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Freitag, 30. Dezember 2011
Alles verändert sich, nur eines bleibt gleich: die Veränderung. Nein, besser als philosophisch kann man ein neues Blog-Jahr nicht beginnen. Anders ausgedrückt: Nur der Wandel ist konstant. Oder mit einem Google-Faktor von 263.000 die beliebteste Version: Nichts ist so beständig wie der Wandel. Ein Sinnspruch mit Tradition, wird er doch auf Heraklit von Ephesos zurückgeführt, also schon seit 2500 Jahren in Texte unterschiedlichster Art mehr oder weniger nahtlos implementiert. Doch trotz langer Reifezeit hat der Satz nicht recht, weil er etwas Wesentliches unterschlägt: Beständig ist nämlich nicht nur der Wandel, sondern auch seine beständige Wiederkehr in allen nur denkbaren Sinnzusammenhängen. Ein Heraklit passt einfach immer:
Beispielhaft ist hier die Halbleiterbranche zu nennen, in der alleine in diesem Jahrtausend nur der stete Wandel konstant war. (Quelle)
Der ideale erste Satz, themenunabhängig universell verwendbar: Nichts ist so beständig wie der Wandel, wusste bereits der griechische Philosoph Heraklit. Dieser Satz beschreibt das letzte Jahrzehnt in der Telekommunikationsbranche ziemlich genau. (Quelle)
Nichts ist so beständig wie der Wandel und so machen sich Research-Unternehmen bereits jetzt die Mühe, die Zukunft für den Bürosektor zu erkunden. (Quelle)
Nichts ist so beständig wie der Wandel, sagt ein geflügeltes Wort. Das gilt auch und ganz besonders für Unternehmen, die sich in einem schwierigen Wettbewerbsumfeld behaupten wollen. Betroffen davon sind Unternehmen aller Größen, Branchen und Ausrichtung - ob national oder global. (Quelle)
Heraklit passt eigentlich immer, zu Cloud Computing und zu SAP, zu Festplatten und zum Öffentlichen Nahverkehr. Besser gesagt, er passt fast immer:
"Zeit für Geschmack" ist aber nicht auch von Heraklit, oder? Man kann den Heraklit natürlich auch ganz sinnfrei verwenden:
Und es geht noch besser: Weidmüller: „Nichts ist so beständig wie der Wandel™ - Verlässliche Automatisierungslösungen als Konstante (Quelle)
Auch die Konstante ist nur eine Form des Wandels, darauf muss man erst mal kommen - weshalb bei Herrn Weidmüller der "Wandel" ganz zu Recht eine Trademark hat. Mein persönlicher Favorit ist und bleibt aber diese Adaption:
"NICHTS IST SO BESTÄNDIG WIE DER WANDEL - FERKELNOTIERUNG NRW" EIN KOMMENTAR VON ISN-BEIRATSMITGLIED DIRK SCHULZ Alle Jahre wieder, so möchte man wohl sagen, fehlt offensichtlich Unruhe im Markt. Im Juli 2007 wurde die NRW-Ferkelnotierung grundlegend angepasst und landete 2,50€ tiefer. Großer Unmut vor allem bei den Ferkelerzeugern war die Folge. (Quelle)
"Alle Jahre wieder" ist aber definitv nicht von Heraklit.
Montag, 17. Oktober 2011
Es ist einerseits ein Gruß aus längst vergangenen Zeiten, diese Meldung, die mir Google-News auf den Tisch gespült hat. Ach, dieses Problem gibt es auch noch? Andererseits ist das nur gerecht, wenn man unbelehrbar ® in einer Pressemitteilung schreibt – und dann auch noch in einer Überschrift. So geht es wirklich nicht. Zur Strafe: Zehn Mal laut vorlesen, aber buchstabengetreu! 

Dienstag, 9. August 2011
Begriffe kommen und gehen. Das gilt natürlich auch für unsere IT-Welt: Von "Cloud" reden alle, "SOA" ist auf absteigendem Ast und an "Downsizing" erinnert sich kaum noch jemand. Meist erfährt unsereins von einem neuen Top-Begriff ja erst, wenn er schon in aller Munde ist. Umso mehr freue ich mich, dass ich den nächsten Top-Begriff rechtzeitig entdeckt habe: Mandat. Früher war ein Mandat für Anwälte, Abgeordnete oder Friedenstruppen reserviert, ab demnächst haben alle ein Mandat zu allem Möglichem.
Dieser Blog beispielsweise hat (unter anderem) das Mandat, neue Top-Begriffe aufzugreifen - klingt nicht übel, oder? Ich beobachte die Entwicklung dieses schönen neuen Begriffs schon seit einigen Wochen, er breitet sich ganz allmählich über Websites und Blogs aus, aber nun scheint es ernst zu werden. Denn nun hat ihn sich offenbar auch die IT-Leitinstanz IBM zu eigen gemacht, wie wir bei Silicon.de-Blogger Stefan Pfeiffer (Market Segment Manager für Collaboration Solutions und Social Business bei IBM Deutschland) erfahren: 
Sieben Mal "Mandat" in acht Zeilen, das riecht schon sehr stark nach Trend. Und man hätte auch ein achtes Mal schaffen können, wenn man nicht das "Hot-Air-Mandat" vergessen hätte. Bis zum nächsten Mandat – wir sehen uns.
Montag, 25. Juli 2011
An diesem Montagmorgen wollen wir die Leser dieses Blogs an einer internen Diskussion teilhaben lassen. Es geht, wie so oft, wenn die Meinungen aufeinanderprallen, um Anglizismen – konkret darum, ob der Begriff "Bashing" in der Überschrift einer Presseinformation vorkommen darf. Einerseits ist es natürlich ein lupenreiner Anglizismus und als solcher tunlichst zu vermeiden, andererseits sind die möglichen Synonyme allesamt nicht so recht tauglich: "schelten" ist klar zu schwach, "fertigmachen", "runterputzen", "niedermachen" oder gar "zur Sau machen", das geht ja alles auch nicht.
Zur Lösung haben wir eine kurze Presseschau vorgenommen und Erstaunliches festgestellt. So gut wie alles, was Rang und Namen hat in der deutschen Medienwelt, ist beim "Bashing" mit dabei (hier nur eine kleine Auswahl):
Süddeutsche:
FTD:
Manager Magazin:
Die Welt
Die Zeit
Ja, wenn es so ist, wenn also sogar die "Zeit" mitmacht, dann können wir uns das Bashing-Bashing sparen. Offenbar ist dieses Bashing mittlerweile ein deutsches Wort, wie Fasching und Wirsing.
Mittwoch, 29. Dezember 2010
… unsre edle Muttersprache, welche durch fremdes Wortgepränge wässerig und versalzen worden, hinwieder in ihre uralte gewöhnliche und angeborne deutsche Reinigkeit, Zierde und Aufnahme einzuführen, einträchtig fortzusetzen und von dem fremd drückenden Sprachenjoch zu befreien. (Fruchtbringende Gesellschaft)
Von unseren ersten Blogs an ist uns die Pflege des deutschen Sprachguts ein echtes Anliegen. Deshalb begrüßen wir auch die Bestrebungen des Bundesverkehrsministeriums, die deutsche Sprache von Anglizismen – pardon: Englischwörtern – zu reinigen aufs Freudigste.
Das Bundesverkehrsministerium will Spiegel Online zufolge, dass wir nicht nur "Fahrschein" statt "Ticket" sagen, sondern auch – und damit werden wir als IT-fokussierte Company zu direkt Betroffenen – "Klapprechner" statt "Laptop". Nun ist Fahrschein ja ein eingeführtes und durchaus gebräuchliches Wort, weshalb nichts dagegen spricht, es statt des Tickets zu verwenden. Aber Klapprechner? Echt? Das Wort hat außerdem mehr Silben als "Laptop" und holpert gefährlich durch die Sätze, was vermutlich seine Akzeptanz einschränken wird. Wenn denn schon ein neues Wort für "Laptop" her muss, so schlage ich vor, statt "Klapprechner" kurz und bündig Klapper© zu sagen.
Übrigens: Klappers© Arbeitsspeicher darf weiter RAM heißen. Wir haben ihn nämlich nach einem deutschen Verkehrspolitiker benannt, der deswegen hoffentlich nicht sauer ist.
Montag, 13. September 2010
Schon im vorletzten Blog hatten wir darauf hingewiesen, dass die KRISE jetzt offiziell und damit endgültig beendet ist. Aber dass sie gleich so fulminant beendet wird, das hätten wir uns letzte Woche noch nicht träumen lassen:
EU sagt Deutschland Wachstumsboom voraus
Wumm - nicht bloß Boom, nicht bloß Wachstum, sondern gleich beides auf einmal: WACHSTUMSBOOM. Nicht nur die Wirtschaft boomt, sondern gleich das Wachstum der Wirtschaft. Da muss man sich über einen Schreibboom nicht wundern.
Und wenn wir schon dabei sind: "Prognose verdreifacht" ist auch so eine Sache. Natürlich, drei Prognosen sind besser als eine, aber wo bleiben denn die nun beiden anderen Prognosen?
Freitag, 16. Juli 2010
Das erste, was einem als Neuankömmling in den USA auffällt, ist die überwältigende Freundlichkeit. Wo auch immer man sich bewegt, man wird geradezu überrannt mit Aufmerksamkeit: "It's really great to meet you. Oh, you come from Europe? Awesome. I've been to Paris/Munich/Barcelona/Rome/usw. recently. What do you do? Really? Welcome to the neighborhood. If you need anything, please call me", samt Überreichung der Visitenkarte. Das ist nicht nur im Bekanntenkreis so, sondern auch beim Shoppen, und sogar im noblen Saks Fifth Avenue in Boston: "Hi, my name is Lucy. Oh, you come from Germany? That's great. I've been to Paris 20 years ago. Where do you live in Boston? Oh my God, me too. This is my phone number and my e-mail address. If you need anything, please call me." Wir haben Lucys halbe Lebensgeschichte erfahren und konnten uns von der verbalen Umklammerung nur schwer lösen. Im Massenbetrieb Supermarkt geht es etwas zurückhaltender zu, aber die obligatorische Floskel "How are you? Good, how are you? Good, thank you" ist allgegenwärtig. Wer seit vielen Jahren mit dem bayerischen Granteln zu kämpfen hat und bei Taxifahrer/Kellner/Verkäuferin/usw. jede überflüssige Regung meidet, um bösen Blicken oder strafender Nichtbeachtung zu entkommen, ist zunächst einmal völlig perplex. Natürlich lernt man schnell, dass die zugetragene US-Freundlichkeit oberflächlich ist (was nicht heißen soll, dass sie im Augenblick nicht ehrlich gemeint ist). Niemand erwartet wirklich, dass man anruft. Lucy würde sich nicht einmal an uns erinnern. Die Freundlichkeit ist ein tief verankertes Element des amerikanischen social behaviour: Sie ist kulturell wichtig, aber bleibt doch stets kosmetisch und ist nicht dazu gedacht, verbindlich zu sein.
Und so sind auch amerikanische Presseinformationen mit ihren überschwänglichen Quotes à la "We are so excited…": Sie waren nie dazu gedacht, veröffentlicht zu werden, niemand erwartet es, und es passiert auch nicht. Die Intention ist vielmehr, einfach nur freundlich zu sein, genauso wie der Kassierer mit "How are you?" und Lucy mit "Call me anytime." Reflex-bedingte Nettigkeiten ohne tieferen Hintergrund, beruhend auf einem gesellschaftlichen Konsens. Das ist nun einmal so und ist auch solange ok, bis das deutsche Management der Meinung ist, Presseinformationen müssten inklusive der Quotes wortwörtlich übersetzt werden und müssten womöglich auch in dieser Form in den Medien erscheinen. Dem liegt ein großes Missverständnis zu Grunde, das aus einer unverbindlichen Nettigkeit eine verbindliche Aussage ohne nennenswerten Inhalt macht. Im besten Fall wird eine solche Quote von der deutschsprachigen Presse herausgestrichen, im schlechtesten Fall die komplette Presseinformation ignoriert.
Freitag, 9. Oktober 2009
Nun müssen wir uns also auch noch in die Koalitionsverhandlungen einschalten. Denn da gibt es zwei Dinge, die so nicht stehen bleiben können, weil sie einfach nicht zusammenpassen:
1. Ding: Die FDP möchte bekanntlich ein neues Steuersystem, eines, das "niedriger, einfacher und gerechter" sein soll. Oder stellvertretend für 42.000 Fundstellen gleich Originalton Dr. Westerwelle: "Als erstes würde ich das Steuersystem grundlegend verändern, es einfacher, niedriger und gerechter machen."
2. Ding: Im Grundgesetz sollen nach dem Willen der Kulturpolitiker von Union und FDP Kultur als Staatsziel und ein spezieller Schutz der deutschen Sprache verankert werden.
Diese zwei Dinge passen nicht zusammen: Wenn schon Deutsch, dann doch bitte richtig. Deshalb, verehrte entstehende Koalition, lieber Dr. Westerwelle, geschätzte Medien, die ihr alles 1000fach nachsprecht: Es mag ein "einfacheres" Steuersystem geben und vielleicht auch ein "gerechteres", aber ein "niedrigeres Steuersystem" – was soll das denn sein? Eines, das nur 80 cm groß ist? "Es ist Deutschland hier!" und hier können nur die Steuern niedrig sein, nicht aber die Steuersysteme.
Wir bitten dies bei der Aushandlung des Koalitionsvertrages zu beachten. Vor Zuwiderhandlungen können wir nur warnen:
"Wenn dich der Fürst von Wei bitten würde, die Regierung zu übernehmen, was würdest du zuerst beginnen?"' "Zuerst', antwortet der Meister, "müssen die Begriffe richtig bestimmt werden. Wenn die Begriffe nicht richtig bestimmt sind, stimmen die Aussagen nicht mit den Tatsachen überein; wenn die Aussagen nicht mit den Tatsachen übereinstimmen, sind die Geschäfte schlecht zu führen; wenn die Geschäfte schlecht zu führen sind, gedeiht keine Ordnung und Harmonie; wenn keine Ordnung und Harmonie gedeiht, wird Gerechtigkeit zu Willkür; wenn Gerechtigkeit zu Willkür wird, weiß das Volk nicht, wohin Hand und Fuß setzen."
Das sagt jedenfalls Konfuzius.
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