 16,8% 7,5% 12,8%
150 - 200 GB 9,1% 2,9% 8,9%
200 - 250 GB 11,1% 1,3% 7,5%
250 - 500 GB 21,5% 1,6% 13,6%
über 500 GB 7,3% 0,2% 6,2%
100% 100% 100%Nur etwa 7% der PCs haben also eine Festplattenkapazität von mehr als 500 GB. Nur rund 0,2% aller untersuchten PCs nutzen mehr als 500 GB. Fast 70 Prozent haben mehr als 50 GB freien Plattenspeicher (ich gehöre leider nicht dazu). Nur 8 Prozent der Platten sind zu mehr als 75 Prozent belegt, 41 Prozent zu weniger als 25 Prozent und 11 Prozent zu weniger als 10 Prozent. Oder ausführlich: Auslastung der HD Nutzer in % <10% 11% 10% - 25% 30% 25%-50% 34% 50%- 75% 17% 75%-90% 6% >90% 2% Da PC Pitstop beim Einloggen auch nach dem Geschlecht der Anwender fragt, wissen wir, dass Männer etwas größere Festplatten als Frauen verwenden: Beträgt die durchschnittliche Festplattengröße bei männlichen PC-Nutzern 228 GB, so begnügen sich Frauen mit 192 GB. Männer haben im Durchschnitt etwa 168 GB Plattenkapazität frei, Frauen etwa 145 GB. So, nun liegen die Daten auf dem Tisch und jeder kann selbst entscheiden, wie er sein weiteres Leben darauf einstellt.
Mehr Festplattenstatistik HIER Dienstag, 17. August 2010
Keine Sorge wegen Street View Geschrieben von Rainer Doh
in Datenschutz um
09:54
Kommentare (0) Trackbacks (0) Keine Sorge wegen Street ViewDatenschützer müssen sich wegen Street View (doch) keine Sorgen machen - Google nimmt das mit dem Verpixeln wirklich sehr ernst: ![]() Gesehen mit Street View in Stonehaven, Kincardineshire, UK Montag, 16. August 2010Hallo?In der SZ hat sich vorgestern Alex Rühle Gedanken über das (vermeintliche) Ende des Telefons gemacht. Ein Thema von epochaler Bedeutung, so dass wir uns in die Diskussion einklinken müssen. In den USA soll nämlich, so ist zu lesen, seit 2005 die Zahl der Telefonanrufe kontinuierlich zurückgehen. Zugleich nimmt die Dauer der Telefongespräche ab: "Dauerte ein Gespräch vor fünf Jahren durchschnittlich drei Minuten, so hat man sich mittlerweile anscheinend schon nach 90 Sekunden nichts mehr zu sagen." Vor allem junge Menschen nutzen Telefon intensiv – aber dem Vernehmen nach immer weniger zum Telefonieren, und die Telko-Anbieter scheinen ihr Geschäftsmodell auch mehr auf den Datenverkehr zu verschieben. Deutet sich da ein globaler Trend an? Man muss zugeben: Asynchrone Kommunikationsdienste (schöner Begriff!) haben ihre Vorteile: Schließlich ist ein E-Mail "self-documenting", man kann auch nach vier Wochen den genauen Wortlaut rekapitulieren. Und das gilt sogar für Kanäle wie SMS oder Twitter mit ihrem extrem restriktiven 140-Zeichen-Limit. Alex Rühle weist noch auf ein weiteres Manko des Telefonieren hin – eines, das mehr im Zwischenmenschlichen angesiedelt ist:
Bizarr, in der Tat. Wie formvollendet tritt dagegen ein E-Mail auf, das mit einem fröhlichen "Hallo Herr Meier" beginnt. Noch ein Aspekt auf den die SZ hinweist: Wieder in den USA hat eine Studie gezeigt, dass Politiker, die sich per Telefon austauschten, durchschnittlich 13 Minuten miteinander redeten, im direkten Gespräch hingegen eine dreiviertel Stunde. Außerdem "konnte am Telefon der jeweilige Sprecher gerade mal 15 Wörter sagen, bis sich sein Gegenüber einschaltete, während es in der persönlichen Begegnung fast doppelt so viele waren." Das gilt nicht selbstverständlich nur für Politiker. Hier zeigen sich vielmehr ganz generell die Grenzen von telefonischen Interviews – im direkten Gespräch kann man einfach mehr erfahren. Die Gesprächspartner sind im realen Vis a Vis auskunftsfreudiger, sie erzählen Dinge, Hintergründe und Einschätzungen, die sie einer Telefonstimme nie verraten würden. Beim Telefonieren will man offenbar möglichst schnell wieder auflegen. Nun fehlt noch eine Studie, die uns sagt, wie sich das bei einer Videokonferenz verhält – liegt sie näher an 13 oder näher an 45 Minuten? Wir sind gespannt auf die Antwort der Wissenschaft. Mittwoch, 11. August 2010
Roaming: Selber schuld Geschrieben von Rainer Doh
in Technologie und Märkte um
18:53
Kommentare (0) Trackbacks (0) Roaming: Selber schuldVor einiger Zeit haben wir uns hier mit dem Thema Roaming auseinandergesetzt. Anfang der Woche gab es zu diesem Thema einen schönen und sehr lesenswerten Beitrag von Marcus Rohwetter auf Zeit Online:
Das freut uns natürlich riesig, wenn ein so großer Laden wie die Zeit unsere Themenvorschläge aufgreift. Erstaunt waren wir über die Reaktionen der Zeit-Leser. Schon wenige Stunden nach dem Start der Diskussion, die bis gestern auf immerhin 75 Beiträge kam, gewann auf Zeit-Online ein heftiger Streit um die Frage "Selber Schuld" die Oberhand. Hier ein paar Beipiele:
… und einiges anderes auch. Sonst wüsste der Kommentator ja, warum man beim Frisör oder im Taxi nicht schnell mal 3.000 Euro zahlen muss. Auch wenn man im Vorfeld keinen Blick auf das Kleingedruckte geworfen hat. Und auch nicht im nicht-europäischen Ausland. Beindruckend mit welchen Tricks einige Zeit-Leser der "Roaming–Falle" entwischen. Sie legen zum Beispiel im Ausland das Handy unter einen Blecheimer, kaufen vor Ort eine Prepaid-Karte, suchen zum Telefonieren ein Internetcafe auf, nutzen Wifi oder lassen – und das ist meines Erachtens der ganz ultimative Tipp – das Handy einfach ausgeschaltet. Dass wir da nicht gleich draufgekommen sind? Wir setzen gleich noch einen Tipp drauf: Warum überhaupt so weit wegfahren? Selber schuld – ist zu Hause doch auch schön. Aber irgendwie war das mit Mobility, Connectivty, Global Collaboration usw. schon anders gemeint. Oder haben wir da was ganz falsch verstanden? Freitag, 23. Juli 2010
Das Internet als Bratwurst Geschrieben von Rainer Doh
in Medien um
10:54
Kommentare (0) Trackbacks (0) Das Internet als BratwurstDas Internet, das so vieles bewirkt hat, hat auch einen neuen Beruf hervorgebracht: den Internet-Philosophen. Das sind Leute, die sich Gedanken machen um das Internet als solches, seine Zukunft, seine Hinter- und Abgründe usw., was halt so zu einer Philosophie gehört. Internet-Philosophen äußern sich natürlich nicht nur im Internet, sie sind auch gern gesehene Gäste in den klassischen Medien, insbesondere in den Feuilletons der großen Tageszeitungen, wo die Internet-Philosophie mittlerweile einen festen Platz hat.
Im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung hat gerade heute Ethan Zuckerman, der laut SZ am Berkman Center for Internet and Society an der Harvard-Universität forscht, folgendes herausgefunden:
Das kann man nicht oft genug betonen, dass das Internet so riesig groß ist und dass man es nicht verstehen kann, nicht einmal als Internet-Philosoph. Aber es ist doch auch eine etwas merkwürdige Vorstellung von "verstehen", die der Harvard-Forscher hier zum Besten gibt. Verstehen heißt für ihn offenbar alles anschauen. Eine etwas kindische Auffassung ist das ja schon. Aber so ein Einwand wäre dem mangelnden Ernst der Argumentation vermutlich gar nicht angemessen. Ich versuche es stattdessen mit einem Beispiel: Es verhält sich mit dem Internet nämlich so wie mit den Bratwürsten. Es werden jeden Tag von den Metzgern in aller Welt Millionen und Abermillionen von Bratwürsten hergestellt. Um allein die in einer Stunde hergestellten Bratwürste zu essen, müsste man (grob geschätzt) 2.563 Jahre lang ununterbrochen Bratwürste essen – "ohne zu schlafen, auf die Toilette oder zur Psychotherapie zu gehen". Ein Wahnsinn! Die Metzgerei ist viel zu groß und komplex, um sie auch nur annähernd zu verstehen. Dienstag, 20. Juli 2010Schon wieder dieses WebOft schon wurde gemutmaßt, dass der Niedergang der großen Warenhaus-Konzerne etwas mit dem Internet zu tun haben könnte. Möglich wär's, weil das Web an allem schuld ist. Tatsächlich scheint ja der eine oder andere Anbieter mit der wahnwitzigen Geschwindigkeit des Web so seine Schwierigkeiten zu haben:
Heute habe ich das aufgeschnappt, also neun Tage nach dem WM-Finale. Man kann außerdem davon ausgehen, dass auch die letzte WM-Woche für das WM-Geschäft bereits gelaufen war, womit dieser Banner sein Verfallsdatum schon um zwei bis drei Wochen überlebt hat. Es ist aber auch alles so schnell geworden, mit diesem Web. Leider hält die Karstadt-Website nicht, was der Banner verspricht: Ich hätte fürs Finale gern noch ein paar brasilianische Fähnchen geordert. (jetzt haben wir also doch noch einen WM-Blog geschrieben) Donnerstag, 15. Juli 2010
Achtung Quote Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
12:56
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: kommunikation, pr-tools, press release, pressemitteilungen, unternehmenskommunikation, usa
Achtung QuoteInsbesondere Presseinformationen amerikanischer IT-Unternehmen lieben Zitate/Quotes über alles, sie können davon gar nicht genug bekommen. Am besten in jeder Meldung sechs Stück: Ein Zitat von einem Vice-Presidenten, eines von einem Kunden, eines von einem Analysten, eines von einem anderen Vice-Presidenten, eines von einem Partner und eines von Microsoft. Der Informationsgewinn solcher Quotes ist leider meist sehr reduziert. Es werden in der Regel die Aussagen des Fließtextes mit anderer Wortstellung wiederholt oder Trivialitäten verkündet. In jeden Fall aber mit einem kräftigen "We are very excited …" unterfüttert. "Wir freuen uns außerordentlich, dass wir unser neues Produkt nun fertiggestellt haben." Ah ja. Oder schlicht:
Zumindest in den deutschen Medien sind solche Quote-Rallyes allerdings nicht so beliebt (es soll aber auch amerikanische Medien geben, die dergleichen unter den Tisch fallen lassen – aber das ist schon wieder ein anderes Thema). Mehr als ein Zitat wird daher nicht übrig bleiben, wenn eine Meldung zur Veröffentlichung übernommen wird, wenn überhaupt. In den Print-Ausgaben eher gar keines. Wozu auch: Drei Zitate würden mehr Textvolumen ohne mehr Inhalt erzeugen und das ist das genaue Gegenteil dessen, was derzeit bei Texten als Medien-Trend gilt: kurz, kompakt, konzentriert. Und wenn etwas schon nicht in 140 Zeichen abzuhandeln ist, so sollte man es doch wenigstens in 140 Worten versuchen. Insofern sind diese ellenlangen Mehrfachzitate auch nicht einfach nur überflüssig, sondern sogar kontraproduktiv: Sie blähen die Meldungen auf und senden dem Leser/Redakteur vor jedem Inhalt zuerst einmal folgendes Signal:
Solche Signale wollen wir natürlich nicht aussenden. Wir bleiben flexibel, thinken global und acten lokal, übernehmen US-Meldungen also nie 1:1. Unter anderem deswegen. Natürlich wären die Vice-Presidenten, der Kunde aus Oklahoma, der Analyst aus Boston, der Partner aus Detroit und vor allem Microsoft (das in Redmond vermutlich eine ganze Abteilung Quote-Men beschäftigt) furchtbar gern auch einmal in einer deutschen Pressemeldung zu Wort gekommen. Aber es gilt weiterhin die Devise: Kommunikation ist das, was ankommt. Fehlt noch was? Ach ja:
(mehr zu diesem Themenkomplex hier) Mittwoch, 30. Juni 2010
Grenzen der Globalisierung Geschrieben von Rainer Doh
in Technologie und Märkte um
16:18
Kommentar (1) Trackbacks (0) Grenzen der GlobalisierungEs gibt also auch gute Nachrichten: Ab 1. Juli müssen auf Druck der EU-Kommission und gegen intensiven Widerstand der Provider die leidigen Roaming-Gebühren für Handy-Gespräche und für Datenverkehr gesenkt werden. Ist das eine gute Nachricht? Oder eher eine aus der Kategorie "der Schmerz lässt nach"?
![]() Quelle: Vodafone Aber immerhin ein Auslaufmodell:
Bis dahin muss den Roaming-Kings was Neues einfallen. Dienstag, 29. Juni 2010
Strategische Erosion Geschrieben von Rainer Doh
in Medien um
15:57
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: computerzeitung, infomationweek, it-industrie, it-medien, it-strategie, itk-branche, weka
Strategische ErosionDie Erosion der IT-Fachpresse geht weiter. Im letzten Sommer hatte es die Computerzeitung erwischt, nun streicht neben der Network Computing auch die Informationweek aus dem Weka-Verlag die Segel. Dem Sterben dieses ruhmreichen Titels konnte man schon seit einiger Zeit fast zusehen: Schon lange erschien diese "Week" nicht mehr wöchentlich, immer dünner wurde das Heft und immer weniger Anzeigen wurden geschaltet. In der Ausgabe 4/2010 waren bei einem Gesamtumfang von 36 Seiten gerade noch sechs ganzseitige Anzeigen zu finden. Dabei war die Informationweek, auch wenn dem Ende zu die Mischung aus redaktionellen und aus Gast-Beiträgen gelegentlich etwas in Schieflage geraten ist, qualitativ immer überdurchschnittlich. Vor allem, weil sie Fragen der strategischen IT behandelt hat und sich nicht in Artikeln rund um iPhone und iPad verlor. Oder war gerade das das Problem? Gibt es für Print-Titel, die sich um strategische IT kümmern, keinen Markt mehr? Und warum investieren die IT-Unternehmen nicht mehr in Medien, die doch ihre Themen behandeln? Tapio Liller vom Blog Open Source PR ist das Thema vor ein paar Tagen grundsätzlich angegangen und kommt zu folgendem Schluss:
Eigentlich möchte man sagen: Genau so ist es! Wäre da nicht die lästige Empirie. Anfang des Jahres haben wir nämlich selbst eine Untersuchung über die Nutzung von Blogs in der IT durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass, von einer Handvoll Ausnahmen abgesehen, selbst die größten und bedeutendsten IT-Unternehmen so gut wie gar nicht bloggen. Wir haben jedenfalls nicht viel davon bemerkt, dass neue Produkte in Blogs angekündigt werden, und von einer Diskussion von strategischen Fragen war auch nichts zu sehen. Bezeichnend auch eine Übersicht der besten IT-Blogs, die die CW im März vorgestellt hatte: Sogar hier überwiegen die Gadget-Blogs, und netzpolitik.org und basicthinking.de mögen ja interessante Blogs sein, aber nicht für IT-Strategien. Wo also wird kommuniziert, wenn es um die IT jenseits von iPad und Excel-Tipps geht? Es gibt natürlich eine Menge kleiner Blogs, die mal dieses und mal jenes wichtige Thema aufgreifen. Aber für Einzelkämpfer stellt sich hier schnell die Ressourcenfrage – wenn es darum geht, an Themen dran zu bleiben und auch Seitenlinien in aller Breite zu verfolgen, haben sie gegenüber einer Redaktion immer einen Nachteil. Aber die etablierten Redaktionen scheinen diesen Vorteil derzeit nicht nutzen zu können. Montag, 28. Juni 2010
SaaS am Point of No Return Geschrieben von Rainer Doh
in Technologie und Märkte um
09:48
Kommentare (0) Trackbacks (0) SaaS am Point of No ReturnDer ROI (Return-on-Investment) ist zu einem der wichtigsten Kriterien für die Beurteilung von IT-Projekte geworden. Je kürzer desto besser: Höchstens ein Jahr ist fast schon die Minimalanforderung. SaaS (Software as a Service) will da nicht zurückstehen und so versprechen auch SaaS-Anbieter den kurzen ROI – am besten gleich unter sechs Monaten. Das dürfte in der Praxis allerdings etwas schwierig werden. Definitionsgemäß ist SaaS "Service" und für Unternehmen nicht zuletzt deshalb so interessant, weil eben keine Investition nötig ist. Man kann mit dem Service sofort loslegen, jederzeit erweitern und wenn das eigene Geschäft andere Wege einschlägt, kündigt man den Service-Vertrag und muss dann nicht einmal überflüssige Computer entsorgen. Und der ROI? Wer keine Investition tätigt, bekommt natürlich auch nichts zurück: No Investment – No Return. Das ergibt sich aus dem Service-Konzept, bei dem laufende Kosten an die Stelle von Anlageinvestitionen treten. Anschub-Investitionen für die Umstellung des IT-Betriebs auf SaaS mag es geben, sie betreffen aber nicht den Kern der Anwendungen und taugen so auch nicht zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit eines Projekts. Die kann sich nur erweisen, indem man die laufenden Kosten der SaaS-Lösung mit ihrem Beitrag zum Unternehmenserfolg vergleicht. Wenn heute also SaaS-Projekte immer wieder mit einem extrem kurzen ROI prunken, so ist das Etikettenschwindel. Da man in die neue Infrastruktur nichts bis wenig investieren muss, ist auch ein ROI von einer Woche kein Kunststück. Im Idealfall wird der Wert immer gegen Null tendieren. Dienstag, 15. Juni 2010
Andere Länder, andere Sitten: ... Geschrieben von Rainer Doh
in Datenschutz um
18:16
Kommentare (0) Trackbacks (0) Andere Länder, andere Sitten: Steuerzahler ViewAndere Länder, andere Sitten, weiß der Volksmund. Datenschützer werden das vollumfänglich unterschreiben. Trotzdem ist hier und heute nicht vom Mutterland des Datenschutzes die Rede, nicht von Street View und nicht von Facebook, sondern ausnahmsweise einmal von einem Land, das in diesem Zusammenhang eher selten vorkommt: Norwegen. Per Zufall bin ich auf eine norwegische Website gestoßen, auf der Einkommen und Steuern der Bürger veröffentlicht werden, vollumfänglich und sehr detailliert. www.skattelister.no ist etwas schlicht, aber durchaus übersichtlich gestaltet und zeigt uns für alle norwegischen Orte jeweils 100 Personen mit den höchsten Einkommen. Unter "Topplistene for Norge" gibt es auch eine Liste der nationalen Big 100. Sie wird natürlich nicht vom König angeführt, sondern von Bauträger Tore Lie aus Stavanger, der 2008 bei einem Einkommen von 101.870.780 Kronen (= 12.931.357,20 Euro) rund 34 Millionen Kronen Steuern gezahlt hat. Lars Nilnes aus Drammen hat 99 Millionen verdient und knapp 30 Millionen zahlen müssen. Skattelister führt nicht nur Millonäre auf, sondern auch "Normalverdiener", zum Beispiel Kjell Magne Stålsett (62) aus Vadsø, der 2008 exakt 650.810 Kronen verdient hat, oder Helge Pedersen (56) aus Laksevåg, der auf 379.471 Kronen kam. Nett wäre noch zu wissen, womit die Leute ihre Kronen verdient haben. Und wie es in ihrem Kühlschrank aussieht. Aus Sicht des Datenschutzes muss man allerdings sagen … ach was, dazu fällt mir jetzt wirklich nichts mehr ein. ![]() Alles im Web: Einkommensentwicklung von Tore Lie aus Stavanger (NO) Freitag, 4. Juni 2010
Kein Geld für so was Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
11:15
Kommentare (0) Trackbacks (0) Kein Geld für so wasÜber den Basic Thinking Blog bin ich auf eine interessante Studie zum Thema Social Media aufmerksam geworden. Die dpa-Tochter news aktuell hatte in Kooperation mit Faktenkontor rund 1.700 Pressesprecher und PR-Fachleute zum Thema “Social Media in Unternehmen” befragt. Ernüchterndes, wenn auch nicht überraschendes Fazit: Die Mehrzahl der Unternehmen hält Social Media zwar für wichtig, sieht aber trotzdem keinen Grund dafür Budget locker zu machen.
Das entspricht weitgehend den Untersuchungen, die wir selbst angestellt haben, zum Beispiel hier oder da: Außerhalb der PR- und Medien-Welt spielt Social Media zumeist nicht einmal eine Nebenrolle. Social Media steckt weiterhin im Probe-, Denk-, Test- und Überlege-Stadium fest. Strategie gibt es nächstes Jahr, Geld vielleicht übernächstes – mit anderen Worten: So richtig ernst nimmt man das nicht. Social Media kommt einfach nicht vom Fleck und mittlerweile zeigen sich ja auch schon erste Ermüdungserscheinungen. Bin gespannt, wann die ersten (großen Namen) direkt von den Vorüberlegungen zur Einstiegs- in die Vorüberlegungen zur Ausstiegsstrategie überleiten. |
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