In der letzten iX hat sich ein Leser in einem Leserbrief mit bitteren Worten über einen einseitigen, unausgeglichenen, neutralitätsverletzenden, ignoranten Artikel dieses Magazins beklagt, in dem der Autor "permanent und unbewiesenermaßen" gegen die ruhmreichen Großrechner zu Felde gezogen war. Zugegeben, als ich diesen Leserbrief las, zuckte ich leicht zusammen – die Argumente waren mir schon recht gut bekannt und der im Leserbrief angesprochene Hersteller Micro Focus ist ja auch Kunde unseres Hauses. Sollten wir tatsächlich einseitig, unausgeglichen (oder zumindest unausgewogen), neutralitätsverletzend und ignorant gewesen sein? Aber nach einer eilig anberaumten Prüfung können wir versichern: Wir waren es nicht! Wir haben den inkriminierten Artikel nicht verfasst!
Aber – und auch das müssen wir fairerweise zugeben – wir hätten es sein können. Ich weiß gar nicht mehr in wie viel Dutzend Gesprächen mit IT-Verantwortlichen quer durch DACH, ich genau diese einseitigen, ignoranten und unausgeglichen Argumente über die Mainframes gehört habe: teuer, aufwändig, wenig flexibel, schwierig an Nachwuchskräfte zu kommen, und immer wieder: teuer, teuer, teuer. Unbewiesen? Nicht aufrechtzuerhalten? Alles nur "Werbeattribute"? In vielen IT-Abteilungen ist man jedenfalls anderer Ansicht. Das letzte Gespräch dieser Art liegt noch nicht mal eine Woche zurück.
Und diese Bitte eines Großrechner-Herstellers um eine "ausgleichende Maßnahme" klingt nicht nur kompliziert, sondern auch ein wenig seltsam:
"Wäre ein Beitrag, der den Mainframe-Betrieb heute ausgewogen darstellt und darlegt, warum viele Unternehmen im Zeitalter von Konsolidierung und Cloud-Readiness gerade nicht auf den Mainframe verzichten wollen, sondern eher zentralisieren, nicht eine ausgleichende Maßnahme?"
Auf diesen Artikel sind wir schon gespannt. Hoffentlich wird er nicht einseitig.