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Und wieder ein paar Prozent mit ... Geschrieben von Rainer Doh
in Medien um
16:17
Kommentare (0) Trackbacks (0) Und wieder ein paar Prozent mit einer superguten Idee*Draußen ist ja immer noch dieses scheußliche Winterwetter (zum Glück habe ich meine Michelin-Reifen noch aufgezogen), man will ja gar nicht mehr vor die Haustüre gehen. Darum hab ich mich drinnen, wieder mal mit der Zukunft der Medien beschäftigt. Lange Zeit war das für mich identisch mit meiner Süddeutschen Zeitung beim Tchibo-Frühstückskaffee, die ihren festen Platz zwischen Schwartau-Extra und Pfister-Brot hat. Das ändert sich, ohne Tablet geht gerade auch beim Frühstück nichts mehr. Mein geschätzter Blogger-Kollege Richard Gutjahr hat das gerade wieder bestätigt. Richard war zu einem Presseclub nach Wien eingeladen – ich weiß gar nicht, hat der den Zug genommen oder die Lufthansa? Oder hat er sein neues Audi A5 Coupé aus der Duplexgarage geholt? Egal. Er hat aus der Donaustadt eine Super-Idee mitgebracht, die das Zeug hat, die Medienlandschaft zu verändern - und ich kann nur sagen: Ein paar Prozent kann man immer brauchen.
* Wenn Ihr über meine Links … na, Ihr wisst schon. Sonst ändert sich an unserem Blog nix. Montag, 17. Januar 2011
Der Preis von Freibier Geschrieben von Rainer Doh
um
10:50
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: blogger, burda, handelsblatt, leistunsschutzrecht, medien, medienkrise, springer, verlage, zeitschriftensterben
Der Preis von FreibierDie Medienlandschaft verändert sich. Sagten wir das schon? Falls nicht: Die Medienlandschaft verändert sich! Zu den Themen, die uns 2011 noch häufiger beschäftigen werden, gehört das Leistungsschutzrecht. Zeitschriften- und Zeitungsverleger klagen ja schon länger über das Internet, das mediale Aufmerksamkeit auf sich zieht und ihnen demzufolge die Werbeinnahmen beschneidet. Da die Online-Auftritte der klassischen Medien mit wenigen Ausnahmen defizitär sind und weder über Bannerwerbung noch über bezahlten Content das einbringen, was im Anzeigengeschäft fehlt, verfolgt man neue Strategien. So beklagen Verleger seit einiger Zeit lautstark in der Öffentlichkeit, dass sie vom Internet ausgenutzt werden, dass gerade die großen Player des Webs an den von den Verlagen mühsam erstellen Inhalten schmarotzen würden. Insbesondere Google-News steht da in der Kritik, weil hier nicht nur auf die Verlagsangebote verlinkt wird, sondern auch noch kurze Auszüge aus den Texten angezeigt werden. So heißen denn die Schlagworte, die in die entfachte Debatte eingebracht werden, auch rechtsfreier Raum und Gratismentalität, gefordert wird nichts weniger als das "Ende der Freibeuterei von Google & Co". Ein interessanter Fall, denn mancher mag vor dieser Kampagne ganz naiv gedacht haben, dass es sich umgekehrt verhielte, dass die Verlage sich freuen müssten, wenn ihnen Google – gratis! – Besucher auf ihre Webseiten schaufelt. Und die Verlage wollen ja auch nicht, dass sich daran etwas ändert, schließlich könnten sie technisch ohne weiteres verhindern, dass Google ihren kostbaren Content abgreift. Wobei natürlich klar ist: Wer heute Google aussperrt, ist morgen unsichtbar. So schallt denn nun der Ruf nach einem Leistungsschutzrecht durch das Land. Vereinfacht gesagt: Wer den frei ins Netz gestellten Content nutzen will, soll zahlen. Und weil im Netz nach wie vor niemand so recht direkt für Content zahlen will, ist konsequenterweise an eine Art Abgabe gedacht. Knifflige Sache. Natürlich gilt grundsätzlich auch im Web: "There is no free lunch!" Aber hier klingt es eher nach dem Wirt, der Geld für das Freibier haben will. Anders ausgedrückt: Wen die "Gratismentalität" stört, der muss seine Sachen ja nicht gratis rausrücken, es steht ihm frei, ein Preisschildchen auf seine Leistung zu pappen. Wem dann aber der Content für Geld nicht abgenommen wird, der muss sein Geschäftsmodell überdenken … und vielleicht in Immobilien gehen? Die Verlage haben sich mit ihrem Anliegen erfolgreich hinter die Politik geklemmt. "Presseverlage sehen sich zunehmend damit konfrontiert, dass ihre Online-Angebote von anderen gewerblichen Anbietern in einer Weise ausgenutzt werden, die über das bloße Verlinken weit hinausgeht", meint zum Beispiel Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger und positioniert sich damit auf der Seite der Verleger. Es gibt sogar einen entsprechenden Gesetzesentwurf. Nun könnte man sagen: Was kümmert uns das? Das sollen Google, Verleger und Politik unter sich ausmachen. Könnte man sagen, gäbe es nicht beim Leistungsschutzrecht noch ein überaus interessantes Add-On:
"Beruflich" ist ein weites Feld und damit dürfen wir uns also auch zu den vom Leistungsschutzrecht direkt Betroffenen rechnen. Wobei am Horizont nicht nur die GEMA auftaucht, sondern auch unsere gute alte GEZ, denn wie will man die Nutzung von Content anders kontrollieren, als in bekannter Manier über die Bereitstellung der für die Nutzung nötigen Technik; entsprechende Ressourcen werden ja bald frei. Man sage aber nicht, das alles könne nicht funktionieren – in der Praxis hat schon der größte Unfug funktioniert. Es war absehbar, dass sich am Leistungsschutzrecht eine Debatte entzünden würde, immerhin stellt es eine massive Veränderung der Art und Weise dar, wie wir bisher mit dem Web umgegangen sind. Zu beachten ist: Viele unserer üblichen Quellen für die Betrachtung von Themen aus aller Welt sind hier selbst Partei – es sind schließlich die Online-Auftritte der großen deutschen Verlage. Entsprechende Artikel auf deren Websites sind mehr oder weniger klar pro domo geschrieben – so beispielsweise kürzlich im Handelsblatt. Verlage wie die WAZ-Gruppe oder Springer haben sich bei diesem Thema klar positioniert. Kritik am Leistungsschutzrecht wird man hier eher selten antreffen. In die Bresche springt die Blog-Szene, die mittlerweile wütend gegen das Leistungsschutzrecht anrennt. Mario Sixtus auf Carta, Netzpolitik oder Stefan Niggemeier sind dafür bevorzugte Adressen. Für alle, die sich weiter informieren wollen, gibt es mit IGEL auch ein eigenes Portal für das Leistungsschutzrecht, wo Informationen von allen Seiten zusammengetragen werden. Allen Nutzern des Web (noch jemand ohne?) sei empfohlen, das Thema im Auge zu behalten. Wie gesagt: Die Medienlandschaft verändert sich. Donnerstag, 9. September 2010Die Edelblogger (II)Gestern war Theorie – heute wird's konkret: Wie bloggen sie denn nun, die Edelblogger der "klassischen" Medien, wenn sie bloggen? Süddeutsche ZeitungDen Anfang soll gleich die Süddeutsche Zeitung machen. Um es vorweg zu nehmen: Die SZ scheint sich an der Vorgabe ihres Innenressortleiters Prantl zu orientieren: Wir schreiben doch schon in unserer Edel-Zeitung, wozu dann noch bloggen? Der Blog-Auftritt der SZ ist dementsprechend dürftig. Es gibt ganze sieben Blogs, die sich überwiegend mit Nischen-Themen befassen: Es gibt ein Foto-Blog ("Täglich mehrere Bilder und Sentenzen zu den Lebensgefühlen unserer Zeit."), ein Musikblog ("Ein Blog über den großen Zusammenhang zwischen neuer und alter Popmusik"), ein Blog "über die wunderbare Welt der Computerspiele", oder ein Blog "über die Leiden und Freuden zweier Kritikerinnen aus den Bereichen Theater und Film", zuletzt mit mehreren gaaaanz laaaangen Folgen zur Erinnerung an Christoph Schlingensief. Mit anderen Worten: Was in der SZ beim besten Willen keinen Platz mehr findet, wird in den Blog gesteckt. Ausnahme: "Der Feuilletonist", Andrian Kreye, SZ-Feuilleton-Chef, macht es gelegentlich auch andersherum: Dann steckt er schon mal einen Artikel, den er im SZ-Feuilleton geschrieben hat, etwas gekürzt aber ansonsten unverändert in sein Blog. Ganz Edelblogger ist er wohl der Auffassung, besser könne man es nicht schreiben, und weil Blog und Zeitung für ihn sowieso ein und das Gleiche sind, sind auch Copy & Paste voll okay. Dabei hätte ein einfacher Link auf die Online-Ausgabe der SZ doch gereicht. Unterm Strich: Warum bloggt die SZ überhaupt? Die Antwort kommt nicht so recht rüber. Übrigens nicht nur bei mir nicht – Kommentare sind im SZ-Blog absolute Ausnahme. Dialog mit dem Leser findet hier jedenfalls nicht statt. Interessant: Note 5 – Dialog: Note 5 – Aktualität: Note 4 – Aufmachung: Note 3 Mit deutlich mehr Engagement ist die FAZ bei der Sache. Ihre 20 Blogs greifen nicht irgendwelche abgelegenen Themen auf, sondern das, worüber in Deutschland eben gerade so diskutiert wird. Derzeit also Themen wie Abendland, Huntelaar, Twitter, Sterbehilfe oder Karstadt. Blogs wie "Netzökonom" von FAZ-Redakteur Holger Schmidt gehören durchaus zu den wenigen führenden im Lande. Nicht alle der 20 Blogs sind top-aktuell, bei einigen ist der letzte Beitrag schon ein paar Wochen her: Macht aber nichts, dafür sind es ja auch 20 Blogs. Die FAZ hat für ihre Blogs auch externe Blogger verpflichtet, wie Don Alphonso alias Rainer Meyer – "der böse Bube der Blog-Szene" – mit seinem FAZ-Blog "Stützen der Gesellschaft." Diese Blogger können – soweit von außen ersichtlich – auf dieser Plattform ihre durchaus nicht FAZ-konformen Ansichten verbreiten. Dass das nicht immer ohne Reibung geht, zeigte kürzlich der Rauswurf des Blogs "CRTL Verlust" von Michael Seemann. Die Leser danken den FAZ-Blogs die Dialogbereitschaft: Zweistellige Kommentarzahlen sind bei den größeren FAZ-Blogs nicht selten. Dialog findet also statt, zumindest in dieser Form. Interessant: Note 2 – Dialog: Note 2 – Aktualität: Note 2 – Aufmachung: Note 3 Die Zeit setzt in ihren Blogs die Themenschwerpunkte natürlich ein wenig anders sie FAZ: Es gibt Blogs über Nachhaltigkeit, Integration, Internet, Menschenrechte und Musik, einen Foto-Blog, einen Blog für Kinder, zwei (!) Blogs übers Kochen und natürlich einen Schulblog. Interessanter Unterschied zur FAZ ist die Einbindung der Leser. Zum einen bloggt die Redaktion von Zeit-Online: über sich und stellt sich dabei explizit dem Urteil der Leser: "Was kommt demnächst auf ZEIT ONLINE, was überlegen wir? Kommentare, Anregungen und Kritik sind hochwillkommen!" Zum anderen öffnet die Zeit ihren Blog auch direkt für die Leser. Unter "ZEIT der Leser" posten Zeit-Leser allerlei Skurriles, über die Kultur der Bratwurst oder ein knurrendes Zwergkaninchen, gern werden Postkarten gepostet oder Fahrkarten. Das ist manchmal ganz nett, manchmal auch zum Gähnen langweilig und unterm Strich so interessant wie Skurrilitäten eben interessant sein können – es wäre eine etwas merkwürdig Art der Lesereinbindung, wenn es die Zeit dabei belassen würde. Tut sie aber nicht: Es gibt nämlich auch noch den
Hier äußern sich die Leser endlich zu den angesagten Themen, also zur "Laufzeitbegrenzung für Atomkraftwerke", natürlich zu Integration, zu Kachelmann usw. Hier machen also die Leser das, was die Zeit-Redakteure auch schon machen: Artikel schreiben. Trotzdem kommt hier niemand auf die Idee, sie würden die Zeit oder Zeit-Online damit jetzt oder irgendwann mal ersetzen. Insgesamt ein interessantes Projekt, aus dem man vielleicht sogar ein wenig mehr machen könnte. Interessant: Note 2 – Dialog: Note 2 - Aktualität: Note 3 - Aufmachung: Note 3 Dass die Blogs des Handelsblatts ihren Schwerpunkt auf das Wirtschaftsleben gelegt haben, kann natürlich nicht erstaunen. Niemand erwartet hier Rezepte für Kartoffelgratin. Umgekehrt ist es eher erstaunlich, welch breiten Raum bei den HB-Blogs nicht ökonomische Themen finden. Es gibt neben dem Handels-Blog und dem Steuerboard, beispielsweise einen Rhetorik-Blog, den Blog Mediawatcher und selbstredend einen Webwatcher. Die Blogs sind, soweit ersichtlich, nicht Copy & Paste sondern echte Blogs: Sie zeigen also persönliche Sichten der Autoren, bei denen es nicht nur um HB-Redakteure handelt sondern auch um externe Fachleute. Und weil das HB nicht irgendwer ist, sind das dann richtige Professoren aus Oxford oder Münster. Der Dialogfaktor der HB-Blogs ist jedoch enttäuschend. Selbst bei einem Topp-Thema wie "Rückwirkende Verschärfung der Stille Reserven-Klausel des § 8c KStG durch das Jahressteuergesetz 2010", gibt es keine Äußerungen der Leserschaft. Kein begeisterter Beifall, kein Kopfschütteln, kein Aufschrei der Empörung – null Reaktion. Eigentlich schade (ich war schon versucht, dem HB unter die Arme zu greifen und meine ganz persönliche Sicht des § 8c KStG zu posten, aber das hätte das Ergebnis dieser Übersicht verfälscht – dann ich hätte als Ausgleich auch Andrian Kreyes Beitrag im SZ-Blog über die Zukunft des Bossa Nova kommentieren müssen. Und das wäre dann wirklich zu weit gegangen), Aber vielleicht ist das HB seinen Lesern einfach ein paar Schritte zu weit voraus? Gesamturteil: das HB macht das schon mal nicht schlecht. Ausbaufähig ist das Layout und insbesondere der Dialog mit den Lesern – wie wär's mal mit einem Gewinnspiel? Interessant: Note 2 - 3 – Dialog: Note 4 – Aktualität: Note 2 – Aufmachung: Note 4 Die Welt macht es sich mit dem Bloggen einfach: Sie tritt gar nicht erst an. Letztlich ist das eine konsequente Lösung: Wenn man nun mal nicht Bloggen will, wenn man kein Sinn darin sieht, neben den Artikeln auch noch die persönlich eingefärbten Blogs zu schreiben oder schreiben zu lassen, wenn man keine Leute (mehr) hat, die was davon verstehen, dann kann man sich einen Alibi-Blog auch ganz sparen. Die Frage ist nur, ob sich diese Position in einer Welt (gemeint ist hier die richtige Welt, die da draußen), die auf Web und Web 2.0 nun mal ganz versessen zu sein scheint, auf Dauer durchhalten lässt.
Andere Und um zum Schluss wieder den Bogen zu Heribert Prantl zu schlagen: Schweriner Volkszeitung, Passauer Neue Presse und Deutschlandfunk sind ebenfalls konsequent und bloggen auch nicht. Aber Südwestradio alias SWR bloggt, und auch hier heißt der/das Blog des professionellen Journalisten tatsächlich Blog. Allerdings ist der ganz schamvoll versteckt – kein Link nirgends, so dass es fast aufs Nichtbloggen hinausläuft. Zusatzinformation Falls es jemanden interessiert, wie es aussieht, wenn Medien mit dem Bloggen richtig in die Vollen gehen, empfiehlt sich ein Blick in die Blog-Welt der New York Times. Klar, wenn man über 1.000 Redakteure beschäftigt, kann man unter seinen 57 Blogs auch einen Schach-Blog betreiben. Ich wollte nur, eines der deutschen Medien hätte zumindest eine vergleichbare Blogroll. Dienstag, 7. September 2010Die Edelblogger (I)Blogs und "klassische" Medien stehen in einem eher spannungsvollen Verhältnis. Letztere halten Blogs gern für eine (weitere) Abart des digitalen Sargnagels der 4. Gewalt; die Gegenseite sieht sich als legitimer Nachfahre der dem Untergang geweihten "Holzmedien" – im Ergebnis laufen beide Positionen in etwa auf das Gleiche hinaus. Tatsächlich herrscht auch nach offiziellem Ende von Finanz-, Immobilien-, Griechenland- und anderen Krisen, weiterhin "Medienkrise". Redaktionen werden zusammengestrichen oder Titel gleich ganz eingestellt. In den USA, wo das Medienwesen und die Bloggerei – und natürlich auch die Medienkrise – noch immer drei Schritte voraus sind, kam vor einiger Zeit daher die Idee auf, die Blogs müssten solche Ausfälle auf Seiten klassischer Medien substituieren, schöner formuliert: "dass die Blogger eine größere Verantwortung im Mediensystem übernehmen müssen". Natürlich gibt es dazu Studien:
Es ist hier ein wenig so wie mit dem Radiowecker, der kein Spiegelei braten kann: Blogs sollen, natürlich ganz ohne finanzielle Ausstattung, das leisten, was den Medien zu teuer geworden ist – und dann stellt man sich mit großen Augen hin und muss erkennen: Ach, das schaffen die ja gar nicht. Nur mal zu Erinnerung, damit es nicht ganz in Vergessenheit gerät: Blogs sind Online-Tagebücher, woher ja auch der Name kommt (weB-LOGbuch). Sie stellen damit eine persönliche Sicht des Autors dar, persönlich hinsichtlich Darstellung und Bewertung aber auch hinsichtlich Themenauswahl. Blogger greifen auf, was sie selbst interessiert, was ihnen auf den Nägeln brennt oder auch nur worüber sie schon immer mal was schreiben wollten. Wie soll man darin etwas wie "Nachrichtenabdeckung" unterbringen? Von einer Zeitung, egal ob gedruckt oder online, erwartet man sich etwas anderes, vor allem eine systematische Befassung mit den Themen des jeweiligen Sachgebiets und wenn etwas aufgegriffen wird, eine halbwegs gute Recherche darüber. Wenn Blogs das nicht leisten, so nicht bloß, weil sie dafür kein Geld haben. Blogs sind keine Ersatzzeitung. Das gilt natürlich auch umgekehrt, Zeitungen sind nicht einfach ein besonders großer Blog. Diesem Missverständnis unterliegt beispielsweise Heribert Prantl, einer der deutschlandweit führenden Journalisten, der sich in seiner Süddeutschen Zeitung zum Verhältnis Blog – Medien so äußert:
Da mache ich mir gleich mal einen Kernsatz von Heribert Prantl zu eigen: Das ist, mit Verlaub, Unfug. Zeitungen sind ganz und gar kein Blog für professionelle Journalisten, sondern schlichtweg etwas anderes. Wie gesagt: Blogs sind eine Art Online-Tagebuch usw. – siehe oben. Oder sind die erwähnten Edelblogger nur Blogger, die zum Bloggen zu edel sind? Machen wir die Probe aufs Exempel und wenden wir uns nach diesem theoretischen Vorspiel dem Konkreten zu: Wie bloggen eigentlich unsere klassischen Medien? Wobei man natürlich grundsätzlich fragen könnte, warum bloggen sie überhaupt? Schließlich haben sie – im Unterschied zu nicht so edlen Arten von Bloggern – doch schon ihre Plattformen. Warum auch immer, sie tun 's jedenfalls. Fortsetzung folgt morgen Mittwoch, 10. März 2010
Aus der Skurrilitätenschmiede Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
15:21
Kommentare (0) Trackbacks (0) Aus der SkurrilitätenschmiedeDiese Meldung ist natürlich einen Blog-Beitrag wert:
Schön, dass wir künftig auch bloggen können, wenn uns kein Thema einfällt, da ist in der Vergangenheit ja so mancher Blog nicht zu Stande gekommen. Gut gefällt mir auch dieses Feature der neuen Lösung:
Wirklich wichtige Themen werden nie alt, man kann sie nicht breit genug walzen. Ein Leser des Heise-Forums erinnert in diesem Zusammenhang an die berühmte "Motiv-Klingel" für Fotoamateure. Als direkte Zielgruppe der neuen Software sind wir trotzdem gespannt auf die Conference on Human Factors in Computing Systems in Atlanta, auf der die IBM-Wissenschaftler Werner Geyer und Casey Dugan über ihre Erfahrungen mit einem ersten firmeninternen Test berichten wollen. Montag, 8. Februar 2010Nur ein BuchstabeEs gibt gute Vorsätze, bei denen man von Anfang das Gefühl hat, dass man sie nicht durchhalten wird. So hatte ich mir vorgenommen, nicht mehr über die GEZ zu schreiben – und war schon einmal vom Pfad der Tugend abgewichen. Und nun schon wieder. Aber es muss sein, denn aus unseren Nachbarland Tschechien dringen beunruhigende Nachrichten herüber: Hier hat nämlich die CEZ eine Spezialtruppe aufgestellt, die "notorischen Nicht-Zahlern" das Fürchten lehrt:
In der Praxis kommt es schon mal zu heiklen Situationen:
Nein, die CEZ ist keine Gebühreneinzugszentrale, sondern ein halbstaatlicher Stromkonzern und heißt nur so ähnlich wie unsere GEZ. Aber warum wird die Meldung über die tschechische Strom-Taskforce heute auf der ersten Seite der GEZ-Medien tagesschau.de und swr.de gepostet? Und zwar nur da? Das kann nur als Warnung gemeint sein. Für den Fall, dass die Charmeoffensive, die die GEZ letzte Woche mit Forum und Blog gestartet hat, nicht angenommen wird. Und hatte der GEZ-Blog nicht schon letzte Woche einen drohenden Unterton:
Zahlungsverweigerer, die eine reale Katze haben, sollten jetzt ganz besonders aufpassen. Aber vielleicht sollten wir alle künftig viel netter zur GEZ – zu unserer GEZ – sein? Die können nämlich selbst auch recht nett sein. Wir erfahren es wieder aus dem GEZ-Blog:
Ein gewisser Lars also, scheinbar nett. Recht und Unrecht und aufgerissene Augen. Was da im Busche sein könnte, erfahren wir wieder aus dem Nachbarland, wo es die Strom-Truppe auch nicht leicht hat:
Dienstag, 26. Januar 2010
Theorie und Blog – deutsche ... Geschrieben von Rainer Doh
um
11:59
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Theorie und Blog – deutsche IT-Unternehmen und Corporate Blogs (Teil III)Im ersten Teil unserer Untersuchung der Blogs deutscher IT-Unternehmen war es um "Theorie" gegangen – also um die Grundsatzfrage, wozu Unternehmen bloggen. Im zweiten Teil hatten wir uns angeschaut, was die deutschen IT-Unternehmen beim Bloggen so zu Stande bringen und das ernüchternde Ergebnis war: Überwiegend nichts. Umso weniger wollen wir versäumen, die wenigen Highlights gebührend zu würdigen.
Kommunikationsanbieter wie Vodafone, O2 oder Nokia verfügen über Blogs, wobei diese natürlich Consumer-orientiert sind ("Wir schenken Euch das Rentier aus dem TV-Spot"). Es ist nicht ganz das, was uns interessieren würde, aber es ist eben das, was diese Unternehmen kommunizieren wollen. Umso mehr muss es erstaunen, dass auch diese Blogs keineswegs einfach zu finden sind. Die direkte Verlinkung auf der Homepage fehlt auch hier – und sogar hier ist der unvermeidliche Newsletter gleichzeitig nur einen Klick entfernt. Nokia verlinkt sogar Twitter und Facebook, aber nicht den eigenen Blog, den man aufwändig suchen muss. Dabei müsste man sich für den doch gar nicht schämen. Letzten Endes bleiben unter den 100 untersuchten Unternehmen magere drei, die über einen rundum gelungenen Blog-Auftritt verfügen. Gelungen heißt für uns ganz unbescheiden: • leicht zu finden – wir wollen Blogs lesen und nicht suchen • regelmäßig gepflegt – Blogs vom November interessieren uns jetzt nicht nicht mehr so sehr • guter Themenmix – Sebastians Erfahrungen mit Powerpoint wollen wir auch nicht lesen • in deutscher Sprache – sollten wir uns irgendwann mal über finnische Blogs Gedanken machen, lesen wir Blogs gern auf Finnisch. Gewinner sind die Blogs von Microsoft, Fraunhofer IAO und Cirquent (falls ein Leser dieses Blogs noch einen vierten oder gar fünften IT-Lieblingsblog kennen sollte, nehmen wir diesen gerne noch nachträglich auf). Bei den beiden letzteren ist der Blog sogar auf der Homepage verlinkt, bei Microsoft ist er immerhin über das Suchfenster schnell zu finden. Microsoft nutzt Blogs am intensivsten, es gibt eine richtige Landing-Page für Blogs zu allen Themen rund um die Microsoft-Produkte. Ich habe 24 deutsche Blogs gezählt; nicht alle sind brandaktuell, aber das ist bei so vielen Blogs auch nicht erforderlich. Schon merkwürdig, dass ausgerechnet das so oft als böser Bube der IT gescholtene Microsoft sich hier in dieser Weise präsentiert. Aber über die "Gewinner" müssen wir hier ohnehin keine Worte verlieren. Die können je ihre Taten sprechen lassen. Doch was ist nur mit all den anderen los? Die IT in Deutschland trotzt auf breiter Front dem Zeitgeist: • Dialog mit Kunden und Öffentlichkeit? Wollen wir nicht. • Adressierung lokaler Märkte? Wir sind nicht von hier. • Entwicklung der Kommunikationsinstrumente von morgen? Warten wir noch ab. • Aufbau einer Community? Brauchen wir nicht. • Image als innovatives Unternehmen? Haben wir schon. Aber: Wollen Sie nicht unseren Firmen-Newsletter abonnieren? Dienstag, 26. Januar 2010
Theorie und Blog – deutsche ... Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
10:58
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Theorie und Blog – deutsche IT-Unternehmen und Corporate Blogs (Teil II)Im ersten Teil unserer Untersuchung der Blogs deutscher IT-Unternehmen war es um die "Theorie" der Corporate Blogs gegangen. Demzufolge ist nun die Praxis dran. IT-Unternehmen haben wir uns vorgenommen, weil wir vermuteten, dass Unternehmen dieses Sektors eine besondere Affinität zum Web in all seinen Erscheinungsformen haben müssten. Überprüft wurden die Websites von 100 IT- und Telekommunikations-Unternehmen, die nach der Zahl der Beschäftigten zu den 150 größten dieses Sektors gehören. Nicht berücksichtigt wurden Unternehmen, die im Wesentlichen ausgelagerte IT-Abteilungen sind, wie zum Beispiel die HVB Information Services GmbH. Wenn wir übrigens auf einer Website innerhalb von fünf Minuten auch unter Verwendung der Suchfunktion keinen Blog finden konnten, haben wir die Suche abgebrochen – wenn Blogs nicht leicht zu finden sind, taugen sie auch nicht als Kommunikationsinstrument.
2. Die Blogs Das Ergebnis der Untersuchung lässt sich sehr kurz wiedergeben: IT-Unternehmen in Deutschland nutzen die Blogs so gut wie nicht für ihre Kommunikation. Unter den 100 ausgewählten Unternehmen konnten lediglich acht deutschsprachige Blogs identifiziert werden. 19 Unternehmen weisen immerhin Blogs in englischer Sprache auf, drei Unternehmen bloggen in beiden Sprachen. Interne Blogs konnten natürlich nicht berücksichtigt werden, es ging uns aber ohnehin nur um die nach außen wirkende Kommunikation. Unter den Blog-abstinenten Unternehmen sind zahlreiche große und sehr renommierte.
Zwei Ursachen kommen dafür in Frage: Zum einen, dass Unternehmen den Nutzen von Blogs nicht sehen, zum anderen, dass sie ihn zwar sehen, aber dafür trotzdem keine Ressourcen bereitstellen wollen beziehungsweise können. Zum Nutzen von Blogs wurde im ersten Teil eigentlich schon alles gesagt. Mag sein, dass das IT-Unternehmen nicht so sehen. Mag sein, dass Blogs nicht das zentrale Kommunikationsinstrument sein werden, aber dass sie ein wichtiges Instrument in einer Medienlandschaft sein werden, dürfte unbestritten sein. Nicht zuletzt weil die Medienlandschaft künftig wesentlich breiter aufgefächert sein wird. Das Ressourcen-Problem ist eine Folge der Nutzen-Frage: Nur Unternehmen, die in Blogs einen geringen Nutzen sehen, scheuen den dafür nötigen Aufwand. Dass IT-Anbieter mit ein paar tausend Mitarbeitern keine Ressourcen haben sollten, einen Blog zu pflegen, ist nicht nachvollziehbar. Wir können das umso weniger verstehen, als fast alle Unternehmen durchaus Ressourcen für Firmenmagazine, Kundenzeitungen und Newsletter bereitstellen können, und hier schafft man es meist auch, einen Link prominent auf der Homepage unterzubringen. Offenbar liebt die deutsche IT diese Retro-Kommunikation, die ja weder ein schnelles und flexibles Reagieren, noch einen Dialog mit den Adressaten erlaubt. Wir haben darauf verzichtet nachzulesen, was die selben Unternehmen ihren Kunden beispielsweise über Agilität, Flexibilität und Innovation erzählen. Aber wir haben so unsere Vermutungen. ![]() Sun: Tausende von Blogs - aber keine Ressourcen für deutsche Blogs?
Interessanterweise verfügt Sun, obwohl es ein amerikanisches Unternehmen ist, sehr wohl über eine deutsche Website, verschickt deutsche Pressemeldungen und verteilt – hatten wir es nicht geahnt? – auch einen deutschen Newsletter. Das Amerikanische bei Sun trifft also nur die Blogs. Und im Grunde verhält es sich ja genau umgekehrt: Würde Sun hierzulande wie ein amerikanisches Unternehmen agieren, dann wüsste es auch hier, wie wichtig Blogs sind und dann hätte es auch Blogs in der Landessprache. Dabei wollen wir gar nicht bestreiten, dass es auch Blog-Themen geben mag, für die Englisch einfach ein wenig besser passt, beispielsweise in der Softwareentwicklung. Aber man muss sich hier schon einmal die Größenordnungen vor Augen führen: Sun hatte (zum Zeitpunkt unserer Untersuchung) weltweit 5.597 Blogs von 4.606 Bloggern, die insgesamt 173.134 Beiträge verfasst hatten. Und da sollten keine Ressourcen für einige Blogs in den Landessprachen der Länder mit Sun-Niederlassungen sein? Man muss natürlich auch wollen. Übrigens: bei Oracle sieht es genauso aus, insofern passen die beiden prima zusammen. Umgekehrt gibt es auch deutsche Unternehmen, die nur auf Englisch bloggen, beispielsweise die Software AG oder IDS Scheer. Ja, wir wissen schon: "Wir sind ein internationales Unternehmen …" und Englisch beweist Internationalität, Globalität und Modernität, aber eine besondere Wertschätzung des immerhin zweitgrößten IT-Marktes kommt darin nicht zum Ausdruck. Und auch hier ist festzuhalten: Wir sprechen hier nicht von Unternehmen mit 40 oder 50 Mitarbeitern, die sich entscheiden müssen, ob sie einen Blog in E oder D führen. In unserer Untersuchung haben wir an ein paar Stellen auch ein wenig tiefer gebohrt, denn manchmal wollten wir es einfach nicht glauben, dass es bei diesem oder jenem renommierten IT-Unternehmen keinen einzigen Blog geben sollte. Wir haben uns dann bei der Pressestelle erkundigt, wo wir denn den Corporate Blog finden könnten. Da wurde uns dann zum Beispiel mitgeteilt: Das Unternehmen "… bietet keinen 'Corporate Blog' an. Sollten Sie weiterführende Informationen über das Unternehmen benötigen, können Sie sich gerne an mich wenden." Hier drängt sich der Eindruck auf, Social Media könnte trotz umfassender Medienoffensive doch noch nicht überall verstanden worden sein: Blogs sind doch nicht "weiterführende Informationen über das Unternehmen", Web 2.0 ist eben nicht Presseinformation mit anderen Mitteln, sondern … war da nicht was mit Dialog und Community? In der deutschen IT-Welt scheint das überwiegend nicht angekommen zu sein. Weitere O-Töne aus der Praxis deutscher IT-Blogs:
Siemens IT Solutions and Services wiederum hat auf unsere Anfrage sicherheitshalber gar nicht geantwortet. Wir haben dafür natürlich Verständnis: Wenn man anfängt, jedes E-Mail zu beantworten, wird das schnell uferlos. Andererseits muss man auch zugeben, dass nicht jeder Blog, bloß weil es ihn gibt, damit auch schon Ziel führend im Sinne der Unternehmenskommunikation ist. Zum Beispiel bei IBM. Deutschlands größtes IT-Unternehmen hat einen Blog, dieser spricht Deutsch und ist – erfreulich! erfreulich! – ganz leicht zu finden. Und selbstverständlich weiß IBM, worum es bei Blogs geht:
Aber in diesem Fall gilt: Blau ist alle Theorie. Was der BlueBlog hinsichtlich Inhalt und Aufmachung tatsächlich bietet, ist nämlich weniger gelungen. Bei unserem Besuch war der letzte Beitrag über zwei Monate alt – und das in einem Weltunternehmen, das hierzulande über 20.000 Mitarbeiter beschäftigt. Mag sein, dass es irgendwo im IBM-Universum noch andere Blogs gibt, schönere, aktuellere, bessere, interessantere. Aber die haben wir leider nicht gefunden – was im Ergebnis auf das selbe hinausläuft. Manche der Unternehmen haben auch etwas eigenwillige Vorstellungen über die Kommunikation per Blog. So haben wir bei einem Unternehmen statt eines Corporate Blogs einen "Trainee-Blog" gefunden, was im Grunde ja nicht verkehrt ist. Dieser war offenbar als Spielwiese für Social-Media-Eleven gedacht, die Beiträge erwiesen sich als unfreiwillig komisch und damit unser summa summarum eher trist gestimmter Blog nicht ohne seine humorige Note bleibt, zitieren wir daraus kurz, aber mit Rücksicht auf den Trainee-Blogger absichtlich ohne Quellenangabe:
Interessant wie es bei einer "strategischen Neuausrichtung" in diesem Unternehmen, dessen Name nichts zur Sache tut, so zugeht. Das mag ja für die Kumpels vom Sebastian – und für uns – ganz lustig sein, aber in einem für die Weltöffentlichkeit offenen Blog hat dergleichen eher weniger zu suchen. Nebenbei, lieber Sebastian: Nicht nur bei Folien, auch bei Corporate Blogs gilt es einiges zu beachten, aber das ist ein anderes Thema. Über die kleine Schar der Sieger beim Blog-Contest der deutschen ITK-Unternehmen berichten wir demnächst in diesem Blog. Dienstag, 19. Januar 2010
Theorie und Blog – deutsche ... Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
09:52
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Theorie und Blog – deutsche IT-Unternehmen und Corporate Blogs (Teil I)Heute geht es in unserem Blog um Blogs, genauer: Um die Blogs deutscher IT-Unternehmen. Damit wir nicht betriebsblind – Blog-blind – werden, haben wir uns draußen in der Realität umgeschaut und wollten herausfinden, wie die großen Unternehmen der deutschen IT- und Telekommunikationsindustrie Blogs für ihre Kommunikation nutzen. Über die Ergebnisse dieser Umschau gibt es einiges zu berichten, mehr als wir zunächst vermutet haben. Damit die Sache nicht unübersichtlich wird, werden wir das Thema in drei Kapiteln behandeln: 1. Die Theorie – über das Warum und Wieso von Corporate Blogs 2. Die Praxis – wie deutsche IT-Unternehmen bloggen 3. Die gute Praxis – wie es aussieht, wenn deutsche IT-Unternehmen gut bloggen 1. Die Theorie Blogs sind bekanntlich das Herzstück von Social Media beziehungsweise Web 2.0. So hatte Social-Media-Guru Klaus Eck in seinem Standardwerk "Corporate Blogs" schon 2007, also in der Web-2.0-Frühzeit, geschrieben:
Der Grund für die besondere Rolle von Blogs innerhalb des Web 2.0 liegt auf der Hand: Hier ist der Platz an dem man "zur Sache" kommen kann, an dem Inhalte auch mal etwas ausführlicher ausgebreitet werden können. Während bei Twitter nur kurze Informationen ausgetauscht werden – mitunter als Referenz auf Blogs –, in den Sozialen Netzwerken vor allem Kontakte aufgebaut und gepflegt werden und bei YouTube und den Foto-Plattformen das Visuelle betreut wird, kann im Blog ausführlich informiert, argumentiert, erläutert, erklärt, kritisiert, zurückgewiesen, bewundert oder was auch immer werden. Für Unternehmen heißt das: In Blogs können sie ihre Position, ihre Politik oder ihre Strategien darlegen, aber auch ganz einfach ihre Produkte und Lösungen vorstellen und erklären. Blogs stellen den Unternehmen einen sehr direkten Kommunikationskanal zur Verfügung, über den sie sehr viel unmittelbarer ihre Botschaften aussenden können als das über die herkömmlichen Medien möglich ist. Sie haben damit eine direkte Verbindung zu den Adressaten, seien das Geschäftspartner, Kunden, Interessenten oder Lieferanten – oder ganz allgemein die Öffentlichkeit. Wenn Unternehmen etwas zu sagen haben, müssen sie sich im Blog mit niemandem abstimmen, in keinen Redaktionsplan hineinzwängen, keinen Redaktionsschluss einhalten und auch (so etwas soll es schon gegeben haben) keine Anzeigen schalten. Nachteil dieser Direktheit ist im Vergleich zu herkömmlichen Medien natürlich die geringere Reichweite von Blogs – da hilft nur: Regelmäßig und gut über interessante Dinge schreiben. Ein wichtiger Aspekt: Wie alles im Web 2.0 sind auch Blogs nicht als unidirektionaler Kommunikationskanal gedacht. Richtig spannend wird es beim Bloggen immer dann, wenn die Leser sich mit Kommentaren in Diskussionen einschalten. Dass dabei nicht immer Lobeshymnen zu erwarten sind, versteht sich, insbesondere bei kontroversen Themen. Das müssen Unternehmen aushalten. Wenn sie es nicht aushalten, müssen sie es lernen. Im Auge behalten sollte man auch den Hintergrund: Vom Wandel der Medienlandschaft ist derzeit ja viel die Rede – Einbruch im Anzeigengeschäft, ausgedünnte Redaktionen, abwandernde Leser, kein Plan für die Online-Postionierung und am Horizont das Wetterleuchten das Sterben von Zeitschriften und Zeitungen in den USA (2009 wurden dort rund 400 Zeitschriften eingestellt). Für die Unternehmenskommunikation heißt das, dass sich auch für sie die Parameter verschieben werden. Sie kann nicht davon ausgehen, dass sie in fünf bis zehn Jahren mit dem altbekannten Instrumentarium von Presseinformationen oder -konferenzen ihr Publikum überhaupt noch erreicht, denn dieses ist offenbar in weiten Teilen dabei, ins Web und ins Web 2.0 abzuwandern. Die Kommunikationsexperten der Unternehmen werden sich daher überlegen müssen, wie sie ihre Adressaten dort erreichen können. So, das war nun kurz und knapp die Theorie. Und die Praxis? Fortsetzung folgt – in diesem Blog. Mittwoch, 2. September 2009Das Web gegen JakoHeute, am 2. September 2009, kommt kein deutscher Blog am Thema Jako vorbei. Mit offensichtlichem Vergnügen treten Deutschlands Blogger seit gestern den PR-Gau das Sportartikelherstellers Jako breit. Meine erste Reaktion, als ich heute morgen auf den Tsumani blickte, der sich da über Jako ergießt: Da müssen wir nicht auch noch mitmachen. Natürlich halten auch wir es für ziemlich daneben, wenn einem Unternehmen zu einem (ärgerlichen, bösen, unverschämten) Blog nichts besseres einfällt als Anwalt und Abmahnung, und natürlich ist auch uns die Blogfreiheit heilig. Aber in dieser Sache ist mittlerweile alles gesagt – und zwar mehrfach. Nun ein paar Stunden später, wird mir aber klar: Beim Projekt "Das Web gegen Jako" muss jeder mitmachen! Sonst ist er kein richtiger Blogger. Falls es jemanden geben sollte, der noch nicht mitbekommen hat, um was es geht (längerer Auslandsaufenthalt ohne Web-Anschluss? Sommerexerzitien im Trappisten-Kloster?) – man findet alles Wissenswerte kurz und knapp bei Klaus Eck oder lang und breit bei allesaussersport. Was uns hier besonders interessiert, ist die Lawine, die da losgetreten wurde. Den "Fall" gibt es schon seit Mai, aber seit gestern fliegt er Jako um die Ohren, zumindest im Web. Blog um Blog, Tweet um Tweet zieht über das Unternehmen her. Bei allesaussersport hat das Thema es innerhalb eines Tages auf über 400 Kommentare gebracht, allein das sind schon mehr Leser als der ursprüngliche Blog hatte. Und der Inhalt der Kommentare ist meist sehr, sehr böse – Jako-Kunden werden diese Leute so schnell nicht mehr. Gestern Nachmittag tauchte bei Twitter plötzlich ein Fake auf in dem ein jako_sport Twitterern, die über den Fall berichteten, mit Abmahnung drohte. Prompt meldete sich jako_de: Heute stellt sich raus – auch jako_de war ein Fake. Dafür tauchen nun die ersten Youtoube-Vidoes auf: Opa verbietet Enkel Jako zu kaufen – das Video ist weder gut gemacht, noch inhaltlich witzig, aber das ist nun auch egal. Das Web 2.0 will seine jetzt Muskeln spielen lassen und lässt keine Gelegenheit aus den Feind zu stellen. Und morgen werden die Videos dann vermutlich schon ein wenig besser sein. Überzogene Reaktionen? Umso besser! Übertriebene Aufregung? Jetzt erst recht! Die Web-2.0-Welt will offenbar demonstrieren, was Negativ-PR im Web-2.0-Zeitalter bedeuten kann. Und dass auch in Deutschland die Unternehmen ab sofort nicht am Web 2.0 vorbeikommen. Pech für Jako, dass der Kampf um das Selbstbewusstsein der Social-Media-Welt diesmal ausgerecht auf seinem Rücken ausgefochten wird, wenn auch kein unverschuldetes Schicksal. Wir sind gespannt, wie es ausgeht: Wird Jako klein beigeben, den Blogger Frank Baade in Frieden lassen und ihm eine schöne Sporttasche spendieren (wir empfehlen das Modell Challenge mit großem Hauptfach und umlaufendem 2-Wege-RV)? Oder vertraut man darauf, dass es doch "bloß" das Web ist? Letzte Meldung: "PR-Desaster: Jako redet mit Blogger Baade" Ist es tatsächlich schon soweit, dass das Web 2.0 für Unternehmen gefährlich werden kann? Donnerstag, 27. August 2009
Grüner wird's nicht Geschrieben von Rainer Doh
in Datenschutz, Technologie und Märkte um
17:03
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: blog, blogger, datenschutz, handy, handyortung, informationelle selbstbestimmung, tracking
Grüner wird's nichtEine interessante Anwendung der Handy-Ortung gibt es bei Google zu bewundern: die Echtzeitüberwachung von ganzen Straßennetzen. Wie immer im modernen Web ist die Technik altbekannt und der Begriff brandneu: “Crowdsourcing Traffic”. Es funktioniert ungefähr so: GPS-Handys werden metergenau geortet und daraus lassen sich Rückschlüsse auf den Verkehr ziehen. Bewegen sie sich schnell, ist der Verkehr flüssig (GRÜN); bewegen sie sich nicht, ist vermutlich Stau (ROT). Bei Google Maps sieht das dann zum Beispiel so aus:
Interessant wäre natürlich zu erfahren, wer schon wieder der Trödler ist, der ganz vorne den Stau verursacht, den wenn ich erwische ... Deutschlands führender Blog, der Basic Thinking Blog, hat angesichts Crowdsourcing Traffic wohl ähnliche Zusatzideen und stellt die Sinnfrage: "Warum ist vieles von dem, was Google macht, auf der einen Seite ziemlich cool und nützlich – und auf der anderen Seite fast immer datenschutzrechtlich bedenklich?" Ach, wir wissen es doch auch nicht. Dienstag, 12. Mai 2009D-BlogsNun zu einem ernsten Thema: Im letzten Magazin der Süddeutschen Zeitung beunruhigte Felix Salmon mit überaus interessanten "Zehn Thesen, warum deutsche Blogs nicht funktionieren".
Tenor: Blogger sind "die natürlichen Außenseiter", lieben Schnellschüsse, irren sich und passen schlecht in ein Land, in dem es sehr darauf ankommt, dass die, die etwas sagen, auch Amt und Würden haben. Fallen vielleicht jemand Gegenargumente ein?
Bemerkenswert übrigens, wie gut die Süddeutsche gleich selbst zu Salmons Thesen passt: Sie preist ihn nämlich mehrmals als erfolgreichen US-Blogger an: "Felix Salmon, 37, betreibt mit portfolio.com einen der erfolgreichsten amerikanischen Blogs, der sich mit Wirtschaft und Finanzen auseinandersetzt." Wenn schon nicht Professor oder Politiker, so mindestens erfolgreich: Da könnte sonst ja jeder kommen und deutsche Blogs heruntermachen. |
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