Dienstag, 14. Mai 2013
Viel News um nichts Geschrieben von Niklas Merk
in Wirtschaft und Politik um
10:29
Kommentare (0) Trackbacks (0) Viel News um nichtsDass sich unser Medienkonsum über die letzten Jahre stark verändert hat, wurde von vielen Seiten bereits konstatiert, wissenschaftlich beleuchtet und in zahllosen Artikeln ausgeschlachtet. Tageszeitung und Tagesschau – diese Zeiten sind längst Geschichte. Wir leben in einer Welt von Spiegel Online, RSS Feeds und Social Media. Interessant ist dabei die Frage, wie sich durch diesen rasanten Wandel des Medienkonsums die Form gesellschaftlich relevanter Diskurse verändert – in einer Welt, in der fast jede Information in Echtzeit auf unseren Mobiltelefonen und anderen Devices abrufbar ist und Online-Medien rund um die Uhr um die Informationshoheit ringen. Die schnelle Headline, die kurzfristig zusammengeschusterte Story und die tendenziöse Meldung ersetzen in einem Markt, in dem es um Minuten gehen kann, schnell die langfristig recherchierte und Hintergründe beleuchtende Berichterstattung. Hauptsache Aufmerksamkeit. Die Folge: Es wird zugespitzt, übertrieben, skandalisiert – in einem harten Kampf um die Medien-Konsumenten. Ein Beispiel ist die Berichterstattung rund um Peer Steinbrück: Der SPD-Kanzlerkandidat hat in den letzten Jahren durch Vorträge und Bücher viel Geld verdient. Die Chance, ihn als materiell orientierten Raffke darzustellen war daraufhin für viele Medien ein gefundenes Fressen. Interessant wird das ganze, wenn man sich die Diskussion um das Kanzlergehalt anschaut, die durch seine Äußerung ausgelöst wurde. Eine Meldung jagte plötzlich die nächste und das Thema bestimmte lange die Schlagzeilen auf Bild Online und Co. Nur: Er hatte ein höheres Kanzlergehalt weder gefordert und schon gar nicht geäußert, dass er es im Falle eines Wahlsieges erhöhen würde. Er hatte eine einfacher Wahrheit ausgesprochen, wie es viele schon zuvor gemacht hatten: „Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig – gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt.“ (Quelle: faz.net) Steinbrücks Art und Weise der Kommunikation war nicht sonderlich clever, aber: Er hat eine harmlose Aussage getroffen, die dann unter „Nachrichten-Aufmerksamkeits-Druck“ zu einem großen Popanz aufgeblasen wurde. Auf der Suche nach Futter für den News-Apparat wurden im Nachgang sogar solch bedeutende Nachrichten wie diese ausgegraben. Hier stellt sich dann die Frage nach der Verhältnismäßigkeit und der thematischen Prioritätensetzung. Sollten wir uns nicht in erster Linie über Fragen der Rente, der Pflege, der Familien-, Außen- oder Umweltpolitik unterhalten – also über die wesentlichen Dinge? Ist das für unsere Zusammenleben und die Zukunft des Landes nicht relevanter als der Kontostand und Weingeschmack des Kanzlerkandidaten? Gehen Sie mal raus und stellen einem Passanten die Frage nach fünf prägnanten Unterschieden zwischen den Politikvorstellungen von schwarz-gelb und rot-grün. Viel Spaß! Aber eben diese Fragen sind von Relevanz und von langfristiger Bedeutung. Klar ist aber auch: Sie sind nicht so prickelnd, sie sind anstrengend, man kann sie nur schwer in der Mittagspause in der Büroküche diskutieren. Angesichts eines News-getriebenen Journalismus gehen die entscheidenden Zusammenhänge, die bedeutenden Grundsatzfragen aber oft unter. Rolf Dobelli, Schweizer Unternehmer und Schriftsteller („Die Kunst des klaren Denkens“) sagt hierzu: „News sind für den Geist, was Zucker für den Körper ist. News sind appetitlich, leicht verdaulich und gleichzeitig höchst schädlich.“ Dobelli verzichtet auf News, liest nur noch Bücher sowie Zeitschriften und Magazine, die im Wochen- oder Monatsturnus über große Zusammenhänge schreiben. Er wünscht sich eine Berichterstattung, die unsere Gesellschaft kritisch beäugt, welche die Wahrheit ans Licht bringt und in ihrer Komplexität darstellt. Ein kluger Gedanke, auch wenn eine Welt ganz ohne News nicht richtig vorstellbar ist. Wenn die Partien der Champions-League-Halbfinals ausgelost werden, will man doch das Ergebnis sofort wissen, oder nicht? Trotzdem hat Dobelli unterm Strich sicherlich Recht. Gerade als PR-Berater stellen sich einem diese Fragen nach den Mechanismen unserer Medienlandschaft. Auch hier gibt es News, natürlich. Sehr viele sogar, das ist unser Job. Aber gerade im IT-Umfeld, in dem wir uns bewegen, sind diese zum größten Teil Mitteilungen über Fakten und Zahlen, über die Leistung eines Servers oder die Speicherkapazität eines Laptops. Sie sind vielleicht oftmals nicht so unterhaltsam wie die News eines Nachrichtenmagazins. Aber auf Skandale, Effekthascherei und alles stark Tendenziöse zur plumpen Leser- und Aufmerksamkeitsgewinnung trifft man hier nicht. Und egal, welche News wir nach außen geben: Der Ausgang der Bundestagswahl und die Zukunft des Landes werden davon zumeist nicht entscheidend beeinflusst. Irgendwie beruhigend.
Donnerstag, 25. April 2013
Von Drosseln, Amseln, Fink und Star... Geschrieben von Barbara Schön
in Wirtschaft und Politik um
11:35
Kommentare (0) Trackbacks (0) Von Drosseln, Amseln, Fink und Star... Die Telekom sorgte für große Aufregung, als sie am Montag verkündete, die Tarife für die Internetnutzung zu ändern.
Wie bei Smartphone-Tarifen soll es dann Tarife geben, die je nach Datenvolumen abgerechnet werden. Überschreitet man das vereinbarte Datenvolumen, wird die Surfgeschwindigkeit gedrosselt und man kehrt wieder ins Internetsteinzeitalter zurück. Das ist ein riesen Einschnitt in die Netzneutralität. Denn diese soll eigentlich gewährleisten, dass die Internetanbieter alle Datenpakete unverändert und unabhängig von Inhalten transportieren. In den Niederlanden ist dies seit Juni 2011 sogar gesetzlich verankert. Daraufhin ist natürlich eine Welle der Entrüstung durch das Internet gerauscht. Auf der Petitionsplattform change.org haben bereits über 30.000 Menschen (Stand: 25.04.) einen offenen Brief an René Obermann unterschrieben und einen sofortigen Stopp des Vorhabens gefordert. Und auch die Bundesregierung hat sich bereits eingeschaltet. Welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die neuen Streaming-Angebote beziehungsweise die gesamte Online-Wirtschaft haben wird, ist noch nicht abzusehen. So gelten die Änderungen zum einen nur für Tarife, die ab Mai abgeschlossen werden – und das werden sicher nicht viele sein – und zum anderen treten die Änderungen erst 2016 in Kraft. Klar ist auch noch nicht, wie die anderen Anbieter handeln, welchen Druck die Netzgemeinde ausüben kann und wie die Politik reagiert. Gibt es vielleicht endlich ein Gesetz, das die Netzneutralität gewährleistet? Es wäre auf jeden Fall an der Zeit. Dienstag, 12. März 2013
Fachkräftemangel in Deutschland: ... Geschrieben von Wolfgang Cabolet
in Wirtschaft und Politik um
11:27
Kommentare (0) Trackbacks (0) Fachkräftemangel in Deutschland: Spanische Arbeitslose sind weiterhin sehr gefragt Der Fachkräftemangel ist ein Dauerthema in Deutschland. Als Lösung für die vermeintliche Problematik kommt in regelmäßiger Wiederkehr das Buhlen um spanische Arbeitskräfte auf die Agenda. Angefangen mit einem Vorstoß der ehemaligen Bundesbildungsministerin Annette Schavan Mitte vergangenen Jahres, der das Anwerben spanischer Arbeitsloser zum Ziel hatte, bis hin zu einem Modellprojekt der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Gesucht werden hier vor allem Elektriker, Zimmerer, Mechatroniker, Fleischer, Bäcker und Friseure. Die Besonderheit an dem Projekt: Die Neuankömmlinge erhalten ein „Willkommenspaket“: Dazu gehören die Unterstützung bei der Wohnungssuche, beim Erlernen der deutschen Sprache oder bei berufsbegleitenden Qualifizierungsmaßnahmen.Diese Initiative geht im Vergleich zu vielen anderen auch in die richtige Richtung, da sie sich gezielt auf Bereiche fokussiert, in denen wirklich Arbeitskräftebedarf besteht. Denn von einem generellen Fachkräftemangel in Deutschland zu sprechen, entspricht eindeutig nicht der Realität. Das hat auch die Bundesagentur für Arbeit Anfang Januar klargestellt. BA-Vorstand Raimund Becker erklärte: „Einen flächendeckenden Fachkräftemangel gibt es in Deutschland aktuell nicht. Es gibt aber Warnsignale. In einzelnen Branchen haben sich die bereits existierenden Mangelsituationen weiter verstärkt.“ Die Handwerkskammer steht mit ihrer Initiative übrigens in Bayern nicht allein da. Auch in einem ganz anderen Bereich, der Fußballbranche, scheint für einige eine „Mangelsituation“ vorzuherrschen. Ein Münchner Verein – in den letzten Spielzeiten nicht gerade vom Erfolg verwöhnt – setzt bei der Trainerposition in der kommenden Saison auf einen – momentan arbeitslosen – spanischen Gastarbeiter. Die Frage bleibt erlaubt, ob auch er künftig in den Genuss eines „Willkommenspaketes“ kommt – mit Sprachunterricht und „berufsbegleitenden Qualifizierungsmaßnahmen“.
Mittwoch, 6. März 2013
Beginnt nun das Grauen? Geschrieben von Alain Blaes
in Wirtschaft und Politik um
17:39
Kommentare (0) Trackbacks (0) Beginnt nun das Grauen?Nun ist es also passiert: Trotz heftigen Gegenwinds aus dem Web hatte die jahrlange Lobbyarbeit der Verlage Erfolg und das Leistungsschutzrecht wurde im Bundestag auf den Weg gebracht. Presseverlage wollen sich nicht länger die Butter vom Brot nehmen lassen, sie wollen nicht Content erstellen, den dann vor allem Google auf seinen Newsseiten in Form von Snippets aufgreift, um damit gutes Geschäft zu machen. Im Prinzip verständlich, aber die Sache hat (mindestens) zwei Haken: Auf Google News selbst gibt es gar keine Werbung, Google macht damit also direkt kein Geschäft. Vor allem aber stünde es den Verlagen jederzeit frei, Google News per Software von ihrem Content auszusperren. Dass sie das aber nicht wollen, bedeutet, dass es ihnen weniger darauf ankommt, ihren Content zu schützen, als bei Google mitzuverdienen: Kritiker meinten denn auch, das Ganze würde auf eine Art Presse- oder Web-GEZ hinauslaufen und die Verlage hätten es einfach versäumt, selbst ein tragfähiges Geschäftsmodell für das Web zu entwickeln. Außerhalb der Presse, also bei Bloggern, wurde das Leistungsschutzrecht entsprechend heftig kritisiert, etwa von Thomas Knüwer (Indiskretion Ehrensache) oder Stefan Niggemeier in seiner Artikelserie "Lügen fürs Leistungsschutzrecht". Letzte Änderungen am Gesetz haben wiederum den Verdacht genährt, am Ende seien gar nicht so sehr Google und die Newsaggregatoren wie Rivva betroffen. Vielmehr könnten sich ganz normale Blogger, die aus den frei zugänglichen Webseiten der Presse kurze Textteile übernehmen, etwa um sich mit damit auseinanderzusetzen, mit einer neuen Abmahnwelle konfrontiert sehen. Udo Vetter hat zu dieser Gefahr auf "Law Blog" Stellung bezogen – nach seiner Ansicht ist das Leistungsschutzrecht "ein Grauen für alle, die ins Netz schreiben". Und damit gehören wir – und alle unsere Kunden, die selbst bloggen – auf einmal auch zu den potenziell Betroffenen. Interessant daher, was vorgestern auf heise.de zu lesen war:
Ich gehe mal davon aus, dass wir das (noch) so ausführlich zitieren durften, ohne dass sich ein Inkassobüro veranlasst sieht, mit uns Kontakt aufzunehmen. Wir behalten den Fortgang der Geschichte jedenfalls im Auge. Freitag, 4. Februar 2011
Mein geliebtes Internet Geschrieben von Alain Blaes
in PR und Kommunikation, Wirtschaft und Politik um
10:47
Kommentare (0) Trackbacks (0) Mein geliebtes InternetDie CSU hat also den Trend der Zeit entdeckt und will sich zur Internetpartei mausern. Sie will sogar eine "Vorreiterrolle" spielen, schreibt die Zeit, so ganz mit Haut und Haaren. In seiner Rede "Mein Internet" startet Horst Seehofer mit "Dialog und Beteiligung, dafür stehe ich", um gleich die Dinge klarzustellen, und ruft alle Bürger ("Sie sind der Experte!") ganz social-media-like zum "Experiment" auf, Fragen zum Thema Bayern zu stellen. "Live und grad raus", wie ein Oberbayer eben so ist, will er sie dann beanworten. Welch ein Experiment! Welch eine Vorreiterrolle!
Freitag, 3. Dezember 2010
Das Kleingedruckte Geschrieben von Rainer Doh
in Wirtschaft und Politik um
09:57
Kommentare (0) Trackbacks (0) Das KleingedruckteNatürlich mischen wir uns nicht in die Wikileaks-Debatte ein. Wir bleiben bei interessanten Themen wie dem Cloud Computing. Dazu konnten wir gestern bei netzpolitik dieses lesen:
Unabhängig davon, was man von Wikileaks hält, ist der Fall sehr bemerkenswert in Bezug auf das Cloud Computing. Ein Gerichtsurteil gibt es in dieser Angelegenheit ja nicht, allerdings jede Menge politischen Ärger. Es kommt beim Cloud Computing also tatsächlich darauf an, wo die Server stehen, beziehungsweise wo der Provider seinen Sitz hat. Von politischen Hintergründen weiß Amazon selbst nichts und erklärt, man habe Wikileaks wegen Verletzung von Nutzungsbedingungen aus der Cloud geworfen:
Interessant daran ist, dass also der Provider darüber befindet, ob Rechte Dritter verletzt sind. Andererseits: Lässt er Wikileaks auf seinen Servern und wird schließlich doch festgestellt, dass Rechte Dritter verletzt wurden, dann ist er unter Umständen auch dran und muss womöglich Schadenersatz leisten. Ein echtes Dilemma also, in dem Amazon da steckt. Oder wie es die Süddeutsche ausdrückt: Zwickmühle! Im Handelsblatt wird Axel Postinett deutlicher:
Und das ist noch ein ganzes Stück über den Wolken. Was lernen wir daraus? Im Cloud Computing gilt wie überall: Nutzungsbedingungen genau lesen. Montag, 21. Juni 2010
Todesstrafe per Twitter Geschrieben von Alain Blaes
in Medien, Wirtschaft und Politik um
18:55
Kommentare (0) Trackbacks (0) Todesstrafe per TwitterWie im guten alten Wilden Westen wurde Ronnie Lee Gardner letzte Woche von den Behörden in Utah per Erschießungskommando hingerichtet. Glücklicherweise war er wohl der letzte, der im US-Bundesstaat auf diese Art offiziell ums Leben kam.
Samstag, 19. Juni 2010
Social Media ändert das politische ... Geschrieben von Alain Blaes
in Medien, Wirtschaft und Politik um
09:29
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: politik, social media
Social Media ändert das politische GefügeUngeachtet aller Nachteile wie Datenmissbrauch und Identitätsdiebstahl sind Social-Media-Plattformen heute in allen sozialen Schichten, Regionen und Kulturen fest verankert und damit auch ursächlich für eine fundamentale Veränderung der Kommunikations-Spielregeln, und das nicht nur im Internet. Denn diese Entwicklung verändert auch das politische Machtgefüge grundlegend, weil Millionen User in Blogs, sozialen Netzwerken oder Foren einen weitreichenden politischen Einfluss haben. Nicht mehr nur ein kleiner elitärer und ausgebildeter Kreis generiert Inhalte, sondern die Massen. Sie untergraben die althergebrachte Hoheit der Medien über die Öffentlichkeit; sie sind, wenn es zum Beispiel um die Weitergabe von Informationen geht, oft schneller und bieten exklusive Informationen früher. Das Paradebeispiel auf Twitter: „There's a plane in the Hudson. I'm on the ferry going to pick up the people. Crazy.“ Social-Media-Nutzer kommunizieren auch blitzschnell, sind im ständigen Dialog miteinander und äußern Meinungen, die für alle Internet-Nutzer unmittelbar sichtbar sind. So entsteht, praktisch im Millisekundentakt, politische Willensbildung. Menschen verabreden sich, diskutieren und propagieren ihre Meinung: Das ist nicht neu und hatte immer schon eine politische Tragweite; so sind viele Wendepunkte der Geschichte entstanden. Modernes Staatsrecht fußt genau darauf, und am Ende entsteht auch hier eine Bürger-indizierte Meinung, etwa durch Wahlen. Aber: Noch nie war Kommunikation so schnell, waren Meinungen für so viele sichtbar. Und noch nie hatten Staaten so wenig Kontrolle über ihre Bürger: weder über die Social-Media-Plattformen, die weltweit verteilt sind, noch über die Akteure, die zumeist anonym sind. Mit Social Media entsteht eine neue, fünfte Macht im Staat, die sich jeglicher politischen Kontrolle entzieht. Die klassisch als vierte Macht deklarierte Presse besteht im Wesentlichen aus Wirtschaftsunternehmen, deren Akteure bekannt, überschaubar und im Rahmen der Gesetzgebung kontrollierbar sind, das war in der Vor-Internet-Ära nicht anders als heute. Gewerkschaften oder Lobbys, vereinzelt als fünfte Macht betitelt, sind ebenso politisch kontrollierbar. Social Media hingegen entzieht sich der Gesetzgebung. Dem Staat bliebe nur, weil er die anonymen Nutzer nicht dingfest machen kann, die Sperrung von Plattformen oder die Kontrolle des gesamten Internets. Das ist nicht zielführend, weil eine Sperrung meist mit einfachen Mitteln zu umgehen ist, und die Internetkontrolle einem Aufruf zur Revolution gleichkäme. Anders herum beobachten Bürger sehr genau die Aktivitäten des Staates. Ob im Iran, wo die Opposition nach den Wahlen im Sommer 2009 unerlaubterweise über Twitter oder Facebook kommunizieren konnte, oder in Deutschland, wo nach dem offenbar willkürlichen Prügeln eines Demonstranten durch die Polizei im September 2009 binnen Minuten Proteste und Videos auf Dutzenden nationalen und internationalen Websites verbreitet wurden. Die vielleicht außergewöhnlichste Form der Social-Media-Kommunikation äußert sich in Flashmobs, bei denen sich gänzlich unbekannte Teilnehmer zu einer spontanen Demonstration verabreden. Das kann durchaus brisant sein. Das ist ein herber Schlag gegen die institutionalisierte Politik. Sie muss kontern, um ihre Macht zu wahren: Deutsche Initiativen wie der Bundestrojaner und die Datenvorratsspeicherung sind durchaus in diesem Kontext anzusiedeln, auch wenn der offizielle Sprachgebrauch den Kampf gegen den Terror vorschiebt. Das Verfassungsrecht setzt aber enge Grenzen und kassiert meist diese Gesetzesvorstöße. Sicher, Iran, China und andere Länder sind Beispiele, wo auch Social Media nicht zum Durchbruch führt und die Akteure unter erheblichem Druck stehen. Dennoch: Die Zeit arbeitet für sie, und mit jedem Tag wird der Geist des Internets und die Vision der Internet-Väter etwas greifbarer: Demokratie durch das Netz. „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“: Es gibt kaum einen schöneren Beleg als Social Media. Mittwoch, 31. März 2010
Mit traditionellen Technologien ... Geschrieben von Rainer Doh
in Wirtschaft und Politik um
12:03
Kommentare (0) Trackbacks (0) Mit traditionellen Technologien durch die KriseDie Krise lässt uns nicht los. Da war es wieder so schön aufwärts gegangen, mit der IT im Allgemeinen ("Wirtschaftskrise ist für IT-Branche vorbei") und den Prozessoren im Besonderen ("Die Wirtschaftskrise ist vorbei - im Prozessormarkt"). Und dann verderben die Staaten im Allgemeinen ("Inzwischen haben einige Staaten ähnliche Zahlungsprobleme wie die Banken") und Griechenland im Besonderen ("EU fürchtet Krise durch Griechenland") die Stimmung. Für uns Grund genug, in Sachen Krise am Ball zu bleiben, wie immer in dieser Rubrik mit praktischen Tipps für jedermann. Zur langfristigen Sicherstellung der persönlichen Business Continuity aus dem Krisen-Shop heute besonders zu empfehlen:
![]() "Der Draht wird einzeln in handlichen und gut stapelbaren Schachtel geliefert."
Das war klar und setzt nicht einmal Krise, wohl aber Strom voraus. Besonders wichtig sind daher traditionelle Technologien, die das Gemüsebeet auch ohne Notstromaggregat schützen:
Das Gebinde Nato-Draht kostet im Krisen-Shop nur 59,95 Euro. Beunruhigt? Ist es schon so weit? Was mich an diesen Angeboten aber dann doch beruhigt hat: Der Krisen-Shop nimmt noch Euro. Freitag, 12. März 2010
Guido ist doch Rheinländer! Geschrieben von Alain Blaes
in Wirtschaft und Politik um
11:05
Kommentare (0) Trackbacks (0) Guido ist doch Rheinländer!Es ist tatsächlich empörend, was die Presse seit Tagen propagiert: Westerwelle betreibe Spezlwirtschaft. Die Presse lügt! Endlich hat FDP-Generalsekretär Christian Lindner ein Machtwort gesprochen: Die Demokratie droht damit Schaden zu nehmen, nicht mehr und nicht weniger! Ist doch auch wahr. Spezlwirtschaft ist ur-bayerische Kernkompetenz, und Guido ist Rheinländer. Und überhaupt: alle mal schön die Klappe halten und die politische Führung nicht hinterfragen. Das ist gesunde Demokratie. Freitag, 5. Februar 2010
US-Hörigkeit Geschrieben von Alain Blaes
in Datenschutz, Wirtschaft und Politik um
16:49
Kommentare (0) Trackbacks (0) US-HörigkeitWie sehr die EU in Abhängigkeit der USA geraten ist, sieht man an der ominösen Diskussion über die Weiterleitung von SWIFT-Daten. Gegenwärtig fallen harte Worte: EU-Parlamentarier empören sich sogar über die "Erpressung" der US-Regierung, so die FTD, weil sie droht, alle Gespräche mit der EU abzubrechen. Dienstag, 8. Dezember 2009
Sein oder nichts sein Geschrieben von Rainer Doh
in Wirtschaft und Politik um
18:07
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: gez, philosophie
Sein oder nichts seinSchon vor Längerem habe ich beschlossen nichts, über das Thema GEZ zu schreiben. Darüber schreibt, schimpft und bloggt ohnehin alle Welt. Und was hilft es? Nichts! Deshalb bleibt auch die angedachte (schönes Wort), neuerliche Erhöhung der GEZ-Gebühr für Computer und Computer-artige Dinge hier unkommentiert. Interessant in diesem Zusammenhang ist aber die ebenfalls angedachte Erweiterung der klassischen, syllogistischen Logik:
![]() Natürlich frag' ich mich manchmal auch: "Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?" Aber was soll's – ich zahl' dann einfach – bevor sie mir wieder die Tür' eintreten. Tja, das fragt man sich schon manchmal. Gerade jetzt wieder. Aber so ein T-Shirt hätte ich trotzdem gern.
Montag, 28. September 2009
Klar zum Entern? Geschrieben von Rainer Doh
in Wirtschaft und Politik um
17:45
Kommentare (2) Trackbacks (0) Klar zum Entern?Aus und vorbei. Die Wahl ist rum und alles ist gesagt. Mehrfach. Nur Eines noch: Der wahre Wahlsieger sollte schon noch gewürdigt werden, insbesondere als er in unseren klassischen Medien etwas unter den Tisch gefallen ist. War bestimmt keine Absicht, war schließlich eine Menge zu tun.
Aus dem Stand 2% – das ist auch deutlich mehr als die Grünen, die jüngste Regierungspartei auf Bundesebene, bei ihrem Start 1980 erreicht hatten. Für die Grünen waren es von da noch 18 Jahre bis auf die Regierungsbank. Demnach muss man ab 2027 mit dem ersten Piratenminister rechnen. NACHTRAG: Im Hamburger Stadtteil Veddel liegen die Piraten mit 10,6% vor der CDU, die dort auf 10,2% kommt. Da versteh' einer noch die Welt. Mittwoch, 16. September 2009
Teil- oder vollverdächtig? Geschrieben von Alain Blaes
in Datenschutz, Wirtschaft und Politik um
16:02
Kommentare (0) Trackbacks (0) Teil- oder vollverdächtig?Zur Vorratsdatenspeicherung ist eigentlich schon alles gesagt, eine ganz gute Zusammenfassung des Themas ist auf Wikipedia zu finden. Revitalisiert wird die Diskussion jetzt, weil das Verwaltungsgericht Köln die Hamburger HanseNet verpflichten will, die technischen Voraussetzungen zur Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung zu schaffen. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die rechtspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion in Bundestag, sagte schon 2007 zur Vorratsdatenspeicherung: "Ein vorprogrammierter Verfassungskonflikt." Rundumschläge des Staates untersagt die deutsche Verfassung, egal ob beim großen Lauschangriff, beim Bundestrojaner oder eben bei der Vorratsdatenspeicherung. Zu Recht, denn Rundumschläge machen aus normalen Bürgern Verdächtige, und seit dem 11. September 2001 sogar verdächtige Terroristen. Das will niemand, denn nicht der Bürger ist dem Staat Rechenschaft schuldig, sondern umgekehrt. So kurz und klar das Grundgesetz in dieser Hinsicht ausgelegt ist, so regelmäßig gibt es Vorstöße von Parteien, Fraktionen, der Regierung oder der EU, und so oft wundere ich mich, dass die ach so politisch versierten Akteure offenbar immer wieder versuchen, die Verfassung zu hintergehen. Glücklicherweise werden diese Vorstöße genauso regelmäßig vom Bundesverfassungsgericht kassiert oder zurechtgestutzt. Damit wäre ich dann wieder nur teilverdächtig. Die USA nehmen es wie gewohnt etwas legerer: Soeben berichtet die Washington Post, das Weiße Haus möchte den umstrittenen Patriot Act, also das acht Jahre alte, von der Bush-Regierung mit heißer Nadel gestrickte Anti-Terror-Gesetz, verlängern. Obwohl: Man ist "gewillt, zusätzliche Datenschutzbestimmungen in Betracht zu ziehen" – na gut, nur unter der Bedingung, dass sie "die Effektivität der Staatsgewalt nicht unterwandern". In der Praxis heißt das dann wohl wieder vollverdächtig. Mittwoch, 2. September 2009
Die Daten-Soap (Folge 7): Parteien ... Geschrieben von Alain Blaes
in Die Daten-Soap, Wirtschaft und Politik um
15:15
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: datenschutz
Die Daten-Soap (Folge 7): Parteien willkommen
SPD-Versprechen Stand heute:
Einige (CDU und SPD) analysieren das Surfverhalten ihrer Besucher mit Google Analytics – wieder fliessen die Daten zur Auswertung in die USA, die CIA dankt. Andere lassen die gesetzlich vorgeschriebene Datenschutzerklärung auf Kontaktformularen aus oder (wie die Grünen) passen bei der Auskunft, wo oder wie personenbezogene Daten verarbeitet werden. Für Parteien ist diese Auskunft gesetzlich verpflichtend. Die Studienautoren stellten "eine weitverbreitete Unkenntnis datenschutzrechtlicher Bestimmungen bei den Parteien" fest. Und sie schliessen ab: "Es liegt nahe, dass diese beiden Faktoren den Nährboden für die zahlreichen und vielfältigen Datenschutzverstöße bildeten." Naja, warum sollen die Parteien besser über Datenschutz Bescheid wissen als unsere Parlamentarier? Fortsetzung folgt ...
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