Dienstag, 7. September 2010Die Edelblogger (I)Blogs und "klassische" Medien stehen in einem eher spannungsvollen Verhältnis. Letztere halten Blogs gern für eine (weitere) Abart des digitalen Sargnagels der 4. Gewalt; die Gegenseite sieht sich als legitimer Nachfahre der dem Untergang geweihten "Holzmedien" – im Ergebnis laufen beide Positionen in etwa auf das Gleiche hinaus. Tatsächlich herrscht auch nach offiziellem Ende von Finanz-, Immobilien-, Griechenland- und anderen Krisen, weiterhin "Medienkrise". Redaktionen werden zusammengestrichen oder Titel gleich ganz eingestellt. In den USA, wo das Medienwesen und die Bloggerei – und natürlich auch die Medienkrise – noch immer drei Schritte voraus sind, kam vor einiger Zeit daher die Idee auf, die Blogs müssten solche Ausfälle auf Seiten klassischer Medien substituieren, schöner formuliert: "dass die Blogger eine größere Verantwortung im Mediensystem übernehmen müssen". Natürlich gibt es dazu Studien:
Es ist hier ein wenig so wie mit dem Radiowecker, der kein Spiegelei braten kann: Blogs sollen, natürlich ganz ohne finanzielle Ausstattung, das leisten, was den Medien zu teuer geworden ist – und dann stellt man sich mit großen Augen hin und muss erkennen: Ach, das schaffen die ja gar nicht. Nur mal zu Erinnerung, damit es nicht ganz in Vergessenheit gerät: Blogs sind Online-Tagebücher, woher ja auch der Name kommt (weB-LOGbuch). Sie stellen damit eine persönliche Sicht des Autors dar, persönlich hinsichtlich Darstellung und Bewertung aber auch hinsichtlich Themenauswahl. Blogger greifen auf, was sie selbst interessiert, was ihnen auf den Nägeln brennt oder auch nur worüber sie schon immer mal was schreiben wollten. Wie soll man darin etwas wie "Nachrichtenabdeckung" unterbringen? Von einer Zeitung, egal ob gedruckt oder online, erwartet man sich etwas anderes, vor allem eine systematische Befassung mit den Themen des jeweiligen Sachgebiets und wenn etwas aufgegriffen wird, eine halbwegs gute Recherche darüber. Wenn Blogs das nicht leisten, so nicht bloß, weil sie dafür kein Geld haben. Blogs sind keine Ersatzzeitung. Das gilt natürlich auch umgekehrt, Zeitungen sind nicht einfach ein besonders großer Blog. Diesem Missverständnis unterliegt beispielsweise Heribert Prantl, einer der deutschlandweit führenden Journalisten, der sich in seiner Süddeutschen Zeitung zum Verhältnis Blog – Medien so äußert:
Da mache ich mir gleich mal einen Kernsatz von Heribert Prantl zu eigen: Das ist, mit Verlaub, Unfug. Zeitungen sind ganz und gar kein Blog für professionelle Journalisten, sondern schlichtweg etwas anderes. Wie gesagt: Blogs sind eine Art Online-Tagebuch usw. – siehe oben. Oder sind die erwähnten Edelblogger nur Blogger, die zum Bloggen zu edel sind? Machen wir die Probe aufs Exempel und wenden wir uns nach diesem theoretischen Vorspiel dem Konkreten zu: Wie bloggen eigentlich unsere klassischen Medien? Wobei man natürlich grundsätzlich fragen könnte, warum bloggen sie überhaupt? Schließlich haben sie – im Unterschied zu nicht so edlen Arten von Bloggern – doch schon ihre Plattformen. Warum auch immer, sie tun 's jedenfalls. Fortsetzung folgt morgen Freitag, 23. Juli 2010
Das Internet als Bratwurst Geschrieben von Rainer Doh
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10:54
Kommentare (0) Trackbacks (0) Das Internet als BratwurstDas Internet, das so vieles bewirkt hat, hat auch einen neuen Beruf hervorgebracht: den Internet-Philosophen. Das sind Leute, die sich Gedanken machen um das Internet als solches, seine Zukunft, seine Hinter- und Abgründe usw., was halt so zu einer Philosophie gehört. Internet-Philosophen äußern sich natürlich nicht nur im Internet, sie sind auch gern gesehene Gäste in den klassischen Medien, insbesondere in den Feuilletons der großen Tageszeitungen, wo die Internet-Philosophie mittlerweile einen festen Platz hat.
Im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung hat gerade heute Ethan Zuckerman, der laut SZ am Berkman Center for Internet and Society an der Harvard-Universität forscht, folgendes herausgefunden:
Das kann man nicht oft genug betonen, dass das Internet so riesig groß ist und dass man es nicht verstehen kann, nicht einmal als Internet-Philosoph. Aber es ist doch auch eine etwas merkwürdige Vorstellung von "verstehen", die der Harvard-Forscher hier zum Besten gibt. Verstehen heißt für ihn offenbar alles anschauen. Eine etwas kindische Auffassung ist das ja schon. Aber so ein Einwand wäre dem mangelnden Ernst der Argumentation vermutlich gar nicht angemessen. Ich versuche es stattdessen mit einem Beispiel: Es verhält sich mit dem Internet nämlich so wie mit den Bratwürsten. Es werden jeden Tag von den Metzgern in aller Welt Millionen und Abermillionen von Bratwürsten hergestellt. Um allein die in einer Stunde hergestellten Bratwürste zu essen, müsste man (grob geschätzt) 2.563 Jahre lang ununterbrochen Bratwürste essen – "ohne zu schlafen, auf die Toilette oder zur Psychotherapie zu gehen". Ein Wahnsinn! Die Metzgerei ist viel zu groß und komplex, um sie auch nur annähernd zu verstehen. Dienstag, 20. Juli 2010Schon wieder dieses WebOft schon wurde gemutmaßt, dass der Niedergang der großen Warenhaus-Konzerne etwas mit dem Internet zu tun haben könnte. Möglich wär's, weil das Web an allem schuld ist. Tatsächlich scheint ja der eine oder andere Anbieter mit der wahnwitzigen Geschwindigkeit des Web so seine Schwierigkeiten zu haben:
Heute habe ich das aufgeschnappt, also neun Tage nach dem WM-Finale. Man kann außerdem davon ausgehen, dass auch die letzte WM-Woche für das WM-Geschäft bereits gelaufen war, womit dieser Banner sein Verfallsdatum schon um zwei bis drei Wochen überlebt hat. Es ist aber auch alles so schnell geworden, mit diesem Web. Leider hält die Karstadt-Website nicht, was der Banner verspricht: Ich hätte fürs Finale gern noch ein paar brasilianische Fähnchen geordert. (jetzt haben wir also doch noch einen WM-Blog geschrieben) Dienstag, 29. Juni 2010
Strategische Erosion Geschrieben von Rainer Doh
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15:57
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: computerzeitung, infomationweek, it-industrie, it-medien, it-strategie, itk-branche, weka
Strategische ErosionDie Erosion der IT-Fachpresse geht weiter. Im letzten Sommer hatte es die Computerzeitung erwischt, nun streicht neben der Network Computing auch die Informationweek aus dem Weka-Verlag die Segel. Dem Sterben dieses ruhmreichen Titels konnte man schon seit einiger Zeit fast zusehen: Schon lange erschien diese "Week" nicht mehr wöchentlich, immer dünner wurde das Heft und immer weniger Anzeigen wurden geschaltet. In der Ausgabe 4/2010 waren bei einem Gesamtumfang von 36 Seiten gerade noch sechs ganzseitige Anzeigen zu finden. Dabei war die Informationweek, auch wenn dem Ende zu die Mischung aus redaktionellen und aus Gast-Beiträgen gelegentlich etwas in Schieflage geraten ist, qualitativ immer überdurchschnittlich. Vor allem, weil sie Fragen der strategischen IT behandelt hat und sich nicht in Artikeln rund um iPhone und iPad verlor. Oder war gerade das das Problem? Gibt es für Print-Titel, die sich um strategische IT kümmern, keinen Markt mehr? Und warum investieren die IT-Unternehmen nicht mehr in Medien, die doch ihre Themen behandeln? Tapio Liller vom Blog Open Source PR ist das Thema vor ein paar Tagen grundsätzlich angegangen und kommt zu folgendem Schluss:
Eigentlich möchte man sagen: Genau so ist es! Wäre da nicht die lästige Empirie. Anfang des Jahres haben wir nämlich selbst eine Untersuchung über die Nutzung von Blogs in der IT durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass, von einer Handvoll Ausnahmen abgesehen, selbst die größten und bedeutendsten IT-Unternehmen so gut wie gar nicht bloggen. Wir haben jedenfalls nicht viel davon bemerkt, dass neue Produkte in Blogs angekündigt werden, und von einer Diskussion von strategischen Fragen war auch nichts zu sehen. Bezeichnend auch eine Übersicht der besten IT-Blogs, die die CW im März vorgestellt hatte: Sogar hier überwiegen die Gadget-Blogs, und netzpolitik.org und basicthinking.de mögen ja interessante Blogs sein, aber nicht für IT-Strategien. Wo also wird kommuniziert, wenn es um die IT jenseits von iPad und Excel-Tipps geht? Es gibt natürlich eine Menge kleiner Blogs, die mal dieses und mal jenes wichtige Thema aufgreifen. Aber für Einzelkämpfer stellt sich hier schnell die Ressourcenfrage – wenn es darum geht, an Themen dran zu bleiben und auch Seitenlinien in aller Breite zu verfolgen, haben sie gegenüber einer Redaktion immer einen Nachteil. Aber die etablierten Redaktionen scheinen diesen Vorteil derzeit nicht nutzen zu können. Montag, 21. Juni 2010
Todesstrafe per Twitter Geschrieben von Alain Blaes
in Medien, Wirtschaft und Politik um
18:55
Kommentare (0) Trackbacks (0) Todesstrafe per TwitterWie im guten alten Wilden Westen wurde Ronnie Lee Gardner letzte Woche von den Behörden in Utah per Erschießungskommando hingerichtet. Glücklicherweise war er wohl der letzte, der im US-Bundesstaat auf diese Art offiziell ums Leben kam.
Samstag, 19. Juni 2010
Social Media ändert das politische ... Geschrieben von Alain Blaes
in Medien, Wirtschaft und Politik um
09:29
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: politik, social media
Social Media ändert das politische GefügeUngeachtet aller Nachteile wie Datenmissbrauch und Identitätsdiebstahl sind Social-Media-Plattformen heute in allen sozialen Schichten, Regionen und Kulturen fest verankert und damit auch ursächlich für eine fundamentale Veränderung der Kommunikations-Spielregeln, und das nicht nur im Internet. Denn diese Entwicklung verändert auch das politische Machtgefüge grundlegend, weil Millionen User in Blogs, sozialen Netzwerken oder Foren einen weitreichenden politischen Einfluss haben. Nicht mehr nur ein kleiner elitärer und ausgebildeter Kreis generiert Inhalte, sondern die Massen. Sie untergraben die althergebrachte Hoheit der Medien über die Öffentlichkeit; sie sind, wenn es zum Beispiel um die Weitergabe von Informationen geht, oft schneller und bieten exklusive Informationen früher. Das Paradebeispiel auf Twitter: „There's a plane in the Hudson. I'm on the ferry going to pick up the people. Crazy.“ Social-Media-Nutzer kommunizieren auch blitzschnell, sind im ständigen Dialog miteinander und äußern Meinungen, die für alle Internet-Nutzer unmittelbar sichtbar sind. So entsteht, praktisch im Millisekundentakt, politische Willensbildung. Menschen verabreden sich, diskutieren und propagieren ihre Meinung: Das ist nicht neu und hatte immer schon eine politische Tragweite; so sind viele Wendepunkte der Geschichte entstanden. Modernes Staatsrecht fußt genau darauf, und am Ende entsteht auch hier eine Bürger-indizierte Meinung, etwa durch Wahlen. Aber: Noch nie war Kommunikation so schnell, waren Meinungen für so viele sichtbar. Und noch nie hatten Staaten so wenig Kontrolle über ihre Bürger: weder über die Social-Media-Plattformen, die weltweit verteilt sind, noch über die Akteure, die zumeist anonym sind. Mit Social Media entsteht eine neue, fünfte Macht im Staat, die sich jeglicher politischen Kontrolle entzieht. Die klassisch als vierte Macht deklarierte Presse besteht im Wesentlichen aus Wirtschaftsunternehmen, deren Akteure bekannt, überschaubar und im Rahmen der Gesetzgebung kontrollierbar sind, das war in der Vor-Internet-Ära nicht anders als heute. Gewerkschaften oder Lobbys, vereinzelt als fünfte Macht betitelt, sind ebenso politisch kontrollierbar. Social Media hingegen entzieht sich der Gesetzgebung. Dem Staat bliebe nur, weil er die anonymen Nutzer nicht dingfest machen kann, die Sperrung von Plattformen oder die Kontrolle des gesamten Internets. Das ist nicht zielführend, weil eine Sperrung meist mit einfachen Mitteln zu umgehen ist, und die Internetkontrolle einem Aufruf zur Revolution gleichkäme. Anders herum beobachten Bürger sehr genau die Aktivitäten des Staates. Ob im Iran, wo die Opposition nach den Wahlen im Sommer 2009 unerlaubterweise über Twitter oder Facebook kommunizieren konnte, oder in Deutschland, wo nach dem offenbar willkürlichen Prügeln eines Demonstranten durch die Polizei im September 2009 binnen Minuten Proteste und Videos auf Dutzenden nationalen und internationalen Websites verbreitet wurden. Die vielleicht außergewöhnlichste Form der Social-Media-Kommunikation äußert sich in Flashmobs, bei denen sich gänzlich unbekannte Teilnehmer zu einer spontanen Demonstration verabreden. Das kann durchaus brisant sein. Das ist ein herber Schlag gegen die institutionalisierte Politik. Sie muss kontern, um ihre Macht zu wahren: Deutsche Initiativen wie der Bundestrojaner und die Datenvorratsspeicherung sind durchaus in diesem Kontext anzusiedeln, auch wenn der offizielle Sprachgebrauch den Kampf gegen den Terror vorschiebt. Das Verfassungsrecht setzt aber enge Grenzen und kassiert meist diese Gesetzesvorstöße. Sicher, Iran, China und andere Länder sind Beispiele, wo auch Social Media nicht zum Durchbruch führt und die Akteure unter erheblichem Druck stehen. Dennoch: Die Zeit arbeitet für sie, und mit jedem Tag wird der Geist des Internets und die Vision der Internet-Väter etwas greifbarer: Demokratie durch das Netz. „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“: Es gibt kaum einen schöneren Beleg als Social Media. Freitag, 4. Juni 2010
In Boston muss der Teig weg Geschrieben von Alain Blaes
in Medien um
21:12
Kommentare (0) Trackbacks (0) In Boston muss der Teig wegBoston ist eine hübsche Stadt, sehr europäisch, halbwegs grün, nicht zu groß und nicht zu klein und hat den Flair von Harvard und MIT. Wir hatten dort wegen Arbeitserlaubnis, Wohnungssuche und Autokauf zu tun, waren aber auch shoppen und sind abends schön essen gegangen.
Dienstag, 1. Juni 2010
Medienkritik des kleinen Mannes Geschrieben von Susanna Tatár
in Medien um
19:38
Kommentare (0) Trackbacks (0) Medienkritik des kleinen MannesTaxifahren ist immer aufschlussreich – für einen PR-Menschen sowieso, aber wahrscheinlich auch für jeden, der sich gern informiert. Trifft man einen mitteilungsfreudigen Taxifahrer, ist das informationstechnisch teilweise besser als die "Bild" bzw. ihre lokalen Pendants zu lesen. Gestern Morgen fuhr ich mit einem wortunkargen Fahrer zur Supercomputing-Messe in Hamburg. Ich war sehr auf die neue Top-500-Liste der schnellsten Supercomputer gespannt, denn es hat sich vorab abgezeichnet, dass es ein GPU-basiertes System in die Top 3 schaffen wird. Die Aufregung des Taxifahrers hatte einen anderen Grund. Die Fahrt dauerte nur 10 Minuten, doch er hat die 600 Sekunden höchst effizient eingesetzt, Medienkritik zu üben. "Lena, Lena, Lena… Ich kann das nicht mehr hören. Himmel, das ist NUR ein Song. Und das ist NUR ein 19-jähriges Mädchen. Mein Gott, wir haben doch andere Probleme. Dieser Medien-Zirkus ist nicht mehr zu ertragen." Mit einem demonstrativen Hieb brachte er das Radio, in dem "Satellite" lief, zum Schweigen und fasste in den folgenden 591 Sekunden die gravierendsten deutschen und weltweiten Probleme kurz und pointiert zusammen. Mancher Verfasser von Pressemitteilungen könnte sich an dieser Effizienz ein Beispiel nehmen. Auf wörtliche Wiedergabe möchte ich an dieser Stelle jedoch verzichten: Erstens sind genannte Probleme – Stichwörter Hochwasser, Ölpest und Griechenland – jedem bekannt, zweitens war die Zusammenfassung des Fahrers mit zahlreichen salonunfähigen Wörtern gespickt. Als ich dann von der Messe in meinem Hotelzimmer zurück war, registrierte ich verblüfft, dass der Medien-Wahnsinn um Lena ein jähes Ende genommen hatte: Die "anderen Probleme" haben die Medien doch erreicht, sie hatten sich nun mit aller Wucht auf den Rücktritt des Bundespräsidenten gestürzt. Ich war ziemlich schockiert und fragte mich, inwiefern der Medienrummel um seine umstrittenen Äußerungen diese Entscheidung mitbewirkt hat. Plötzlich musste ich an den Taxifahrer denken, und mich ließ dabei ein skurriler Gedanke nicht los: Sollte ich morgen Früh mit ihm zur Messe fahren, wird er sagen, "Köhler hat's nur geschmissen, damit der Medien-Zirkus um das Mädel beendet wird". Aber ich fuhr heute mit einem Taxifahrer aus einem slawischen Land – zumindest ließ das sein Akzent vermuten –, der sich anscheinend weder über das Mädel noch über den Bundespräsidenten den Kopf zerbrach, sondern gut gelaunt in den Rückspiegel grinste: „Wehter gut heute. Im Mai viel Regen, ihmer Regen. Heute Sohne.“ Dienstag, 6. April 2010
Neues aus der Hirnforschung Geschrieben von Rainer Doh
in Medien um
09:57
Kommentare (0) Trackbacks (0) Neues aus der Hirnforschung![]() Autsch – Denker nach dem Zusammenprall mit einer anderen Intelligenzform
Aber Achtung: beim FAZ-Lesen nicht nebenher Kaffee trinken. Sonst wird man noch reingesogen. Mittwoch, 17. März 2010
Älteste Datenbank der Welt entdeckt Geschrieben von Rainer Doh
in Medien um
18:55
Kommentare (0) Trackbacks (0) Älteste Datenbank der Welt entdecktWer sich als Journalist beim Weltfussball-Verband FIFA für die WM in Südafrika akreditieren will, dem eröffnen sich überraschende Möglichkeiten, wenn er sein Herkunftsland anklicken will: Für Deutschland wird da nicht nur wahlweise eine German Democratic Republic angeboten, sondern auch die Saar. Des weiteren im FIFA-Angebot: Jugoslawien, die Tschechoslowakei, Rhodesien, Palästina als britisches Mandatsgebiet, die beiden Yemen, Obervolta und Irland – in den Grenzen von vor 1921. Das Römische Reich fehlt.
Wir wissen nicht, ob "Bild" mit dieser Antwort zufrieden ist. Wir sind es es jedenfalls nicht. Denn als ITler fragen wir uns: Wo hat die FIFA eigentlich diese Datenbank her? Sie muss irgendwann zwischen 410 und 1921 entstanden sein. Sensationell.
Montag, 8. März 2010
Twitter-Dinge, die die Welt nicht ... Geschrieben von Susanna Tatár
in Medien um
15:53
Kommentare (0) Trackbacks (0) Twitter-Dinge, die die Welt nicht brauchtEs gibt Firmen, die "twittern per Fax" anbieten, andere lassen Haustiere twittern. Spielzeughersteller Mattel hat einen Halsbandanhänger entwickelt, der die Bewegungen und Laute von Hunden erkennt, diese einer von 500 Twitter-Nachrichten zuordnet und die Statusmeldung sofort per WLAN an Twitter versendet. Mein Favorit ist „Endlich habe ich den Schwanz gefangen, den ich die ganze Zeit gejagt habe – Aua!“ Solche Erfolgserlebnisse meines Hundes muss ich auch unbedingt und umgehend erfahren, etwa inmitten eines Kundenmeetings. Und wenn ich während einer Presseveranstaltung einen Tweet meines Hundes lese „Ich zerfetze gerade deine Designer-Couch, für die du ein Jahr lang gespart hast“, dann werden die Pressevertreter und meine Kunden sicherlich dafür Verständnis haben, dass ich sofort heim muss - um das Möbelstück zu retten oder den Hund zu vermöbeln... Na ja, so lange man nicht auf die Idee kommt, ein ähnliches Halsband für Angestellte zu entwickeln...
Mittwoch, 3. März 2010
Der Online-Twitter-Fax-SMS-Brief Geschrieben von Susanna Tatár
in Medien, Technologie und Märkte um
17:23
Kommentare (0) Trackbacks (0) Der Online-Twitter-Fax-SMS-Brief
Das sehnsüchtige Warten ist vorbei: Er ist da, der Online-Brief. Es wird zwei Varianten geben: Einen reinen Online-Brief – es tut auch nichts zur Sache, dass andere neulich doch schon eine ähnliche Idee hatten, die unter dem Namen „E-Mail“ einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat – und eine Kombi-Version, die digitale und reale Elemente besonders elegant kombiniert: Der Absender übermittelt die Daten der Post online und diese werden dann von Postboten an den Empfänger zugestellt. Für einen Brief nach dem Hybrid-Modell wird die Post etwa 46 Cent verlangen, für den reinen Online-Brief 22 Cent. Nicht ganz zu Unrecht titelte die Computerwoche Anfang Februar: "22 Cent für (r)eine Email?"
Freitag, 12. Februar 2010
Wie viel Honorar braucht ein Freelancer? Geschrieben von Susanna Tatár
in Medien um
10:57
Kommentare (0) Trackbacks (0) Wie viel Honorar braucht ein Freelancer?
Die Medienkrise ist noch lange nicht vorbei, darin sind sich leider alle Experten einig. Auch in unserem Kernbereich, bei den IT-Medien, beobachten wir mit Schrecken das Zeitschriftensterben und den massiven Personalabbau in den Redaktionen. Zum Glück gibt es auch einige Hoffnungsschimmer, LANline wurde aus dem Konradin-IT-Verlag, den Konradin komplett fallen gelassen hatte wie eine heiße Kartoffel, „rausgerettet“ und lebt unter den Fittichen des ITP-Verlags weiter. Auch freuen wir uns über neue Medienprojekte, wie etwa Virtualisierungsguide.de, tech-test.de oder WindowsPro.de, die unter anderem von ehemaligen Journalisten der Computerzeitung, des Windows IT Pro oder der Computerwoche ins Leben gerufen wurden.
Die Überschrift spiel auf meinen früheren Beitrag "Wie viel Schlaf braucht ein Freelancer?" an. Dort ging es darum, wie Verlage ihre festen Mitarbeiter in die Selbstständigkeit drängen. Wie steht es aber generell um Freelancer im IT-Themenbereich? Einerseits versuchen viele der früher festangestellten Journalisten, als Freelancer zu überleben – das hieße dann, es gibt mehr freie Journalisten, also muss es schwieriger sein, ihre Artikel unterzubringen. Andererseits läge es auf der Hand, dass Freelancer nun mehr Aufträge von den Medien bekommen, arbeiten doch die meisten Redaktionen mit grob geschätzt 50 bis 70 Prozent der Personalressourcen im Vergleich zu bis vor zwei Jahren.
Wir beobachten, dass freie Journalisten ihr Businessmodell in den letzten 18 Monaten teils gravierend überarbeitet haben. Sie erschließen zusätzliche Einnahmequellen, indem sie sich nun nicht ausschließlich von den Medien als Auftraggeber vergüten lassen, sondern teils von den Unternehmen, über die sie schreiben. So verschwimmen immer mehr die Grenzen zwischen PR und Journalismus. Neulich erzählte mir ein bekannter freier Journalist, dass er IT-Zeitschriften Artikel umsonst abliefere und daher von den Unternehmen, die in den Artikeln zu Wort kommen, sein Honorar holen müsse. Abgesehen davon, dass dieses Verhalten der Verlage als Ausbeutung und jegliches Fehlen von Berufsethos bewertet werden kann, stellt sich auch die Frage, was nun der Unterschied zwischen einem PR-Text und diesen Texten sei. Ich sage jetzt mal: gar keiner. Dass ich als PR-Beraterin das Verschwimmen der Grenzen zwischen PR und Journalismus für nicht wünschenswert halte, ist kein Widerspruch: Die Glaubwürdigkeit der Medien leidet weiter, dies führt dann zu weiter sinkenden Auflagen, das wiederum weiteren Entlassungen in den Redaktionen.
Montag, 8. Februar 2010Nur ein BuchstabeEs gibt gute Vorsätze, bei denen man von Anfang das Gefühl hat, dass man sie nicht durchhalten wird. So hatte ich mir vorgenommen, nicht mehr über die GEZ zu schreiben – und war schon einmal vom Pfad der Tugend abgewichen. Und nun schon wieder. Aber es muss sein, denn aus unseren Nachbarland Tschechien dringen beunruhigende Nachrichten herüber: Hier hat nämlich die CEZ eine Spezialtruppe aufgestellt, die "notorischen Nicht-Zahlern" das Fürchten lehrt:
In der Praxis kommt es schon mal zu heiklen Situationen:
Nein, die CEZ ist keine Gebühreneinzugszentrale, sondern ein halbstaatlicher Stromkonzern und heißt nur so ähnlich wie unsere GEZ. Aber warum wird die Meldung über die tschechische Strom-Taskforce heute auf der ersten Seite der GEZ-Medien tagesschau.de und swr.de gepostet? Und zwar nur da? Das kann nur als Warnung gemeint sein. Für den Fall, dass die Charmeoffensive, die die GEZ letzte Woche mit Forum und Blog gestartet hat, nicht angenommen wird. Und hatte der GEZ-Blog nicht schon letzte Woche einen drohenden Unterton:
Zahlungsverweigerer, die eine reale Katze haben, sollten jetzt ganz besonders aufpassen. Aber vielleicht sollten wir alle künftig viel netter zur GEZ – zu unserer GEZ – sein? Die können nämlich selbst auch recht nett sein. Wir erfahren es wieder aus dem GEZ-Blog:
Ein gewisser Lars also, scheinbar nett. Recht und Unrecht und aufgerissene Augen. Was da im Busche sein könnte, erfahren wir wieder aus dem Nachbarland, wo es die Strom-Truppe auch nicht leicht hat:
Donnerstag, 4. Februar 2010Bodos OperMedienkrise heißt nicht nur, dass Zeitungen oder Zeitschriften, auch renommierte, den Betrieb einstellen, Es gibt auch das Dehydrieren von Medien, die schleichende Austrocknung. Dann bleibt von einem vormals blühenden Titel allmählich nur noch eine traurige Hülle übrig. Dies geschieht vor allem durch einen radikalen Abbau der Redaktionen beziehungsweise durch das Abdrängen der Redakteure ins Tagelöhnertum. Was nicht ohne Folgen für die Inhalte bleibt. Deren Qualität sinkt, mitunter stürzt sie auch regelrecht ab. Womit über kurz oder lang die Existenzgrundlage dieser Titel wegbröckelt. Dass das aber nicht zwangsläufig so sein muss, erfuhren wir letzte Woche von Bodo Hombach, dem Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe und überdies Medienmeinungsmacher ("Mit seinen klaren Worten gilt Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe in Essen, als wichtiger Meinungsmacher in der Medienbranche"). Hombach gewährte dem Portal der WAZ-Mediengruppe "Der Westen", sozusagen hausintern, ein Interview und zum Ende des Gesprächs wurde der Redakteur gegenüber seinen Big Boss fast schon frech: "Immer mehr Verlage streichen Arbeitsplätze, immer weniger Redakteure müssen mehr Seiten füllen …" Bemerkenswert wie Hombach konterte:
Auf auf die Gefahr hin, dass Hombach nun auch von mir enttäuscht ist ("Vom Bloggen bin ich sehr enttäuscht"), muss ich als eingeschworener Opern-Fuzzi hier doch ein paar Dinge gerade rücken: • Geiger sitzen in der Oper nicht auf, sondern vor der Bühne. • Es gibt Opern, in denen auch die Zahl der Instrumente wichtig ist. Und es kommt ganz, ganz selten vor, dass ein kreativer Bariton nach einer Arbeitsplatzkonsolidierung auch noch die Rolle des Soprans übernimmt – eigentlich nie (das mit der Oper, lieber Bodo Hombach, war also ein ganz schlechtes Beispiel). • Und grundsätzlich, also auch außerhalb der Oper gilt: Wenn Quantität gleich Qualität wäre (hat das irgendjemand mal behauptet?), gäbe es dafür nicht zwei verschiedene Begriffe. Dass Quantität nicht gleich Qualität ist, heißt nicht, dass Quantität keine Rolle spielt (bestes Beispiel dafür: Geld – wegen dessen Quantität Hombach ja auch die Zahl seiner Redakteure herunterfährt). • Und dann die Sache mit den Malern: Es erwartet ja niemand, dass an einem Artikel mehrere Journalisten herumpfriemeln, aber es ist da so wie bei den Malern: mehr Maler heißt mehr Bilder (oder Wände, je nachdem). Natürlich ist trotzdem klar, worauf Hombach hinauswill – "Allein knapp 300 Stellen wurden in den Redaktionen der NRW-Zeitungen gestrichen." ![]() Die Semper-Oper in Dresden: Wird sie tatsächlich besser, wenn fünf Maler mehr auf der Bühne sitzen? Nachtrag: Nach zwei kritischen Kommentaren zum Hombach-Interview wurde die Kommentarfunktion auf der betreffenden WAZ-Web-Seite ausgeknipst und die betreffenden Beiträge gelöscht. Da war wohl wieder jemand "sehr enttäuscht", diesmal vom Kommentieren. |
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