Die Krimis von Christie und Wallace, die Schocker von Hitchcock und Lynch sind zum Einschlafen, vergleicht man sie mit einem gewöhnlichen Monat in der Chipindustrie. Gäbe es ein „Who suits whom?“ der Branche, wäre es dicker als Brockhaus.
Im Februar 2009 verklagt Intel NVIDIA, um ein seit 2004 gültiges Lizenzabkommen für ungültig zu erklären. NVIDIA fertigte Chipsätze für Intel-Plattformen seit geraumer Zeit, und nun behauptet Intel, dass die Lizenz für Prozessoren mit integriertem Speichercontroller nicht gilt. Dass die kommenden neuen Generationen der Intel-Prozessoren in diese Kategorie fallen, können wir als einen wundersamen Zufall oder als Ironie des Schicksals betrachten. NVIDIA reichte zwar Gegenklage ein, doch ein Urteil lässt auf sich warten. Nachvollziehbarerweise stellte NVIDIA mittlerweile die Entwicklung der betreffenden Chipsätze ein, was wiederum für Gerüchte und Klatsch in der Szene sorgte – und Gerüchte sind für eine Aktiengesellschaft alles andere als harm- und belanglos.
Im Mai wurde Intel von der EU-Kommission eine Rekordstrafe von 1,06 Milliarden Euro verhängt. Unter anderem soll das Unternehmen Media Saturn mit wettbewerbswidrigen Methoden – Rabattpraktiken und direkten Zahlungen – zum Verkauf von PCs mit Intel-CPUs "animiert" und so Konkurrenten AMD geschädigt haben. Intel hat natürlich Berufung eingelegt, die Scharen von Intel-Juristen sollen schließlich für ihre üppigen Gehälter auch was tun.
In den letzten Wochen bewegte ein Schlagabtausch zwischen NVIDIA und AMD die Branche. Seit 2006 gehört ATi, NVIDIAs Hauptkonkurrent im GPU-Design, zu AMD. Nun bezichtigt AMD NVIDIA, durch die Zusammenarbeit mit Spieleentwicklern für sich Vorteile und so natürlich Nachteile für ATis Grafikprozessoren verschaffen zu haben. NVIDIA hat in der Tat ein umfangreiches Programm, TWIMTBP, The Way it’s Meant to be Played, in dessen Rahmen sie mit Spieleentwicklern an neuen Spielen arbeiten und diese an verschiedenen Hardwarekonfigurationen testen und optimieren. NVIDIAs Developer-Relations-Team reagierte auf AMDs Vorwürfe mit einem Statement von erfrischender Unverblümtheit:
"We worked closely with Eidos to add AA and QA the feature on GeForce. Nothing prevented AMD from doing the same thing. Games in The Way It's Meant to be Played are not exclusive to NVIDIA. AMD can also contact developers and work with them. (…) We work hard to deliver kickass, game-changing features in PC games (…). If AMD wants to deliver innovation for PC games then we encourage them to roll up their sleeves and do the same."
By the way, wurde Adidas schon vorgeworfen, bei der Entwicklung von Joggingschuhen mit Joggern zusammenzuarbeiten? Oder etwa Loreal bezichtigt, Nivea zu schädigen, indem sie bei der Entwicklung von Faltencreme reife Frauen als Testpersonen verwenden?