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Der Hirschrücken der Woche Geschrieben von Rainer Doh
in Medien um
16:53
Kommentare (0) Trackbacks (0) Der Hirschrücken der WocheEs muss nicht immer alles neu sein, auch wenn der Zeitgeist das so fordert. Im Gegenteil. Ein Hirschrücken zum Beispiel sollte generell gut abgehangen sein, auch eine Rinderlende, Rotwein wird zumindest eine Zeitlang durch Aufheben besser, Ölgemälde ganz generell und Pyramiden sowieso. Das gilt aber auch für Themen, sogar für Titelthemen, auch die widersetzen sich gelegentlich dem Zeitgeist:
Aufmerksame Leser dieses Blogs muss das an einen Hirschrücken von Spiegel Online erinnern, der seit Februar 2011 herumhängt:
Gut abgehangen hat sich das Thema weiterentwickelt: Aus den vollschreibenden Männern ist nun eine ganze Sekte geworden: westlich, weiß, männlich. Das ist in der Tat so: zum Beispiel sind die Mexikaner und die Japaner in der deutschen WP nur ein kleines Häuflein. Im Unterschied zu New Scientist.
Bei der deutschen Ausgabe der Männer-Sekte Wikipedia kann man erfahren, dass die deutsche Ausgabe des New Scientist im Spiegel Verlag erscheint. Und noch etwas hat der Weiße Mann in sein Lexikon hineingeschrieben:
Wegen vier Wochen muss man wirklich nicht mehr groß Themen vom Zaun brechen. Montag, 25. März 2013
Und wieder ein paar Prozent mit ... Geschrieben von Rainer Doh
in Medien um
16:17
Kommentare (0) Trackbacks (0) Und wieder ein paar Prozent mit einer superguten Idee*Draußen ist ja immer noch dieses scheußliche Winterwetter (zum Glück habe ich meine Michelin-Reifen noch aufgezogen), man will ja gar nicht mehr vor die Haustüre gehen. Darum hab ich mich drinnen, wieder mal mit der Zukunft der Medien beschäftigt. Lange Zeit war das für mich identisch mit meiner Süddeutschen Zeitung beim Tchibo-Frühstückskaffee, die ihren festen Platz zwischen Schwartau-Extra und Pfister-Brot hat. Das ändert sich, ohne Tablet geht gerade auch beim Frühstück nichts mehr. Mein geschätzter Blogger-Kollege Richard Gutjahr hat das gerade wieder bestätigt. Richard war zu einem Presseclub nach Wien eingeladen – ich weiß gar nicht, hat der den Zug genommen oder die Lufthansa? Oder hat er sein neues Audi A5 Coupé aus der Duplexgarage geholt? Egal. Er hat aus der Donaustadt eine Super-Idee mitgebracht, die das Zeug hat, die Medienlandschaft zu verändern - und ich kann nur sagen: Ein paar Prozent kann man immer brauchen.
* Wenn Ihr über meine Links … na, Ihr wisst schon. Sonst ändert sich an unserem Blog nix. Montag, 25. Februar 2013
Dam dam gegen eine gesichts- und ... Geschrieben von Rainer Doh
in Medien um
16:04
Kommentare (0) Trackbacks (0) Dam dam gegen eine gesichts- und typenlose WeltVor genau fünf Wochen haben wir in diesem Blog über das Image-Video der österreichischen Raiffeisenbank Radstadt berichtet. Das Video unter dem Motto "Weine nicht, wenn der Zinssatz fällt" hat es mittlerweile auf über 200.000 Aufrufe bei YouTube gebracht.
Das muss man erstmal nachmachen – obwohl, vielleicht möchte das nicht jeder nachmachen, denn ich würde mal grob schätzen, dass 95% der Klicks von purer Schadenfreude angelockt wurden. Im Web blieben die wirklich echten Fans des schrägen Raika-Auftritts ("nett und ehrlich, hier wird doch nichts versprochen was gelogen ist! … Akzente setzen in einer gesichts- und typenlosen Welt ...") deutlich in der Minderzahl. Inzwischen aber muss hinter den Kulissen etwas Furchtbares passiert sein. Denn wenn man das Video nun aufruft, sieht man das:
Man kann nur rätseln. Unangemessener Inhalt? Pferdefleisch? Aufgefallen ist mir nichts. Oder haben etwa die Erben des unvergessenen Drafi Deutscher Einspruch gegen die Verwendung von Melodie und "dam-dam" erhoben? Sollte die brave Raika etwa das Urheberecht ...? Aufklärung dringend nötig ist
ich hoffe die Raika das nicht vergisst. Bis dahin verraten wir, als echten Service für die wirklichen und unwirklichen Fans und für alle, die miträtseln wollen, einen geheimen Zugang zu diesem Kult-Video unter den Unternehmensvideos; man muss vorher nur ein wenig Pizza-Werbung ertragen (ist aber auch mittelständisch orientiert und alles andere als gesichtslos): KLICKST DU HIER (zum Film nach unten scrollen)
Dienstag, 15. Januar 2013Irre!Es ist nicht ganz das Kernthema dieses Blogs, aber Navis sind nun mal auch IT und Medien sind Medien und PR ist PR.
Vermutlich muss man dabei gewesen sein. Alle Übrigen, die sich an die Medien halten müssen, müssen es glauben. Wie so oft steigt die Glaubwürdigkeit einer Meldung durch exakte Zahlen: • Focus Online: 1500 Kilometer • DIE WELT: 1400 Kilometer • STERN.DE: 1200 Kilometer
Fest steht: Sabine Moreau ist schon jetzt der PR-Champion 2013! Dienstag, 20. September 2011
Piraten entern Headlines Geschrieben von Rainer Doh
in Medien um
12:05
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Piraten entern HeadlinesDie Piratenpartei ist im Berliner Abgeordnetenhaus – ein Meilenstein auf dem Weg zur Einheitsüberschrift:
Montag, 17. Januar 2011
Der Preis von Freibier Geschrieben von Rainer Doh
um
10:50
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: blogger, burda, handelsblatt, leistunsschutzrecht, medien, medienkrise, springer, verlage, zeitschriftensterben
Der Preis von FreibierDie Medienlandschaft verändert sich. Sagten wir das schon? Falls nicht: Die Medienlandschaft verändert sich! Zu den Themen, die uns 2011 noch häufiger beschäftigen werden, gehört das Leistungsschutzrecht. Zeitschriften- und Zeitungsverleger klagen ja schon länger über das Internet, das mediale Aufmerksamkeit auf sich zieht und ihnen demzufolge die Werbeinnahmen beschneidet. Da die Online-Auftritte der klassischen Medien mit wenigen Ausnahmen defizitär sind und weder über Bannerwerbung noch über bezahlten Content das einbringen, was im Anzeigengeschäft fehlt, verfolgt man neue Strategien. So beklagen Verleger seit einiger Zeit lautstark in der Öffentlichkeit, dass sie vom Internet ausgenutzt werden, dass gerade die großen Player des Webs an den von den Verlagen mühsam erstellen Inhalten schmarotzen würden. Insbesondere Google-News steht da in der Kritik, weil hier nicht nur auf die Verlagsangebote verlinkt wird, sondern auch noch kurze Auszüge aus den Texten angezeigt werden. So heißen denn die Schlagworte, die in die entfachte Debatte eingebracht werden, auch rechtsfreier Raum und Gratismentalität, gefordert wird nichts weniger als das "Ende der Freibeuterei von Google & Co". Ein interessanter Fall, denn mancher mag vor dieser Kampagne ganz naiv gedacht haben, dass es sich umgekehrt verhielte, dass die Verlage sich freuen müssten, wenn ihnen Google – gratis! – Besucher auf ihre Webseiten schaufelt. Und die Verlage wollen ja auch nicht, dass sich daran etwas ändert, schließlich könnten sie technisch ohne weiteres verhindern, dass Google ihren kostbaren Content abgreift. Wobei natürlich klar ist: Wer heute Google aussperrt, ist morgen unsichtbar. So schallt denn nun der Ruf nach einem Leistungsschutzrecht durch das Land. Vereinfacht gesagt: Wer den frei ins Netz gestellten Content nutzen will, soll zahlen. Und weil im Netz nach wie vor niemand so recht direkt für Content zahlen will, ist konsequenterweise an eine Art Abgabe gedacht. Knifflige Sache. Natürlich gilt grundsätzlich auch im Web: "There is no free lunch!" Aber hier klingt es eher nach dem Wirt, der Geld für das Freibier haben will. Anders ausgedrückt: Wen die "Gratismentalität" stört, der muss seine Sachen ja nicht gratis rausrücken, es steht ihm frei, ein Preisschildchen auf seine Leistung zu pappen. Wem dann aber der Content für Geld nicht abgenommen wird, der muss sein Geschäftsmodell überdenken … und vielleicht in Immobilien gehen? Die Verlage haben sich mit ihrem Anliegen erfolgreich hinter die Politik geklemmt. "Presseverlage sehen sich zunehmend damit konfrontiert, dass ihre Online-Angebote von anderen gewerblichen Anbietern in einer Weise ausgenutzt werden, die über das bloße Verlinken weit hinausgeht", meint zum Beispiel Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger und positioniert sich damit auf der Seite der Verleger. Es gibt sogar einen entsprechenden Gesetzesentwurf. Nun könnte man sagen: Was kümmert uns das? Das sollen Google, Verleger und Politik unter sich ausmachen. Könnte man sagen, gäbe es nicht beim Leistungsschutzrecht noch ein überaus interessantes Add-On:
"Beruflich" ist ein weites Feld und damit dürfen wir uns also auch zu den vom Leistungsschutzrecht direkt Betroffenen rechnen. Wobei am Horizont nicht nur die GEMA auftaucht, sondern auch unsere gute alte GEZ, denn wie will man die Nutzung von Content anders kontrollieren, als in bekannter Manier über die Bereitstellung der für die Nutzung nötigen Technik; entsprechende Ressourcen werden ja bald frei. Man sage aber nicht, das alles könne nicht funktionieren – in der Praxis hat schon der größte Unfug funktioniert. Es war absehbar, dass sich am Leistungsschutzrecht eine Debatte entzünden würde, immerhin stellt es eine massive Veränderung der Art und Weise dar, wie wir bisher mit dem Web umgegangen sind. Zu beachten ist: Viele unserer üblichen Quellen für die Betrachtung von Themen aus aller Welt sind hier selbst Partei – es sind schließlich die Online-Auftritte der großen deutschen Verlage. Entsprechende Artikel auf deren Websites sind mehr oder weniger klar pro domo geschrieben – so beispielsweise kürzlich im Handelsblatt. Verlage wie die WAZ-Gruppe oder Springer haben sich bei diesem Thema klar positioniert. Kritik am Leistungsschutzrecht wird man hier eher selten antreffen. In die Bresche springt die Blog-Szene, die mittlerweile wütend gegen das Leistungsschutzrecht anrennt. Mario Sixtus auf Carta, Netzpolitik oder Stefan Niggemeier sind dafür bevorzugte Adressen. Für alle, die sich weiter informieren wollen, gibt es mit IGEL auch ein eigenes Portal für das Leistungsschutzrecht, wo Informationen von allen Seiten zusammengetragen werden. Allen Nutzern des Web (noch jemand ohne?) sei empfohlen, das Thema im Auge zu behalten. Wie gesagt: Die Medienlandschaft verändert sich. Donnerstag, 9. September 2010Die Edelblogger (II)Gestern war Theorie – heute wird's konkret: Wie bloggen sie denn nun, die Edelblogger der "klassischen" Medien, wenn sie bloggen? Süddeutsche ZeitungDen Anfang soll gleich die Süddeutsche Zeitung machen. Um es vorweg zu nehmen: Die SZ scheint sich an der Vorgabe ihres Innenressortleiters Prantl zu orientieren: Wir schreiben doch schon in unserer Edel-Zeitung, wozu dann noch bloggen? Der Blog-Auftritt der SZ ist dementsprechend dürftig. Es gibt ganze sieben Blogs, die sich überwiegend mit Nischen-Themen befassen: Es gibt ein Foto-Blog ("Täglich mehrere Bilder und Sentenzen zu den Lebensgefühlen unserer Zeit."), ein Musikblog ("Ein Blog über den großen Zusammenhang zwischen neuer und alter Popmusik"), ein Blog "über die wunderbare Welt der Computerspiele", oder ein Blog "über die Leiden und Freuden zweier Kritikerinnen aus den Bereichen Theater und Film", zuletzt mit mehreren gaaaanz laaaangen Folgen zur Erinnerung an Christoph Schlingensief. Mit anderen Worten: Was in der SZ beim besten Willen keinen Platz mehr findet, wird in den Blog gesteckt. Ausnahme: "Der Feuilletonist", Andrian Kreye, SZ-Feuilleton-Chef, macht es gelegentlich auch andersherum: Dann steckt er schon mal einen Artikel, den er im SZ-Feuilleton geschrieben hat, etwas gekürzt aber ansonsten unverändert in sein Blog. Ganz Edelblogger ist er wohl der Auffassung, besser könne man es nicht schreiben, und weil Blog und Zeitung für ihn sowieso ein und das Gleiche sind, sind auch Copy & Paste voll okay. Dabei hätte ein einfacher Link auf die Online-Ausgabe der SZ doch gereicht. Unterm Strich: Warum bloggt die SZ überhaupt? Die Antwort kommt nicht so recht rüber. Übrigens nicht nur bei mir nicht – Kommentare sind im SZ-Blog absolute Ausnahme. Dialog mit dem Leser findet hier jedenfalls nicht statt. Interessant: Note 5 – Dialog: Note 5 – Aktualität: Note 4 – Aufmachung: Note 3 Mit deutlich mehr Engagement ist die FAZ bei der Sache. Ihre 20 Blogs greifen nicht irgendwelche abgelegenen Themen auf, sondern das, worüber in Deutschland eben gerade so diskutiert wird. Derzeit also Themen wie Abendland, Huntelaar, Twitter, Sterbehilfe oder Karstadt. Blogs wie "Netzökonom" von FAZ-Redakteur Holger Schmidt gehören durchaus zu den wenigen führenden im Lande. Nicht alle der 20 Blogs sind top-aktuell, bei einigen ist der letzte Beitrag schon ein paar Wochen her: Macht aber nichts, dafür sind es ja auch 20 Blogs. Die FAZ hat für ihre Blogs auch externe Blogger verpflichtet, wie Don Alphonso alias Rainer Meyer – "der böse Bube der Blog-Szene" – mit seinem FAZ-Blog "Stützen der Gesellschaft." Diese Blogger können – soweit von außen ersichtlich – auf dieser Plattform ihre durchaus nicht FAZ-konformen Ansichten verbreiten. Dass das nicht immer ohne Reibung geht, zeigte kürzlich der Rauswurf des Blogs "CRTL Verlust" von Michael Seemann. Die Leser danken den FAZ-Blogs die Dialogbereitschaft: Zweistellige Kommentarzahlen sind bei den größeren FAZ-Blogs nicht selten. Dialog findet also statt, zumindest in dieser Form. Interessant: Note 2 – Dialog: Note 2 – Aktualität: Note 2 – Aufmachung: Note 3 Die Zeit setzt in ihren Blogs die Themenschwerpunkte natürlich ein wenig anders sie FAZ: Es gibt Blogs über Nachhaltigkeit, Integration, Internet, Menschenrechte und Musik, einen Foto-Blog, einen Blog für Kinder, zwei (!) Blogs übers Kochen und natürlich einen Schulblog. Interessanter Unterschied zur FAZ ist die Einbindung der Leser. Zum einen bloggt die Redaktion von Zeit-Online: über sich und stellt sich dabei explizit dem Urteil der Leser: "Was kommt demnächst auf ZEIT ONLINE, was überlegen wir? Kommentare, Anregungen und Kritik sind hochwillkommen!" Zum anderen öffnet die Zeit ihren Blog auch direkt für die Leser. Unter "ZEIT der Leser" posten Zeit-Leser allerlei Skurriles, über die Kultur der Bratwurst oder ein knurrendes Zwergkaninchen, gern werden Postkarten gepostet oder Fahrkarten. Das ist manchmal ganz nett, manchmal auch zum Gähnen langweilig und unterm Strich so interessant wie Skurrilitäten eben interessant sein können – es wäre eine etwas merkwürdig Art der Lesereinbindung, wenn es die Zeit dabei belassen würde. Tut sie aber nicht: Es gibt nämlich auch noch den
Hier äußern sich die Leser endlich zu den angesagten Themen, also zur "Laufzeitbegrenzung für Atomkraftwerke", natürlich zu Integration, zu Kachelmann usw. Hier machen also die Leser das, was die Zeit-Redakteure auch schon machen: Artikel schreiben. Trotzdem kommt hier niemand auf die Idee, sie würden die Zeit oder Zeit-Online damit jetzt oder irgendwann mal ersetzen. Insgesamt ein interessantes Projekt, aus dem man vielleicht sogar ein wenig mehr machen könnte. Interessant: Note 2 – Dialog: Note 2 - Aktualität: Note 3 - Aufmachung: Note 3 Dass die Blogs des Handelsblatts ihren Schwerpunkt auf das Wirtschaftsleben gelegt haben, kann natürlich nicht erstaunen. Niemand erwartet hier Rezepte für Kartoffelgratin. Umgekehrt ist es eher erstaunlich, welch breiten Raum bei den HB-Blogs nicht ökonomische Themen finden. Es gibt neben dem Handels-Blog und dem Steuerboard, beispielsweise einen Rhetorik-Blog, den Blog Mediawatcher und selbstredend einen Webwatcher. Die Blogs sind, soweit ersichtlich, nicht Copy & Paste sondern echte Blogs: Sie zeigen also persönliche Sichten der Autoren, bei denen es nicht nur um HB-Redakteure handelt sondern auch um externe Fachleute. Und weil das HB nicht irgendwer ist, sind das dann richtige Professoren aus Oxford oder Münster. Der Dialogfaktor der HB-Blogs ist jedoch enttäuschend. Selbst bei einem Topp-Thema wie "Rückwirkende Verschärfung der Stille Reserven-Klausel des § 8c KStG durch das Jahressteuergesetz 2010", gibt es keine Äußerungen der Leserschaft. Kein begeisterter Beifall, kein Kopfschütteln, kein Aufschrei der Empörung – null Reaktion. Eigentlich schade (ich war schon versucht, dem HB unter die Arme zu greifen und meine ganz persönliche Sicht des § 8c KStG zu posten, aber das hätte das Ergebnis dieser Übersicht verfälscht – dann ich hätte als Ausgleich auch Andrian Kreyes Beitrag im SZ-Blog über die Zukunft des Bossa Nova kommentieren müssen. Und das wäre dann wirklich zu weit gegangen), Aber vielleicht ist das HB seinen Lesern einfach ein paar Schritte zu weit voraus? Gesamturteil: das HB macht das schon mal nicht schlecht. Ausbaufähig ist das Layout und insbesondere der Dialog mit den Lesern – wie wär's mal mit einem Gewinnspiel? Interessant: Note 2 - 3 – Dialog: Note 4 – Aktualität: Note 2 – Aufmachung: Note 4 Die Welt macht es sich mit dem Bloggen einfach: Sie tritt gar nicht erst an. Letztlich ist das eine konsequente Lösung: Wenn man nun mal nicht Bloggen will, wenn man kein Sinn darin sieht, neben den Artikeln auch noch die persönlich eingefärbten Blogs zu schreiben oder schreiben zu lassen, wenn man keine Leute (mehr) hat, die was davon verstehen, dann kann man sich einen Alibi-Blog auch ganz sparen. Die Frage ist nur, ob sich diese Position in einer Welt (gemeint ist hier die richtige Welt, die da draußen), die auf Web und Web 2.0 nun mal ganz versessen zu sein scheint, auf Dauer durchhalten lässt.
Andere Und um zum Schluss wieder den Bogen zu Heribert Prantl zu schlagen: Schweriner Volkszeitung, Passauer Neue Presse und Deutschlandfunk sind ebenfalls konsequent und bloggen auch nicht. Aber Südwestradio alias SWR bloggt, und auch hier heißt der/das Blog des professionellen Journalisten tatsächlich Blog. Allerdings ist der ganz schamvoll versteckt – kein Link nirgends, so dass es fast aufs Nichtbloggen hinausläuft. Zusatzinformation Falls es jemanden interessiert, wie es aussieht, wenn Medien mit dem Bloggen richtig in die Vollen gehen, empfiehlt sich ein Blick in die Blog-Welt der New York Times. Klar, wenn man über 1.000 Redakteure beschäftigt, kann man unter seinen 57 Blogs auch einen Schach-Blog betreiben. Ich wollte nur, eines der deutschen Medien hätte zumindest eine vergleichbare Blogroll. Dienstag, 7. September 2010Die Edelblogger (I)Blogs und "klassische" Medien stehen in einem eher spannungsvollen Verhältnis. Letztere halten Blogs gern für eine (weitere) Abart des digitalen Sargnagels der 4. Gewalt; die Gegenseite sieht sich als legitimer Nachfahre der dem Untergang geweihten "Holzmedien" – im Ergebnis laufen beide Positionen in etwa auf das Gleiche hinaus. Tatsächlich herrscht auch nach offiziellem Ende von Finanz-, Immobilien-, Griechenland- und anderen Krisen, weiterhin "Medienkrise". Redaktionen werden zusammengestrichen oder Titel gleich ganz eingestellt. In den USA, wo das Medienwesen und die Bloggerei – und natürlich auch die Medienkrise – noch immer drei Schritte voraus sind, kam vor einiger Zeit daher die Idee auf, die Blogs müssten solche Ausfälle auf Seiten klassischer Medien substituieren, schöner formuliert: "dass die Blogger eine größere Verantwortung im Mediensystem übernehmen müssen". Natürlich gibt es dazu Studien:
Es ist hier ein wenig so wie mit dem Radiowecker, der kein Spiegelei braten kann: Blogs sollen, natürlich ganz ohne finanzielle Ausstattung, das leisten, was den Medien zu teuer geworden ist – und dann stellt man sich mit großen Augen hin und muss erkennen: Ach, das schaffen die ja gar nicht. Nur mal zu Erinnerung, damit es nicht ganz in Vergessenheit gerät: Blogs sind Online-Tagebücher, woher ja auch der Name kommt (weB-LOGbuch). Sie stellen damit eine persönliche Sicht des Autors dar, persönlich hinsichtlich Darstellung und Bewertung aber auch hinsichtlich Themenauswahl. Blogger greifen auf, was sie selbst interessiert, was ihnen auf den Nägeln brennt oder auch nur worüber sie schon immer mal was schreiben wollten. Wie soll man darin etwas wie "Nachrichtenabdeckung" unterbringen? Von einer Zeitung, egal ob gedruckt oder online, erwartet man sich etwas anderes, vor allem eine systematische Befassung mit den Themen des jeweiligen Sachgebiets und wenn etwas aufgegriffen wird, eine halbwegs gute Recherche darüber. Wenn Blogs das nicht leisten, so nicht bloß, weil sie dafür kein Geld haben. Blogs sind keine Ersatzzeitung. Das gilt natürlich auch umgekehrt, Zeitungen sind nicht einfach ein besonders großer Blog. Diesem Missverständnis unterliegt beispielsweise Heribert Prantl, einer der deutschlandweit führenden Journalisten, der sich in seiner Süddeutschen Zeitung zum Verhältnis Blog – Medien so äußert:
Da mache ich mir gleich mal einen Kernsatz von Heribert Prantl zu eigen: Das ist, mit Verlaub, Unfug. Zeitungen sind ganz und gar kein Blog für professionelle Journalisten, sondern schlichtweg etwas anderes. Wie gesagt: Blogs sind eine Art Online-Tagebuch usw. – siehe oben. Oder sind die erwähnten Edelblogger nur Blogger, die zum Bloggen zu edel sind? Machen wir die Probe aufs Exempel und wenden wir uns nach diesem theoretischen Vorspiel dem Konkreten zu: Wie bloggen eigentlich unsere klassischen Medien? Wobei man natürlich grundsätzlich fragen könnte, warum bloggen sie überhaupt? Schließlich haben sie – im Unterschied zu nicht so edlen Arten von Bloggern – doch schon ihre Plattformen. Warum auch immer, sie tun 's jedenfalls. Fortsetzung folgt morgen Donnerstag, 4. Februar 2010Bodos OperMedienkrise heißt nicht nur, dass Zeitungen oder Zeitschriften, auch renommierte, den Betrieb einstellen, Es gibt auch das Dehydrieren von Medien, die schleichende Austrocknung. Dann bleibt von einem vormals blühenden Titel allmählich nur noch eine traurige Hülle übrig. Dies geschieht vor allem durch einen radikalen Abbau der Redaktionen beziehungsweise durch das Abdrängen der Redakteure ins Tagelöhnertum. Was nicht ohne Folgen für die Inhalte bleibt. Deren Qualität sinkt, mitunter stürzt sie auch regelrecht ab. Womit über kurz oder lang die Existenzgrundlage dieser Titel wegbröckelt. Dass das aber nicht zwangsläufig so sein muss, erfuhren wir letzte Woche von Bodo Hombach, dem Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe und überdies Medienmeinungsmacher ("Mit seinen klaren Worten gilt Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe in Essen, als wichtiger Meinungsmacher in der Medienbranche"). Hombach gewährte dem Portal der WAZ-Mediengruppe "Der Westen", sozusagen hausintern, ein Interview und zum Ende des Gesprächs wurde der Redakteur gegenüber seinen Big Boss fast schon frech: "Immer mehr Verlage streichen Arbeitsplätze, immer weniger Redakteure müssen mehr Seiten füllen …" Bemerkenswert wie Hombach konterte:
Auf auf die Gefahr hin, dass Hombach nun auch von mir enttäuscht ist ("Vom Bloggen bin ich sehr enttäuscht"), muss ich als eingeschworener Opern-Fuzzi hier doch ein paar Dinge gerade rücken: • Geiger sitzen in der Oper nicht auf, sondern vor der Bühne. • Es gibt Opern, in denen auch die Zahl der Instrumente wichtig ist. Und es kommt ganz, ganz selten vor, dass ein kreativer Bariton nach einer Arbeitsplatzkonsolidierung auch noch die Rolle des Soprans übernimmt – eigentlich nie (das mit der Oper, lieber Bodo Hombach, war also ein ganz schlechtes Beispiel). • Und grundsätzlich, also auch außerhalb der Oper gilt: Wenn Quantität gleich Qualität wäre (hat das irgendjemand mal behauptet?), gäbe es dafür nicht zwei verschiedene Begriffe. Dass Quantität nicht gleich Qualität ist, heißt nicht, dass Quantität keine Rolle spielt (bestes Beispiel dafür: Geld – wegen dessen Quantität Hombach ja auch die Zahl seiner Redakteure herunterfährt). • Und dann die Sache mit den Malern: Es erwartet ja niemand, dass an einem Artikel mehrere Journalisten herumpfriemeln, aber es ist da so wie bei den Malern: mehr Maler heißt mehr Bilder (oder Wände, je nachdem). Natürlich ist trotzdem klar, worauf Hombach hinauswill – "Allein knapp 300 Stellen wurden in den Redaktionen der NRW-Zeitungen gestrichen." ![]() Die Semper-Oper in Dresden: Wird sie tatsächlich besser, wenn fünf Maler mehr auf der Bühne sitzen? Nachtrag: Nach zwei kritischen Kommentaren zum Hombach-Interview wurde die Kommentarfunktion auf der betreffenden WAZ-Web-Seite ausgeknipst und die betreffenden Beiträge gelöscht. Da war wohl wieder jemand "sehr enttäuscht", diesmal vom Kommentieren. Dienstag, 26. Januar 2010
Theorie und Blog – deutsche ... Geschrieben von Rainer Doh
um
11:59
Kommentare (5) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: blog, blogger, it, it-industrie, itk-branche, medien, social media, web 2.0
Theorie und Blog – deutsche IT-Unternehmen und Corporate Blogs (Teil III)Im ersten Teil unserer Untersuchung der Blogs deutscher IT-Unternehmen war es um "Theorie" gegangen – also um die Grundsatzfrage, wozu Unternehmen bloggen. Im zweiten Teil hatten wir uns angeschaut, was die deutschen IT-Unternehmen beim Bloggen so zu Stande bringen und das ernüchternde Ergebnis war: Überwiegend nichts. Umso weniger wollen wir versäumen, die wenigen Highlights gebührend zu würdigen.
Kommunikationsanbieter wie Vodafone, O2 oder Nokia verfügen über Blogs, wobei diese natürlich Consumer-orientiert sind ("Wir schenken Euch das Rentier aus dem TV-Spot"). Es ist nicht ganz das, was uns interessieren würde, aber es ist eben das, was diese Unternehmen kommunizieren wollen. Umso mehr muss es erstaunen, dass auch diese Blogs keineswegs einfach zu finden sind. Die direkte Verlinkung auf der Homepage fehlt auch hier – und sogar hier ist der unvermeidliche Newsletter gleichzeitig nur einen Klick entfernt. Nokia verlinkt sogar Twitter und Facebook, aber nicht den eigenen Blog, den man aufwändig suchen muss. Dabei müsste man sich für den doch gar nicht schämen. Letzten Endes bleiben unter den 100 untersuchten Unternehmen magere drei, die über einen rundum gelungenen Blog-Auftritt verfügen. Gelungen heißt für uns ganz unbescheiden: • leicht zu finden – wir wollen Blogs lesen und nicht suchen • regelmäßig gepflegt – Blogs vom November interessieren uns jetzt nicht nicht mehr so sehr • guter Themenmix – Sebastians Erfahrungen mit Powerpoint wollen wir auch nicht lesen • in deutscher Sprache – sollten wir uns irgendwann mal über finnische Blogs Gedanken machen, lesen wir Blogs gern auf Finnisch. Gewinner sind die Blogs von Microsoft, Fraunhofer IAO und Cirquent (falls ein Leser dieses Blogs noch einen vierten oder gar fünften IT-Lieblingsblog kennen sollte, nehmen wir diesen gerne noch nachträglich auf). Bei den beiden letzteren ist der Blog sogar auf der Homepage verlinkt, bei Microsoft ist er immerhin über das Suchfenster schnell zu finden. Microsoft nutzt Blogs am intensivsten, es gibt eine richtige Landing-Page für Blogs zu allen Themen rund um die Microsoft-Produkte. Ich habe 24 deutsche Blogs gezählt; nicht alle sind brandaktuell, aber das ist bei so vielen Blogs auch nicht erforderlich. Schon merkwürdig, dass ausgerechnet das so oft als böser Bube der IT gescholtene Microsoft sich hier in dieser Weise präsentiert. Aber über die "Gewinner" müssen wir hier ohnehin keine Worte verlieren. Die können je ihre Taten sprechen lassen. Doch was ist nur mit all den anderen los? Die IT in Deutschland trotzt auf breiter Front dem Zeitgeist: • Dialog mit Kunden und Öffentlichkeit? Wollen wir nicht. • Adressierung lokaler Märkte? Wir sind nicht von hier. • Entwicklung der Kommunikationsinstrumente von morgen? Warten wir noch ab. • Aufbau einer Community? Brauchen wir nicht. • Image als innovatives Unternehmen? Haben wir schon. Aber: Wollen Sie nicht unseren Firmen-Newsletter abonnieren? Dienstag, 26. Januar 2010
Theorie und Blog – deutsche ... Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
10:58
Kommentar (1) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: blog, blogger, it, it-industrie, itk-branche, medien, social media, web 2.0
Theorie und Blog – deutsche IT-Unternehmen und Corporate Blogs (Teil II)Im ersten Teil unserer Untersuchung der Blogs deutscher IT-Unternehmen war es um die "Theorie" der Corporate Blogs gegangen. Demzufolge ist nun die Praxis dran. IT-Unternehmen haben wir uns vorgenommen, weil wir vermuteten, dass Unternehmen dieses Sektors eine besondere Affinität zum Web in all seinen Erscheinungsformen haben müssten. Überprüft wurden die Websites von 100 IT- und Telekommunikations-Unternehmen, die nach der Zahl der Beschäftigten zu den 150 größten dieses Sektors gehören. Nicht berücksichtigt wurden Unternehmen, die im Wesentlichen ausgelagerte IT-Abteilungen sind, wie zum Beispiel die HVB Information Services GmbH. Wenn wir übrigens auf einer Website innerhalb von fünf Minuten auch unter Verwendung der Suchfunktion keinen Blog finden konnten, haben wir die Suche abgebrochen – wenn Blogs nicht leicht zu finden sind, taugen sie auch nicht als Kommunikationsinstrument.
2. Die Blogs Das Ergebnis der Untersuchung lässt sich sehr kurz wiedergeben: IT-Unternehmen in Deutschland nutzen die Blogs so gut wie nicht für ihre Kommunikation. Unter den 100 ausgewählten Unternehmen konnten lediglich acht deutschsprachige Blogs identifiziert werden. 19 Unternehmen weisen immerhin Blogs in englischer Sprache auf, drei Unternehmen bloggen in beiden Sprachen. Interne Blogs konnten natürlich nicht berücksichtigt werden, es ging uns aber ohnehin nur um die nach außen wirkende Kommunikation. Unter den Blog-abstinenten Unternehmen sind zahlreiche große und sehr renommierte.
Zwei Ursachen kommen dafür in Frage: Zum einen, dass Unternehmen den Nutzen von Blogs nicht sehen, zum anderen, dass sie ihn zwar sehen, aber dafür trotzdem keine Ressourcen bereitstellen wollen beziehungsweise können. Zum Nutzen von Blogs wurde im ersten Teil eigentlich schon alles gesagt. Mag sein, dass das IT-Unternehmen nicht so sehen. Mag sein, dass Blogs nicht das zentrale Kommunikationsinstrument sein werden, aber dass sie ein wichtiges Instrument in einer Medienlandschaft sein werden, dürfte unbestritten sein. Nicht zuletzt weil die Medienlandschaft künftig wesentlich breiter aufgefächert sein wird. Das Ressourcen-Problem ist eine Folge der Nutzen-Frage: Nur Unternehmen, die in Blogs einen geringen Nutzen sehen, scheuen den dafür nötigen Aufwand. Dass IT-Anbieter mit ein paar tausend Mitarbeitern keine Ressourcen haben sollten, einen Blog zu pflegen, ist nicht nachvollziehbar. Wir können das umso weniger verstehen, als fast alle Unternehmen durchaus Ressourcen für Firmenmagazine, Kundenzeitungen und Newsletter bereitstellen können, und hier schafft man es meist auch, einen Link prominent auf der Homepage unterzubringen. Offenbar liebt die deutsche IT diese Retro-Kommunikation, die ja weder ein schnelles und flexibles Reagieren, noch einen Dialog mit den Adressaten erlaubt. Wir haben darauf verzichtet nachzulesen, was die selben Unternehmen ihren Kunden beispielsweise über Agilität, Flexibilität und Innovation erzählen. Aber wir haben so unsere Vermutungen. ![]() Sun: Tausende von Blogs - aber keine Ressourcen für deutsche Blogs?
Interessanterweise verfügt Sun, obwohl es ein amerikanisches Unternehmen ist, sehr wohl über eine deutsche Website, verschickt deutsche Pressemeldungen und verteilt – hatten wir es nicht geahnt? – auch einen deutschen Newsletter. Das Amerikanische bei Sun trifft also nur die Blogs. Und im Grunde verhält es sich ja genau umgekehrt: Würde Sun hierzulande wie ein amerikanisches Unternehmen agieren, dann wüsste es auch hier, wie wichtig Blogs sind und dann hätte es auch Blogs in der Landessprache. Dabei wollen wir gar nicht bestreiten, dass es auch Blog-Themen geben mag, für die Englisch einfach ein wenig besser passt, beispielsweise in der Softwareentwicklung. Aber man muss sich hier schon einmal die Größenordnungen vor Augen führen: Sun hatte (zum Zeitpunkt unserer Untersuchung) weltweit 5.597 Blogs von 4.606 Bloggern, die insgesamt 173.134 Beiträge verfasst hatten. Und da sollten keine Ressourcen für einige Blogs in den Landessprachen der Länder mit Sun-Niederlassungen sein? Man muss natürlich auch wollen. Übrigens: bei Oracle sieht es genauso aus, insofern passen die beiden prima zusammen. Umgekehrt gibt es auch deutsche Unternehmen, die nur auf Englisch bloggen, beispielsweise die Software AG oder IDS Scheer. Ja, wir wissen schon: "Wir sind ein internationales Unternehmen …" und Englisch beweist Internationalität, Globalität und Modernität, aber eine besondere Wertschätzung des immerhin zweitgrößten IT-Marktes kommt darin nicht zum Ausdruck. Und auch hier ist festzuhalten: Wir sprechen hier nicht von Unternehmen mit 40 oder 50 Mitarbeitern, die sich entscheiden müssen, ob sie einen Blog in E oder D führen. In unserer Untersuchung haben wir an ein paar Stellen auch ein wenig tiefer gebohrt, denn manchmal wollten wir es einfach nicht glauben, dass es bei diesem oder jenem renommierten IT-Unternehmen keinen einzigen Blog geben sollte. Wir haben uns dann bei der Pressestelle erkundigt, wo wir denn den Corporate Blog finden könnten. Da wurde uns dann zum Beispiel mitgeteilt: Das Unternehmen "… bietet keinen 'Corporate Blog' an. Sollten Sie weiterführende Informationen über das Unternehmen benötigen, können Sie sich gerne an mich wenden." Hier drängt sich der Eindruck auf, Social Media könnte trotz umfassender Medienoffensive doch noch nicht überall verstanden worden sein: Blogs sind doch nicht "weiterführende Informationen über das Unternehmen", Web 2.0 ist eben nicht Presseinformation mit anderen Mitteln, sondern … war da nicht was mit Dialog und Community? In der deutschen IT-Welt scheint das überwiegend nicht angekommen zu sein. Weitere O-Töne aus der Praxis deutscher IT-Blogs:
Siemens IT Solutions and Services wiederum hat auf unsere Anfrage sicherheitshalber gar nicht geantwortet. Wir haben dafür natürlich Verständnis: Wenn man anfängt, jedes E-Mail zu beantworten, wird das schnell uferlos. Andererseits muss man auch zugeben, dass nicht jeder Blog, bloß weil es ihn gibt, damit auch schon Ziel führend im Sinne der Unternehmenskommunikation ist. Zum Beispiel bei IBM. Deutschlands größtes IT-Unternehmen hat einen Blog, dieser spricht Deutsch und ist – erfreulich! erfreulich! – ganz leicht zu finden. Und selbstverständlich weiß IBM, worum es bei Blogs geht:
Aber in diesem Fall gilt: Blau ist alle Theorie. Was der BlueBlog hinsichtlich Inhalt und Aufmachung tatsächlich bietet, ist nämlich weniger gelungen. Bei unserem Besuch war der letzte Beitrag über zwei Monate alt – und das in einem Weltunternehmen, das hierzulande über 20.000 Mitarbeiter beschäftigt. Mag sein, dass es irgendwo im IBM-Universum noch andere Blogs gibt, schönere, aktuellere, bessere, interessantere. Aber die haben wir leider nicht gefunden – was im Ergebnis auf das selbe hinausläuft. Manche der Unternehmen haben auch etwas eigenwillige Vorstellungen über die Kommunikation per Blog. So haben wir bei einem Unternehmen statt eines Corporate Blogs einen "Trainee-Blog" gefunden, was im Grunde ja nicht verkehrt ist. Dieser war offenbar als Spielwiese für Social-Media-Eleven gedacht, die Beiträge erwiesen sich als unfreiwillig komisch und damit unser summa summarum eher trist gestimmter Blog nicht ohne seine humorige Note bleibt, zitieren wir daraus kurz, aber mit Rücksicht auf den Trainee-Blogger absichtlich ohne Quellenangabe:
Interessant wie es bei einer "strategischen Neuausrichtung" in diesem Unternehmen, dessen Name nichts zur Sache tut, so zugeht. Das mag ja für die Kumpels vom Sebastian – und für uns – ganz lustig sein, aber in einem für die Weltöffentlichkeit offenen Blog hat dergleichen eher weniger zu suchen. Nebenbei, lieber Sebastian: Nicht nur bei Folien, auch bei Corporate Blogs gilt es einiges zu beachten, aber das ist ein anderes Thema. Über die kleine Schar der Sieger beim Blog-Contest der deutschen ITK-Unternehmen berichten wir demnächst in diesem Blog. Dienstag, 19. Januar 2010
Theorie und Blog – deutsche ... Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
09:52
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Theorie und Blog – deutsche IT-Unternehmen und Corporate Blogs (Teil I)Heute geht es in unserem Blog um Blogs, genauer: Um die Blogs deutscher IT-Unternehmen. Damit wir nicht betriebsblind – Blog-blind – werden, haben wir uns draußen in der Realität umgeschaut und wollten herausfinden, wie die großen Unternehmen der deutschen IT- und Telekommunikationsindustrie Blogs für ihre Kommunikation nutzen. Über die Ergebnisse dieser Umschau gibt es einiges zu berichten, mehr als wir zunächst vermutet haben. Damit die Sache nicht unübersichtlich wird, werden wir das Thema in drei Kapiteln behandeln: 1. Die Theorie – über das Warum und Wieso von Corporate Blogs 2. Die Praxis – wie deutsche IT-Unternehmen bloggen 3. Die gute Praxis – wie es aussieht, wenn deutsche IT-Unternehmen gut bloggen 1. Die Theorie Blogs sind bekanntlich das Herzstück von Social Media beziehungsweise Web 2.0. So hatte Social-Media-Guru Klaus Eck in seinem Standardwerk "Corporate Blogs" schon 2007, also in der Web-2.0-Frühzeit, geschrieben:
Der Grund für die besondere Rolle von Blogs innerhalb des Web 2.0 liegt auf der Hand: Hier ist der Platz an dem man "zur Sache" kommen kann, an dem Inhalte auch mal etwas ausführlicher ausgebreitet werden können. Während bei Twitter nur kurze Informationen ausgetauscht werden – mitunter als Referenz auf Blogs –, in den Sozialen Netzwerken vor allem Kontakte aufgebaut und gepflegt werden und bei YouTube und den Foto-Plattformen das Visuelle betreut wird, kann im Blog ausführlich informiert, argumentiert, erläutert, erklärt, kritisiert, zurückgewiesen, bewundert oder was auch immer werden. Für Unternehmen heißt das: In Blogs können sie ihre Position, ihre Politik oder ihre Strategien darlegen, aber auch ganz einfach ihre Produkte und Lösungen vorstellen und erklären. Blogs stellen den Unternehmen einen sehr direkten Kommunikationskanal zur Verfügung, über den sie sehr viel unmittelbarer ihre Botschaften aussenden können als das über die herkömmlichen Medien möglich ist. Sie haben damit eine direkte Verbindung zu den Adressaten, seien das Geschäftspartner, Kunden, Interessenten oder Lieferanten – oder ganz allgemein die Öffentlichkeit. Wenn Unternehmen etwas zu sagen haben, müssen sie sich im Blog mit niemandem abstimmen, in keinen Redaktionsplan hineinzwängen, keinen Redaktionsschluss einhalten und auch (so etwas soll es schon gegeben haben) keine Anzeigen schalten. Nachteil dieser Direktheit ist im Vergleich zu herkömmlichen Medien natürlich die geringere Reichweite von Blogs – da hilft nur: Regelmäßig und gut über interessante Dinge schreiben. Ein wichtiger Aspekt: Wie alles im Web 2.0 sind auch Blogs nicht als unidirektionaler Kommunikationskanal gedacht. Richtig spannend wird es beim Bloggen immer dann, wenn die Leser sich mit Kommentaren in Diskussionen einschalten. Dass dabei nicht immer Lobeshymnen zu erwarten sind, versteht sich, insbesondere bei kontroversen Themen. Das müssen Unternehmen aushalten. Wenn sie es nicht aushalten, müssen sie es lernen. Im Auge behalten sollte man auch den Hintergrund: Vom Wandel der Medienlandschaft ist derzeit ja viel die Rede – Einbruch im Anzeigengeschäft, ausgedünnte Redaktionen, abwandernde Leser, kein Plan für die Online-Postionierung und am Horizont das Wetterleuchten das Sterben von Zeitschriften und Zeitungen in den USA (2009 wurden dort rund 400 Zeitschriften eingestellt). Für die Unternehmenskommunikation heißt das, dass sich auch für sie die Parameter verschieben werden. Sie kann nicht davon ausgehen, dass sie in fünf bis zehn Jahren mit dem altbekannten Instrumentarium von Presseinformationen oder -konferenzen ihr Publikum überhaupt noch erreicht, denn dieses ist offenbar in weiten Teilen dabei, ins Web und ins Web 2.0 abzuwandern. Die Kommunikationsexperten der Unternehmen werden sich daher überlegen müssen, wie sie ihre Adressaten dort erreichen können. So, das war nun kurz und knapp die Theorie. Und die Praxis? Fortsetzung folgt – in diesem Blog. Montag, 11. Januar 2010
Skiff – die Zeitung von morgen? Geschrieben von Rainer Doh
in Medien um
17:53
Kommentare (0) Trackbacks (0) Skiff – die Zeitung von morgen?Die Frage, wie Zeitungen und Zeitschiften morgen aussehen werden, ist ein Dauerthema. Jede Woche gibt es dazu was Neues. Das zum Beispiel ist Skiff, der derzeit (nach eigenen Angaben) der größte, dünnste, haltbarste und – wie man sieht – biegsamste Reader:
Sieht toll aus, aber natürlich ist auch Skiff nicht einfach ein Reader, den man ver- und sich hinbiegen kann, sondern eine richtige Content-Plattform:
Bis das Ding verfügbar ist, wird hoffentlich noch ein wenig am Layout des Contents gearbeitet. Das sieht noch ziemlich altbacken aus. Muss so ein Reader unbedingt eine gedruckte Zeitung nachahmen? Und wozu überhaupt noch spezifischer eReader-Content, wenn die Geräte ohnehin eine Verbindung zum Web brauchen? Anstatt das Zeitungslayout auf den Reader zu laden, könnte man doch gleich mit dem Skiff auf die Website des SF-Chronicle gehen. Ist das Konzept eines "Transaction Gateways", das Content auf einen Reader herunterlädt, also womöglich schon obsolet, ehe diese Geräte selbst ausgereift und biegsam werden? Ach, immer diese Fragen. Montag, 30. November 2009
Journalismus im Wandel der ZEIT: Die ... Geschrieben von Rainer Doh
in Medien um
23:06
Kommentare (0) Trackbacks (0) Journalismus im Wandel der ZEIT: Die Heilige Marion zu PferdeMenschen werden mitunter im Alter ein wenig sonderlich. Sie halten sich Marotten, erzählen immer wieder von ihren alten, besseren Zeiten und koppeln sich ein wenig von der realen Welt ab. Das scheint den Medien ebenso zu gehen, jedenfalls einigen unserer Print-Medien, die anderen sind noch nicht alt genug. Ja, auch Zeitungen haben Marotten. Die Marotte der ZEIT heißt seit vielen Jahren Marion Hedda Ilse Gräfin Dönhoff. Für alle, die keine regelmäßigen ZEIT-Leser sind: Die aus Ostpreußen stammende Dönhoff – für ZEIT-Leser: "die Gräfin" – gelangte 1945 in einem spektakulären Ritt auf ihrem Fuchs (= Pferd) Alarich von Ost nach West, war Mitherausgeberin der ZEIT und verstarb hoch betagt 2002. Am 2. Dezember hätte "die moralische Lichtgestalt Marion Gräfin Dönhoff" ihren 100. Geburtstag begehen können. Die ZEIT stellte ihre Ausgabe vom 26.11.2009 ganz in das Zeichen dieses Ereignisses, das außerhalb der ZEIT-Redaktion – ich bleibe mal vorsichtig – eher weniger große Wellen schlagen dürfte. Aber man muss die Feste feiern wie sie fallen und sich jenseits von Hip und Hype auf die wirklich wesentlichen Dinge konzentrieren. Das sah dann so aus: • Aufmacher auf der Titelseite mit Großfoto: "Eine Jahrhundertfrau" Ein 8-seitiger Sonderteil mit den Artikeln (Auswahl): • "Die Wort-Mächtige – Marion Dönhoff hat den Journalismus in Deutschland geprägt wie keine zweite Frau und kaum ein Mann." • "MARION DÖNHOFF – Die Summe eines großen Lebens" • "Ihr Leben in Bildern" ... "An ihrem 85. Geburtstag fährt sie mit dem Zug zu ihrer Familie nach Schloss Crottdorf" • "Ein Leben in Briefen" • "Die Brüderliche – Was für eine Kunst: Marion Dönhoff hat Verluste in neue Freundschaften verwandelt" • "Erinnerung auf Masurisch – Die Generation der Vertriebenen stirbt aus, den jungen Masuren ist die ostpreußische Vergangenheit ihrer Heimat fremd. Doch Marion Gräfin Dönhoff ist dort noch immer präsent." • "Wenn die Gänse ziehen – Mit Marion Dönhoff in Amerika und auf einer deutschen Autobahn" • (mein Topp-Favorit) "Masurische Elegie – Mit ihrer Cousine Sissi von Lehndorff ritt Marion Dönhoff 1941 fünf Tage lang durch Ostpreußen. Ihren Weg überschattete die Ahnung, die Heimat könne für immer verloren gehen. Sabine Rückert ist den beiden jungen Frauen gefolgt – zu Pferde." (in der Print-Ausgabe mit einer Kartenskizze zum Nachreiten) Kleines Schmankerl aus dem Bericht von Frau Rückert:
• "Eine vollständige Bibliografie und Sekundärliteratur", Buchveröffentlichungen von Marion Gräfin Dönhoff • Im Reiseteil der ZEIT die Leserreise: "Polen - Die Heimat der Gräfin Dönhoff" - ab 1530 Euro im Doppelzimmer; zu den Höhepunkten der Reise zählt ein "Gespräch mit einem Deutschlehrer des Marion-Dönhoff-Gymnasiums in Nikolaiken" • Der Print-Ausgabe liegt außerdem ein Flyer bei, mit dem man (auch ohne Web) eine Gedenkmünze in Silber mit dem Konterfei der Gräfin bestellen kann – "Sonderaktion für die Leser der ZEIT" (10 Euro). Soweit also die ZEIT Nr. 49 vom 26.11. 2009 Aber am Niedergang des Qualitätsjournalismus ist das Internet schuld. Montag, 2. November 2009Die Nacht der MedienDie Medientage München 2009 sind zu Ende. Und alle, die sich in den letzten Wochen und Monaten um das eine oder andere Medium Sorgen gemacht haben, können aufatmen. Es ist alles in bester Ordnung. In den USA mögen die Zeitungen reihenweise dahinscheiden, in München herrscht Bombenstimmung:
Lust auf bewegte Bilder? Kein Problem im MEDIENZEITALTER. Es wurde natürlich auch inhaltlich gearbeitet:
Wie bitte? Der Tod der Printmedien steht unmittelbar bevor, "dennoch" herrscht hinsichtlich der Zukunft des gedruckten Wortes "grundsätzlich" Optimismus? Aha. So weit ist es "letztlich" schon. In seinem Blog "Indiskretion Ehrensache" hatte sich Thomas Knüwer schon vor ein paar Tagen ziemlich despektierlich über die Münchner Medientag ausgelassen: "In diesen Tagen laufen die Medientage zu München. Es ist eine Veranstaltung, die groß ist. Und gestrig." Aber wahrscheinlich war er bloß nicht zur Mediennacht eingeladen. Und ich auch nicht:
Nachtrag Fast hätten wir die wichtigsten Ergebnisse der Müncher Medientage vergessen: Klickst du hier!
(Foto von den Medientagen 2008) |
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