Die Erosion der IT-Fachpresse geht weiter. Im letzten Sommer hatte es die Computerzeitung erwischt, nun streicht neben der Network Computing auch die Informationweek aus dem Weka-Verlag die Segel. Dem Sterben dieses ruhmreichen Titels konnte man schon seit einiger Zeit fast zusehen: Schon lange erschien diese "Week" nicht mehr wöchentlich, immer dünner wurde das Heft und immer weniger Anzeigen wurden geschaltet. In der Ausgabe 4/2010 waren bei einem Gesamtumfang von 36 Seiten gerade noch sechs ganzseitige Anzeigen zu finden.
Dabei war die Informationweek, auch wenn dem Ende zu die Mischung aus redaktionellen und aus Gast-Beiträgen gelegentlich etwas in Schieflage geraten ist, qualitativ immer überdurchschnittlich. Vor allem, weil sie Fragen der strategischen IT behandelt hat und sich nicht in Artikeln rund um iPhone und iPad verlor. Oder war gerade das das Problem? Gibt es für Print-Titel, die sich um strategische IT kümmern, keinen Markt mehr?
Und warum investieren die IT-Unternehmen nicht mehr in Medien, die doch ihre Themen behandeln? Tapio Liller vom Blog Open Source PR ist das Thema vor ein paar Tagen grundsätzlich angegangen und kommt zu folgendem Schluss:
InformationWeek und Network Computing sind die zwei jüngsten Opfer einer Fachmedienkrise, die schon vergangenes Jahr die Computer Zeitung und weitere IT-Titel aus dem Leinfeldener Konradin-Verlag dahingerafft hatte. Sie verließen sich zu lange darauf, dass IT-Manager und Administratoren gern Gedrucktes auf dem Schreibtisch haben, und verpassten den Anschluss im Web. Dort bestimmen inzwischen die großen Unternehmenssoftware- und Hardware-Häuser selbst die Agenda. Genauso wie sie Hausmessen veranstalten, statt auf die CeBIT zu gehen, betreiben Sie eigene Publikationen – gedruckt – und vor allem im Netz, statt Werbung in Fachtiteln zu schalten. Außerdem nutzen sie ihre Web-Präsenzen, auch in Form von Corporate Blogs, als PR-Werkzeug. Oft werden Neuerungen zuerst auf einem Blog angekündigt, erst dann werden die Fragen der Presse beantwortet. Früher undenkbar. So schwindet den einstmaligen Gatekeepern in den Fachredaktionen ein wichtiger Wert ihrer Arbeit: die Exklusivität.
Eigentlich möchte man sagen: Genau so ist es! Wäre da nicht die lästige Empirie. Anfang des Jahres haben wir nämlich selbst eine Untersuchung über die Nutzung von Blogs in der IT durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass, von einer Handvoll Ausnahmen abgesehen, selbst die größten und bedeutendsten IT-Unternehmen so gut wie gar nicht bloggen. Wir haben jedenfalls nicht viel davon bemerkt, dass neue Produkte in Blogs angekündigt werden, und von einer Diskussion von strategischen Fragen war auch nichts zu sehen.
Bezeichnend auch eine Übersicht der besten IT-Blogs, die die CW im März vorgestellt hatte: Sogar hier überwiegen die Gadget-Blogs, und netzpolitik.org und basicthinking.de mögen ja interessante Blogs sein, aber nicht für IT-Strategien.
Wo also wird kommuniziert, wenn es um die IT jenseits von iPad und Excel-Tipps geht? Es gibt natürlich eine Menge kleiner Blogs, die mal dieses und mal jenes wichtige Thema aufgreifen. Aber für Einzelkämpfer stellt sich hier schnell die Ressourcenfrage – wenn es darum geht, an Themen dran zu bleiben und auch Seitenlinien in aller Breite zu verfolgen, haben sie gegenüber einer Redaktion immer einen Nachteil. Aber die etablierten Redaktionen scheinen diesen Vorteil derzeit nicht nutzen zu können.