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Großartige Vorschläge – ... Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
11:50
Kommentare (0) Trackbacks (0) Großartige Vorschläge – unschätzbar!Ich war einige Wochen nicht mehr bei Twitter gewesen. Zuerst weil … nein, dafür muss ich mich nicht entschuldigen. Oder doch? Twitter selbst war offenbar ein wenig eingeschnappt, denn als ich nun mal wieder vorbeischaute, kam gleich ein E-Mail:
Ausrufezeichen. Dass uns das nicht noch einmal vorkommt. Und Hinweise, wie ich mich bessern könnte:
Eine Timeline, die mich reflektiert! Als unschätzbarer (gemeint ist vermutlich: unverzichtbarer) Teil meines Lebens! Also so in der Art: Wer bin ich? Warum bin ich? Und Twitter schickt mir auch gleich unschätzbare Vorschläge, wie ich mehr Accounts folgen kann:
Stefan Plöchinger, Chef von sz.de, hat was mit dem zu tun, was ich mache, also meinetwegen, dem kann man followen, und Richard Gutjahr, "Journalist und Blogger", das geht auch in Ordnung. Aber warum um Himmels willen Paris Hilton? Für eine Timeline, die mich und meine Interessen reflektiert? Unschätzbarer Teil meines Lebens? Echt? Wer bin ich eigentlich? Und warum? Und Twitter hat weitere großartige Vorschläge für mich - noch großartiger? Noch unschätzbarer? Dienstag, 5. Oktober 2010
Oh We, Oh We Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
18:18
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: amazon, apple, journalismus, krisen-pr, pr, social commerce, social media, web 2.0, wetab
Oh We, Oh WeJetzt ist es raus und damit ist das PR-Desaster perfekt: WeTab-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen hat zugegeben, dass er auf Amazon gefakte Lobeshymnen auf das WeTab platziert hat. Das ist der vorläufige Höhepunkt in einer ganzen Kette von PR-Fehlleistungen. Für alle, die es nicht verfolgt haben, ein kleiner Blick zurück (ausführlich bei Basic Thinking): Im April war das Gerät, das als Konkurrent zu Apples iPad positioniert wurde, der Presse vorgestellt worden. Schnell stellte sich heraus, dass statt des Linux-Betriebssystems bloß ein Video lief, das dann auch noch eine Windows-Fehlermeldung produzierte. Was als "Designed in Germany" angepriesen worden war, sah dann ganz wie das kanadische ExoPC aus. Das Gerät wurde umbenannt, die Markteinführung von Mai auf September verschoben und von der großen Kooperation mit namhaften deutschen Verlagen war dann auch nicht mehr die Rede. Vorletzte Woche aber wurden tatsächlich die ersten Geräte ausgeliefert – und das Echo war verheerend:
Es wird also einiges geboten für 569 Euro. Interessantes tat sich nun bei Amazon. Auch hier, auf der Bewertungsseite des WeTab, gab es einen Verriss nach dem anderen. Aber – es fanden sich darunter auch ein paar positive, sehr positive Stimmen. Die Amazon-Community wollte das allerdings nicht hinnehmen und vermutete dunkle Machenschaften: Da hätten wohl Mitarbeiter oder andere Beauftragte von WeTab gute Stimmung gemacht. Einige der Beiträge waren in der Tat seltsam: Da wurden Funktionen gelobt, die das Geräte (noch) gar nicht hatte, da klangen manche Lobeshymnen wie Prospekt-Texte und es war gar nicht immer klar, ob die Rezensenten das Ding je in der Hand gehalten hatten. Auffallend auch, dass viele der vom WeTab Begeisterten dafür ihre erste und einzige Amazon-Beurteilung verfasst hatten. Die Rezensionen eines Peter Galser und einer Claudia Kaden kamen bald in den Verdacht, sie seien in Wahrheit von WeTab-Chef Ankershoffen und seiner Frau verfasst worden. Anfangs hielt sich im Web noch die Gegenmeinung, jemand (die Fraktion der iPad-Finsterlinge) habe dem Hoffer von Ankershoffen einen üblen Streich gespielt – so dreist und zugleich so dilettantisch (es war nicht schwer das Pseudonym zu lüften) konnte doch niemand vorgehen. Heute kam aber die offizielle Bestätigung: Der WeTab-Chef selber hatte tatsächlich unter einem falschen Namen sein Gerät in den Himmel gelobt.:
Kein Wunder, dass in diversen Blogs und Foren nun sogar die Auffassung aufkam, das Ganze sei von A bis Z, also inklusive Fake und zerknirschtem Geständnis, ein besonders raffiniert eingefädelter PR-Coup, weil eine schlechte Presse bekanntlich besser sei als gar keine, und damit sei die Berichterstattung über das unglückliche WeTab erst so richtig angeheizt worden. Dieser (Verschwörungs-)Theorie kann ich mich nicht anschließen: So eine Taktik kann man notfalls mal verfolgen, wenn man ein Produkt hat, von dem man sich sicher ist, dass es einigermaßen okay ist, bei einem mit "Schwächen" muss das nach hinten losgehen. Denn nun nimmt jeder, aber wirklich jeder Interessent das Ding genauestens unter die Lupe, wenn er es überhaupt noch anfasst. Anders ausgedrückt: so dämlich kann man nun aber wirklich nicht sein. Was lernen wir daraus für den Einsatz von Social Media (SM) für das Marketing bzw. für das recht neue Feld des Social Commerce?
Ob sich das WeTab von diesem PR- und SM-Desaster erholen kann? Zunächst einmal muss es sich offenbar von sich selber erholen. Nebenbei: das iPad profitiert vom Status der Marke, das WeTab hat nun so etwas wie eine Anti-Marke aufgebaut. Der Fall zeigt aber auch, dass Bewertungen in den diversen Plattformen eine recht heikle Sache sind. Diesmal wurde der Fake schnell aufgedeckt, nicht zuletzt, weil das WeTab ohnehin schon große Aufmerksamkeit genoss. Insofern hat der Fall schon ein wenig die Erde verbrannt: Spätestens ab jetzt kann man hinter jedem Lob in einem Bewertungsportal die entsprechenden (bezahlten) Machenschaften wittern. Zumal sich in den Diskussionen etliche Leute zu Wort meldeten, die die Aufregung gar nicht verstehen konnten; nach dem Motto: so etwas wird in unserer Firma doch schon lange gemacht. Keine gute Entwicklung. Freitag, 4. Juni 2010
Kein Geld für so was Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
11:15
Kommentare (0) Trackbacks (0) Kein Geld für so wasÜber den Basic Thinking Blog bin ich auf eine interessante Studie zum Thema Social Media aufmerksam geworden. Die dpa-Tochter news aktuell hatte in Kooperation mit Faktenkontor rund 1.700 Pressesprecher und PR-Fachleute zum Thema “Social Media in Unternehmen” befragt. Ernüchterndes, wenn auch nicht überraschendes Fazit: Die Mehrzahl der Unternehmen hält Social Media zwar für wichtig, sieht aber trotzdem keinen Grund dafür Budget locker zu machen.
Das entspricht weitgehend den Untersuchungen, die wir selbst angestellt haben, zum Beispiel hier oder da: Außerhalb der PR- und Medien-Welt spielt Social Media zumeist nicht einmal eine Nebenrolle. Social Media steckt weiterhin im Probe-, Denk-, Test- und Überlege-Stadium fest. Strategie gibt es nächstes Jahr, Geld vielleicht übernächstes – mit anderen Worten: So richtig ernst nimmt man das nicht. Social Media kommt einfach nicht vom Fleck und mittlerweile zeigen sich ja auch schon erste Ermüdungserscheinungen. Bin gespannt, wann die ersten (großen Namen) direkt von den Vorüberlegungen zur Einstiegs- in die Vorüberlegungen zur Ausstiegsstrategie überleiten. Dienstag, 6. April 2010
Kommunikation im Web 2.0: Zwölf Fehler Geschrieben von Alain Blaes
in PR und Kommunikation um
10:21
Kommentare (0) Trackbacks (0) Kommunikation im Web 2.0: Zwölf FehlerIn der Unternehmenskommunikation werden Web 2.0 und Social Media allmählich zum Standard. Zahlreiche Unternehmen nutzen heute die Möglichkeiten des Web 2.0, und viele weitere denken darüber nach, hier ebenfalls aktiv zu werden. Bei der Umsetzung tun sich viele Unternehmen aber recht schwer. Die Welt des Web 2.0 unterscheidet sich deutlich von der der herkömmlichen Unternehmenskommunikation. Gerade beim Einstieg in Social Media kommen daher immer wieder typische Fehler vor, die den Erfolg der Maßnahmen in Frage stellen, weil sie die Eigenheiten von Social Media nicht ausreichend berücksichtigen. Da wir die Szene seit langem beobachten, haben wir die Unternehmenskommunikation im Web 2.0 untersucht und dabei zwölf typische Fehler festgestellt:
Insgesamt haben wird den Eindruck gewonnen, dass viele Unternehmen im Web 2.0 noch immer halbherzig, unentschlossen und mit begrenztem Engagement vorgehen. Aber die Medien-Landschaft steckt schon mitten im Umbruch und für die Unternehmen wird mittelfristig kein Weg an Social Media vorbeiführen. Natürlich wird auch im Web 2.0 nur mit Wasser gekocht – aber kochen muss das Wasser schon, wenn man in der Unternehmenskommunikation etwas erreichen will. Dienstag, 6. April 2010
Neues aus der Hirnforschung Geschrieben von Rainer Doh
in Medien um
09:57
Kommentare (0) Trackbacks (0) Neues aus der Hirnforschung![]() Autsch – Denker nach dem Zusammenprall mit einer anderen Intelligenzform
Aber Achtung: beim FAZ-Lesen nicht nebenher Kaffee trinken. Sonst wird man noch reingesogen. Mittwoch, 10. März 2010
Aus der Skurrilitätenschmiede Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
15:21
Kommentare (0) Trackbacks (0) Aus der SkurrilitätenschmiedeDiese Meldung ist natürlich einen Blog-Beitrag wert:
Schön, dass wir künftig auch bloggen können, wenn uns kein Thema einfällt, da ist in der Vergangenheit ja so mancher Blog nicht zu Stande gekommen. Gut gefällt mir auch dieses Feature der neuen Lösung:
Wirklich wichtige Themen werden nie alt, man kann sie nicht breit genug walzen. Ein Leser des Heise-Forums erinnert in diesem Zusammenhang an die berühmte "Motiv-Klingel" für Fotoamateure. Als direkte Zielgruppe der neuen Software sind wir trotzdem gespannt auf die Conference on Human Factors in Computing Systems in Atlanta, auf der die IBM-Wissenschaftler Werner Geyer und Casey Dugan über ihre Erfahrungen mit einem ersten firmeninternen Test berichten wollen. Montag, 22. Februar 2010
Tolle Tage mit der Maus Geschrieben von Rainer Doh
in Technologie und Märkte um
17:19
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tolle Tage mit der MausWer hier die drei klassischen Fragen stellt: "Warum? Weshalb? Wozu?", liegt wieder mal verkehrt. Denn hier geht es um keinerlei Business-Nutzen, die Lösung hat auch keinen Mehrwert und weil sie nichts kostet, auch keinen ROI. Die kleine Applikation mousepath zeigt, was die Maus tagsüber so treibt, und gibt damit Antwort auf nichts weniger als die uralte Frage: "Wie war mein Tag?" Gestern so:
Und heute (Stand 17:15 Uhr) so:
Besonders gelungene Tage kann man natürlich auch bei Flickr hinterlegen, wo sie dann unter Umständen von 350.000 Leuten bewundert werden.
Freitag, 19. Februar 2010
Steal me! Geschrieben von Rainer Doh
in Datenschutz um
14:39
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: datenmissbrauch, datenschutz, google, google street view, identität, identitätsdiebstahl, informationelle selbstbestimmung, innovation, web, web 2.0, zeit
Steal me!In Köln hat sich ein Hausbesitzer darüber beschwert, dass ein kommerzielles Bilderbuch ungefragt Fotos von seinem Haus veröffentlicht. Das Bilderbuch hat nichts mit Google Street View zu tun, sondern macht im Grunde da weiter, wo Street View (bisher) aufhört. Vor Gericht holte sich der Hausbesitzer eine Abfuhr. Bemerkenswert ist die Begründung des LG Köln: ![]() Sichere Identität: Klingel ohne Klingelschild
Der Klägerin steht gegen die Beklagte kein Anspruch auf Unterlassung der Veröffentlichung von Lichtbildern von ihrem Haus in Verbindung mit der Nennung des Straßennamens und der Hausnummer … zu. Durch die streitgegenständliche Veröffentlichung erfolgt weder ein Eingriff in ihr Persönlichkeitsrecht noch steht ihr nach Abwägung ein Unterlassungsanspruch aus datenschutzrechtlichen Grundsätzen zu. Das ist also die amtliche Fassung des alten, immer wieder gern gehörten Arguments, dass das Verteilen von Informationen im Web deswegen ganz harmlos sei, weil man sich dieselben Informationen auch durch einen Blick auf ein Klingelschild beschaffen kann. Eine reichlich naive Auffassung, weil das natürlich ein ganz gewaltiger Unterschied ist – ein paar tausend Klingelschilder abzuschreiben, wäre schon ein wenig aufwändig. Fälle, in denen findige Datenbeschaffer eine Hundertschaft von manuellen Klingelschildscannern ausgeschickt haben, sind ja auch nicht bekannt geworden. Aber wir wollen heute gar nicht an dieser seltsam arglosen Ansicht herummäkeln, und wir wollen auch nicht die Sorge um möglicherweise zunehmende Einbruchsdiebstähle breit treten – zu diesem Thema sei auf die Website "Please Rob Me" verwiesen, wo die Tweets von Leuten aufgelistet werden, die gerade nicht zu Hause sind. Aber Einbruch und Diebstahl sind ja ohnehin Phänomene aus der alten, der analogen, der weblosen Welt. Die digitale Welt ist längst weiter. Wie weit, das zeigt eine Case Study, die letzte Woche in der ZEIT unter dem Titel "Meine Identität gehört mir" ausführlich dargestellt wurde. Ein schönes Praxisbeispiel für alle, die fragen, was man mit harmlosen, privaten Informationen denn überhaupt anstellen kann. Davon abgesehen warten wir noch auf eine total witzige Website für Leute, die ihre Identität loswerden wollen: Be me! PS: Das Thema "Identitätsdiebstahl" wurde auch schon literarisch aufbereitet; wen's interessiert – T.C.Boyle: Talk Talk Mittwoch, 27. Januar 2010
Innovationen aus dem Tollhaus Geschrieben von Rainer Doh
in Datenschutz um
21:27
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: blippy, datenmissbrauch, datenschutz, datensicherheit, datenskandale, persönlichkeitsrechte, web, web 2.0
Innovationen aus dem TollhausEin gewisser Ali Mir – der Name tut nichts zu Sache, er ist "Student at the University of Michigan" – war kürzlich beim Essen im Bella Notte Ristorante. Dafür hat er $66,06 ausgeben. Dann hat er bei iTunes für jeweils $3.17 zwei Apps erstanden. Und vor einer Woche hat er für 25 Dollar in einer Internet-Apotheke eingekauft. Wir wissen das alles aus "Blippy". Das ist so etwas wie Twitter für Geld: Man meldet sich an, gibt seine Kreditkartennummer ein und dann wird über jeden Kauf, den man mit der Karte bezahlt oder den man in innovativen Läden wie iTunes, Starbucks, McDonald's oder Blockbuster tätigt, direkt im Web berichtet. Toll, nicht wahr? Wer nun wieder fragt "Wozu?", "Weshalb?", "Warum?" hat wieder gar nichts kapiert. Und wer wie die Süddeutsche von "Gläserner Abrechnung" spricht, sowieso nicht:
![]() Was Ali so alles einkauft Auch wenn es die Datenschützer vor lauter Entsetzen nicht gemerkt haben: Tatsächlich ist Blippy eine Datenschutz-Offensive, denn alles, was gleich im Netz steht, kann dort nicht missbräuchlich, pannenmäßig oder klauhalber landen. Ganz einfach, weil es schon dort ist. Was ich verschenke, kann mir kein Mensch mehr klauen! Mit einer flächendeckenden Einführung von Blippy würde daher die Internet-Kriminalität schlagartig zurückgehen. So geht Sicherheit heute! Na, ist das eine Innovation? Außerdem sind Datenschützer doch immer irgendwie entsetzt – diese Spaßbremser nerven allmählich. Nebenbei, liebe SZ: "Hotel mit der Geliebten", das ist (a) ganz schön chauvimäßig und (b) tut man/frau das überhaupt nicht. So mag es vielleicht bei den alten Medien zugehen, das Web aber ist sauber. Und wer sauber ist und nichts zu verbergen hat, hat auch null Problem damit, dass die Welt weiß, dass er mal wieder im Bella Notte Ristorante eingekehrt ist. Wobei ein Nachtmahl zu 66 Dollar für einen Studenten eine schöne Stange Geld ist; aber das ist ja auch mal interessant, wofür diese Studenten so ihr Geld ausgeben; App muss übrigens auch nicht sein. Und sonst Ali? Gesundheitlich jetzt wieder alles ok? Man fragt ja nur.
Dienstag, 26. Januar 2010
Theorie und Blog – deutsche ... Geschrieben von Rainer Doh
um
11:59
Kommentare (5) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: blog, blogger, it, it-industrie, itk-branche, medien, social media, web 2.0
Theorie und Blog – deutsche IT-Unternehmen und Corporate Blogs (Teil III)Im ersten Teil unserer Untersuchung der Blogs deutscher IT-Unternehmen war es um "Theorie" gegangen – also um die Grundsatzfrage, wozu Unternehmen bloggen. Im zweiten Teil hatten wir uns angeschaut, was die deutschen IT-Unternehmen beim Bloggen so zu Stande bringen und das ernüchternde Ergebnis war: Überwiegend nichts. Umso weniger wollen wir versäumen, die wenigen Highlights gebührend zu würdigen.
Kommunikationsanbieter wie Vodafone, O2 oder Nokia verfügen über Blogs, wobei diese natürlich Consumer-orientiert sind ("Wir schenken Euch das Rentier aus dem TV-Spot"). Es ist nicht ganz das, was uns interessieren würde, aber es ist eben das, was diese Unternehmen kommunizieren wollen. Umso mehr muss es erstaunen, dass auch diese Blogs keineswegs einfach zu finden sind. Die direkte Verlinkung auf der Homepage fehlt auch hier – und sogar hier ist der unvermeidliche Newsletter gleichzeitig nur einen Klick entfernt. Nokia verlinkt sogar Twitter und Facebook, aber nicht den eigenen Blog, den man aufwändig suchen muss. Dabei müsste man sich für den doch gar nicht schämen. Letzten Endes bleiben unter den 100 untersuchten Unternehmen magere drei, die über einen rundum gelungenen Blog-Auftritt verfügen. Gelungen heißt für uns ganz unbescheiden: • leicht zu finden – wir wollen Blogs lesen und nicht suchen • regelmäßig gepflegt – Blogs vom November interessieren uns jetzt nicht nicht mehr so sehr • guter Themenmix – Sebastians Erfahrungen mit Powerpoint wollen wir auch nicht lesen • in deutscher Sprache – sollten wir uns irgendwann mal über finnische Blogs Gedanken machen, lesen wir Blogs gern auf Finnisch. Gewinner sind die Blogs von Microsoft, Fraunhofer IAO und Cirquent (falls ein Leser dieses Blogs noch einen vierten oder gar fünften IT-Lieblingsblog kennen sollte, nehmen wir diesen gerne noch nachträglich auf). Bei den beiden letzteren ist der Blog sogar auf der Homepage verlinkt, bei Microsoft ist er immerhin über das Suchfenster schnell zu finden. Microsoft nutzt Blogs am intensivsten, es gibt eine richtige Landing-Page für Blogs zu allen Themen rund um die Microsoft-Produkte. Ich habe 24 deutsche Blogs gezählt; nicht alle sind brandaktuell, aber das ist bei so vielen Blogs auch nicht erforderlich. Schon merkwürdig, dass ausgerechnet das so oft als böser Bube der IT gescholtene Microsoft sich hier in dieser Weise präsentiert. Aber über die "Gewinner" müssen wir hier ohnehin keine Worte verlieren. Die können je ihre Taten sprechen lassen. Doch was ist nur mit all den anderen los? Die IT in Deutschland trotzt auf breiter Front dem Zeitgeist: • Dialog mit Kunden und Öffentlichkeit? Wollen wir nicht. • Adressierung lokaler Märkte? Wir sind nicht von hier. • Entwicklung der Kommunikationsinstrumente von morgen? Warten wir noch ab. • Aufbau einer Community? Brauchen wir nicht. • Image als innovatives Unternehmen? Haben wir schon. Aber: Wollen Sie nicht unseren Firmen-Newsletter abonnieren? Dienstag, 26. Januar 2010
Theorie und Blog – deutsche ... Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
10:58
Kommentar (1) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: blog, blogger, it, it-industrie, itk-branche, medien, social media, web 2.0
Theorie und Blog – deutsche IT-Unternehmen und Corporate Blogs (Teil II)Im ersten Teil unserer Untersuchung der Blogs deutscher IT-Unternehmen war es um die "Theorie" der Corporate Blogs gegangen. Demzufolge ist nun die Praxis dran. IT-Unternehmen haben wir uns vorgenommen, weil wir vermuteten, dass Unternehmen dieses Sektors eine besondere Affinität zum Web in all seinen Erscheinungsformen haben müssten. Überprüft wurden die Websites von 100 IT- und Telekommunikations-Unternehmen, die nach der Zahl der Beschäftigten zu den 150 größten dieses Sektors gehören. Nicht berücksichtigt wurden Unternehmen, die im Wesentlichen ausgelagerte IT-Abteilungen sind, wie zum Beispiel die HVB Information Services GmbH. Wenn wir übrigens auf einer Website innerhalb von fünf Minuten auch unter Verwendung der Suchfunktion keinen Blog finden konnten, haben wir die Suche abgebrochen – wenn Blogs nicht leicht zu finden sind, taugen sie auch nicht als Kommunikationsinstrument.
2. Die Blogs Das Ergebnis der Untersuchung lässt sich sehr kurz wiedergeben: IT-Unternehmen in Deutschland nutzen die Blogs so gut wie nicht für ihre Kommunikation. Unter den 100 ausgewählten Unternehmen konnten lediglich acht deutschsprachige Blogs identifiziert werden. 19 Unternehmen weisen immerhin Blogs in englischer Sprache auf, drei Unternehmen bloggen in beiden Sprachen. Interne Blogs konnten natürlich nicht berücksichtigt werden, es ging uns aber ohnehin nur um die nach außen wirkende Kommunikation. Unter den Blog-abstinenten Unternehmen sind zahlreiche große und sehr renommierte.
Zwei Ursachen kommen dafür in Frage: Zum einen, dass Unternehmen den Nutzen von Blogs nicht sehen, zum anderen, dass sie ihn zwar sehen, aber dafür trotzdem keine Ressourcen bereitstellen wollen beziehungsweise können. Zum Nutzen von Blogs wurde im ersten Teil eigentlich schon alles gesagt. Mag sein, dass das IT-Unternehmen nicht so sehen. Mag sein, dass Blogs nicht das zentrale Kommunikationsinstrument sein werden, aber dass sie ein wichtiges Instrument in einer Medienlandschaft sein werden, dürfte unbestritten sein. Nicht zuletzt weil die Medienlandschaft künftig wesentlich breiter aufgefächert sein wird. Das Ressourcen-Problem ist eine Folge der Nutzen-Frage: Nur Unternehmen, die in Blogs einen geringen Nutzen sehen, scheuen den dafür nötigen Aufwand. Dass IT-Anbieter mit ein paar tausend Mitarbeitern keine Ressourcen haben sollten, einen Blog zu pflegen, ist nicht nachvollziehbar. Wir können das umso weniger verstehen, als fast alle Unternehmen durchaus Ressourcen für Firmenmagazine, Kundenzeitungen und Newsletter bereitstellen können, und hier schafft man es meist auch, einen Link prominent auf der Homepage unterzubringen. Offenbar liebt die deutsche IT diese Retro-Kommunikation, die ja weder ein schnelles und flexibles Reagieren, noch einen Dialog mit den Adressaten erlaubt. Wir haben darauf verzichtet nachzulesen, was die selben Unternehmen ihren Kunden beispielsweise über Agilität, Flexibilität und Innovation erzählen. Aber wir haben so unsere Vermutungen. ![]() Sun: Tausende von Blogs - aber keine Ressourcen für deutsche Blogs?
Interessanterweise verfügt Sun, obwohl es ein amerikanisches Unternehmen ist, sehr wohl über eine deutsche Website, verschickt deutsche Pressemeldungen und verteilt – hatten wir es nicht geahnt? – auch einen deutschen Newsletter. Das Amerikanische bei Sun trifft also nur die Blogs. Und im Grunde verhält es sich ja genau umgekehrt: Würde Sun hierzulande wie ein amerikanisches Unternehmen agieren, dann wüsste es auch hier, wie wichtig Blogs sind und dann hätte es auch Blogs in der Landessprache. Dabei wollen wir gar nicht bestreiten, dass es auch Blog-Themen geben mag, für die Englisch einfach ein wenig besser passt, beispielsweise in der Softwareentwicklung. Aber man muss sich hier schon einmal die Größenordnungen vor Augen führen: Sun hatte (zum Zeitpunkt unserer Untersuchung) weltweit 5.597 Blogs von 4.606 Bloggern, die insgesamt 173.134 Beiträge verfasst hatten. Und da sollten keine Ressourcen für einige Blogs in den Landessprachen der Länder mit Sun-Niederlassungen sein? Man muss natürlich auch wollen. Übrigens: bei Oracle sieht es genauso aus, insofern passen die beiden prima zusammen. Umgekehrt gibt es auch deutsche Unternehmen, die nur auf Englisch bloggen, beispielsweise die Software AG oder IDS Scheer. Ja, wir wissen schon: "Wir sind ein internationales Unternehmen …" und Englisch beweist Internationalität, Globalität und Modernität, aber eine besondere Wertschätzung des immerhin zweitgrößten IT-Marktes kommt darin nicht zum Ausdruck. Und auch hier ist festzuhalten: Wir sprechen hier nicht von Unternehmen mit 40 oder 50 Mitarbeitern, die sich entscheiden müssen, ob sie einen Blog in E oder D führen. In unserer Untersuchung haben wir an ein paar Stellen auch ein wenig tiefer gebohrt, denn manchmal wollten wir es einfach nicht glauben, dass es bei diesem oder jenem renommierten IT-Unternehmen keinen einzigen Blog geben sollte. Wir haben uns dann bei der Pressestelle erkundigt, wo wir denn den Corporate Blog finden könnten. Da wurde uns dann zum Beispiel mitgeteilt: Das Unternehmen "… bietet keinen 'Corporate Blog' an. Sollten Sie weiterführende Informationen über das Unternehmen benötigen, können Sie sich gerne an mich wenden." Hier drängt sich der Eindruck auf, Social Media könnte trotz umfassender Medienoffensive doch noch nicht überall verstanden worden sein: Blogs sind doch nicht "weiterführende Informationen über das Unternehmen", Web 2.0 ist eben nicht Presseinformation mit anderen Mitteln, sondern … war da nicht was mit Dialog und Community? In der deutschen IT-Welt scheint das überwiegend nicht angekommen zu sein. Weitere O-Töne aus der Praxis deutscher IT-Blogs:
Siemens IT Solutions and Services wiederum hat auf unsere Anfrage sicherheitshalber gar nicht geantwortet. Wir haben dafür natürlich Verständnis: Wenn man anfängt, jedes E-Mail zu beantworten, wird das schnell uferlos. Andererseits muss man auch zugeben, dass nicht jeder Blog, bloß weil es ihn gibt, damit auch schon Ziel führend im Sinne der Unternehmenskommunikation ist. Zum Beispiel bei IBM. Deutschlands größtes IT-Unternehmen hat einen Blog, dieser spricht Deutsch und ist – erfreulich! erfreulich! – ganz leicht zu finden. Und selbstverständlich weiß IBM, worum es bei Blogs geht:
Aber in diesem Fall gilt: Blau ist alle Theorie. Was der BlueBlog hinsichtlich Inhalt und Aufmachung tatsächlich bietet, ist nämlich weniger gelungen. Bei unserem Besuch war der letzte Beitrag über zwei Monate alt – und das in einem Weltunternehmen, das hierzulande über 20.000 Mitarbeiter beschäftigt. Mag sein, dass es irgendwo im IBM-Universum noch andere Blogs gibt, schönere, aktuellere, bessere, interessantere. Aber die haben wir leider nicht gefunden – was im Ergebnis auf das selbe hinausläuft. Manche der Unternehmen haben auch etwas eigenwillige Vorstellungen über die Kommunikation per Blog. So haben wir bei einem Unternehmen statt eines Corporate Blogs einen "Trainee-Blog" gefunden, was im Grunde ja nicht verkehrt ist. Dieser war offenbar als Spielwiese für Social-Media-Eleven gedacht, die Beiträge erwiesen sich als unfreiwillig komisch und damit unser summa summarum eher trist gestimmter Blog nicht ohne seine humorige Note bleibt, zitieren wir daraus kurz, aber mit Rücksicht auf den Trainee-Blogger absichtlich ohne Quellenangabe:
Interessant wie es bei einer "strategischen Neuausrichtung" in diesem Unternehmen, dessen Name nichts zur Sache tut, so zugeht. Das mag ja für die Kumpels vom Sebastian – und für uns – ganz lustig sein, aber in einem für die Weltöffentlichkeit offenen Blog hat dergleichen eher weniger zu suchen. Nebenbei, lieber Sebastian: Nicht nur bei Folien, auch bei Corporate Blogs gilt es einiges zu beachten, aber das ist ein anderes Thema. Über die kleine Schar der Sieger beim Blog-Contest der deutschen ITK-Unternehmen berichten wir demnächst in diesem Blog. Dienstag, 19. Januar 2010
Theorie und Blog – deutsche ... Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
09:52
Kommentare (0) Trackbacks (0) Tags für diesen Artikel: blog, blogger, it, it-industrie, itk-branche, medien, social media, web 2.0
Theorie und Blog – deutsche IT-Unternehmen und Corporate Blogs (Teil I)Heute geht es in unserem Blog um Blogs, genauer: Um die Blogs deutscher IT-Unternehmen. Damit wir nicht betriebsblind – Blog-blind – werden, haben wir uns draußen in der Realität umgeschaut und wollten herausfinden, wie die großen Unternehmen der deutschen IT- und Telekommunikationsindustrie Blogs für ihre Kommunikation nutzen. Über die Ergebnisse dieser Umschau gibt es einiges zu berichten, mehr als wir zunächst vermutet haben. Damit die Sache nicht unübersichtlich wird, werden wir das Thema in drei Kapiteln behandeln: 1. Die Theorie – über das Warum und Wieso von Corporate Blogs 2. Die Praxis – wie deutsche IT-Unternehmen bloggen 3. Die gute Praxis – wie es aussieht, wenn deutsche IT-Unternehmen gut bloggen 1. Die Theorie Blogs sind bekanntlich das Herzstück von Social Media beziehungsweise Web 2.0. So hatte Social-Media-Guru Klaus Eck in seinem Standardwerk "Corporate Blogs" schon 2007, also in der Web-2.0-Frühzeit, geschrieben:
Der Grund für die besondere Rolle von Blogs innerhalb des Web 2.0 liegt auf der Hand: Hier ist der Platz an dem man "zur Sache" kommen kann, an dem Inhalte auch mal etwas ausführlicher ausgebreitet werden können. Während bei Twitter nur kurze Informationen ausgetauscht werden – mitunter als Referenz auf Blogs –, in den Sozialen Netzwerken vor allem Kontakte aufgebaut und gepflegt werden und bei YouTube und den Foto-Plattformen das Visuelle betreut wird, kann im Blog ausführlich informiert, argumentiert, erläutert, erklärt, kritisiert, zurückgewiesen, bewundert oder was auch immer werden. Für Unternehmen heißt das: In Blogs können sie ihre Position, ihre Politik oder ihre Strategien darlegen, aber auch ganz einfach ihre Produkte und Lösungen vorstellen und erklären. Blogs stellen den Unternehmen einen sehr direkten Kommunikationskanal zur Verfügung, über den sie sehr viel unmittelbarer ihre Botschaften aussenden können als das über die herkömmlichen Medien möglich ist. Sie haben damit eine direkte Verbindung zu den Adressaten, seien das Geschäftspartner, Kunden, Interessenten oder Lieferanten – oder ganz allgemein die Öffentlichkeit. Wenn Unternehmen etwas zu sagen haben, müssen sie sich im Blog mit niemandem abstimmen, in keinen Redaktionsplan hineinzwängen, keinen Redaktionsschluss einhalten und auch (so etwas soll es schon gegeben haben) keine Anzeigen schalten. Nachteil dieser Direktheit ist im Vergleich zu herkömmlichen Medien natürlich die geringere Reichweite von Blogs – da hilft nur: Regelmäßig und gut über interessante Dinge schreiben. Ein wichtiger Aspekt: Wie alles im Web 2.0 sind auch Blogs nicht als unidirektionaler Kommunikationskanal gedacht. Richtig spannend wird es beim Bloggen immer dann, wenn die Leser sich mit Kommentaren in Diskussionen einschalten. Dass dabei nicht immer Lobeshymnen zu erwarten sind, versteht sich, insbesondere bei kontroversen Themen. Das müssen Unternehmen aushalten. Wenn sie es nicht aushalten, müssen sie es lernen. Im Auge behalten sollte man auch den Hintergrund: Vom Wandel der Medienlandschaft ist derzeit ja viel die Rede – Einbruch im Anzeigengeschäft, ausgedünnte Redaktionen, abwandernde Leser, kein Plan für die Online-Postionierung und am Horizont das Wetterleuchten das Sterben von Zeitschriften und Zeitungen in den USA (2009 wurden dort rund 400 Zeitschriften eingestellt). Für die Unternehmenskommunikation heißt das, dass sich auch für sie die Parameter verschieben werden. Sie kann nicht davon ausgehen, dass sie in fünf bis zehn Jahren mit dem altbekannten Instrumentarium von Presseinformationen oder -konferenzen ihr Publikum überhaupt noch erreicht, denn dieses ist offenbar in weiten Teilen dabei, ins Web und ins Web 2.0 abzuwandern. Die Kommunikationsexperten der Unternehmen werden sich daher überlegen müssen, wie sie ihre Adressaten dort erreichen können. So, das war nun kurz und knapp die Theorie. Und die Praxis? Fortsetzung folgt – in diesem Blog. Freitag, 16. Oktober 2009
Kein Anschluss für Social Media Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
10:38
Kommentare (0) Trackbacks (0) Kein Anschluss für Social MediaWir haben uns wieder mal draußen in der wirklichen Welt umgesehen, nachgefragt, was sich dort – jenseits von Medienschaffenden, Journalisten, Agenturen usw. – in Sachen Social Media und Unternehmenskommunikation tut. Wir hatten uns im Sommer schon einmal die Auftritte der Dax-Unternehmen bei Twitter unter die Lupe genommen, dann hatten wir uns die Parteien und ihren Web-2.0-Wahlkampf angeschaut. Nun waren wieder die Dax-Unternehmen dran: In einer Umfrage unter allen im Dax notierten Unternehmen erkundigten wir uns nach den Aktivitäten in der Social-Media-Welt.
Eine Umfrage also. Und damit liegt eigentlich schon mal ein Problem auf dem Tisch. Dass nämlich für die Aufnahme des Ist-Zustands der Social-Media-Aktivitäten der führenden deutschen Unternehmen überhaupt eine Umfrage durchgeführt werden musste, zeigt, wie schwach die Stellung von Social Media in den Unternehmen noch immer ist.
Dabei ist Social Media doch ein Kommunikationsinstrument, das ganz wesentlich nach außen wirken soll, mit dem sich ein Unternehmen in der Öffentlichkeit positionieren und präsentieren kann. Es ist daher nicht nachvollziehbar, warum die untersuchten Unternehmen ihre Social-Media-Aktivitäten geradezu verstecken. Dies ist umso weniger zu verstehen, als die eindeutige Identifizierung von offiziellen Accounts – und damit eine Abgrenzung von privaten Mitarbeiter- oder gar Fake-Accounts – in vielen Fällen nur über eine direkte Verlinkung mit der offiziellen Website möglich ist. Links zu den Social-Media-Auftritten müssen daher gleich auf der Homepage eines Unternehmens zu finden sein, nicht anders als Links zu Kontakten, zum Impressum, zu den Investor Relations, zur Suchfunktion oder zum Pressebereich. So aber bleibt als erster Eindruck, dass für die meisten der Dax-Unternehmen das Angebot, Plattformen für einen Dialog mit der Öffentlichkeit zu nutzen, wenn überhaupt dann eher als Pflichtübung angesehen wird. Man macht mit, weil es derzeit en vogue ist, die Auftritte werden zum Teil auch von engagierten Mitarbeitern gepflegt, aber ein Engagement auf Top-Level ist dabei nicht erkennbar. Soweit, so unbefriedigend. Die Ergebnisse der Umfrage sind uns einen separaten Blog-Beitrag wert. Demnächst in diesem Theater. Dienstag, 22. September 2009
Obama lässt twittern Geschrieben von Rainer Doh
in PR und Kommunikation um
13:23
Kommentare (0) Trackbacks (0) Obama lässt twitternBarack Obama kämpft um seine Gesundheitsreform. Selbstverständlich greift er auf die Möglichkeiten des Web 2.0 zurück — der Präsident mobilisiert seine Anhänger und Unterstützer per Twitter. Herausgekommen ist eine Twitter-Anwendung, die ... nein, das muss man sich einfach selbst anschauen. Und allmählich beginnt man zu begreifen, was mit Twitter usw. alles möglich sein kann.
Dienstag, 22. September 2009Wie einmal ein "Web-2.0-Wahlkampf" ziemlich daneben gingVielleicht hatte sich Barack Obama im Herbst 2008 nicht gerade ins Weiße Haus "getwittet", hauptsächlich hat er ja einen ganz normalen Wahlkampf geführt. Aber der spätere Präsident hat die neuen, "sozialen" Medien umfassend und gezielt für seinen Wahlkampf eingesetzt. Dem Vernehmen nach hatte er bis zu 90 Experten beschäftigt, die in seinem Namen auf allen Plattformen präsent waren. Weil Obama mit seinem "Web-2.0-Wahlkampf" so erfolgreich war, konnte man mit Fernwirkungen auf den Bundestagswahlkampf des Jahres 2009 rechnen. So erklärte SPD-Bundesgeschäftsführer Wasserhövel den Internet-Wahlkampf zum "Herzstück der Kampagne" und CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla bezeichnete die Internetseiten seiner Partei als "Startrampen für politisch Aktive." Nun, da der Wahlkampf fast vorüber ist, muss man ein ernüchterndes Fazit ziehen: Von den hohen Ansprüchen ist nur wenig übrig geblieben. Das Vorbild Obama ist in unerreichbarer Ferne entschwunden, hiesige Parteien und Spitzenkandidaten wissen mit den neuen Kommunikationsmöglichkeiten so gut wie nichts anzufangen. Zum Beispiel Twitter: Natürlich wird eifrig getwittert, aber es geht dabei ziemlich chaotisch zu. Hier twittert die Bundespartei, da die Fraktion, dort die Landesverbände, mal sind es Ortsverbände, mal Kandidaten, dann wieder Sympathisanten. Der eine verwendet dieses Logo, der andere jenes. Jeder will und darf mitmachen – Abstimmung gibt es offenbar keine. Das entspricht zwar durchaus ein Stück weit dem Geist von Twitter, ist aber damit nur für Partei-Insider interessant. Nutzwert für Wähler? Fehlanzeige. Die große Zahl von Fake-Accounts – es sind sowohl "spd_de" als auch "Merkel_CDU" Fakes – ist auch die Folge davon, dass sich die Parteien solche Bezeichnungen nicht rechtzeitig gesichert haben. Eine langfristige Strategie in Sachen Web 2.0 wird offenbar nicht verfolgt. Zudem hat sich keiner der Spitzenpolitiker die Mühe gemacht, sich bei Twitter einen "Verified Account" zu sichern. Die Folge: nicht nur hinter einzelnen, sondern hinter den meisten Namen verbergen sich Spaß- und Fake-Accounts – allein für Angela Merkel gibt es mehr als ein Dutzend Fake-Accounts mit bis zu 5.000 Followern. Übrigens: Barack Obama verfügt selbstverständlich über einen gesicherten Twitter-Account. Die Follower-Zahlen der Parteien sind dem Durcheinander entsprechend lausig. So erreichen die als offiziell identifizierbaren Twitter-Accounts bei der FDP etwas mehr als 4.000, bei der SPD etwa 4.500 und bei den Grünen knapp 8.000 Follower; der Account cducsu kommt auf knapp 1.700 Follower und die CSU solo dümpelt bei 600, für die Linke ist gar kein bundesweiter Account feststellbar, das ist immerhin konsequent. Dazwischen tummelt sich eine Unzahl diverser Partei-Accounts mit zweistelligen Follower-Zahlen. Zur Erinnerung: Vorbild Barack Obama kommt auf rund 2,2 Millionen Follower. Das geringe Interesse der Parteien an Twitter hat natürlich seinen Grund: In Deutschland sind 145.000 Personen bei Twitter aktiv; selbst wenn man unterstellt, dass diese alle wahlberechtigt seien, so sind das doch nur 0,23 % der etwa 62 Millionen Wahlberechtigten. Da scheint sich also für die Wahlkampfstrategen ein Engagement nicht zu lohnen. Bloß: Auch wenn es heute nur relativ wenige aktive deutsche Twitter-User gibt, so kommt dieser neuen Kommunikationsform doch eine gewisse Leitfunktion zu. Gerade in den letzten Wochen hat sich deutlich gezeigt, dass auch in der breiten Öffentlichkeit über Twitter geredet wird – selbstverständlich auch von Nicht-Benutzern und ein paar Mal sogar im Fernsehen, dem Leitmedium der Parteien. Zum Beispiel Facebook: Die rund 6,2 Millionen deutschen Facebook-User stellen stolze 12 % der Wähler und haben damit erheblich mehr Gewicht als die Gemeinde der Twitterer. Hier müsste sich ein Engagement also durchaus lohnen. Dennoch sind die Auftritte der Parteien und ihrer Spitzenkandidaten auch bei Facebook dürftig. Die Facebook-Gruppe CDU zählt beispielsweise magere 1.868 Mitglieder, die Gruppe SPD 3.481, die Gruppe FDP erreicht 3.600, die Linke knapp 1.700, die Grünen rund 3.000. Und auch hier gibt es eine Vielzahl von parallen Auftritten, die nicht aufeinander abgestimmt sind. Die Anzahl von Fans, die die Spitzenpolitiker für sich verbuchen können, sehen nur wenig besser aus: (jeweils Stand 21.9.09) Merkel: 17.249 Befürworter Steinmeier: 6.503 Befürworter Westerwelle 3.151 Befürworter Künast 2.706 Befürworter Trittin: 2.469 Befürworter Lafontaine: 712 Befürworter Mit diesen Zahlen bewegen sich die Parteien und Spitzenkandidaten also auch bei Facebook bezüglich des Anteils an den Wählerzahlen im Promillebereich. Schaut man sich die entsprechenden Seiten an, so wird klar warum, denn die Auftritte sind überwiegend lieblos und Außenstehende reichlich uninteressant. Beiträge wie der folgende setzen schon ein recht spezielles Interesse voraus: "Franz Müntefering spricht heute ab 15:30 Uhr (Einlass: 15:00 Uhr) auf einer Wahlkampfkundgebung in Velbert. Sei auch Du dabei!" Als hätte man sich abgesprochen, werden auch bei Angela Merkel hauptsächlich die Termine ihrer Reden veröffentlicht. Wie war das mit Web 2.0? Mit neuen Möglichkeiten der direkten Kommunikation? Mit Dialog und Austausch von Ideen? Auch bei Facebook ist diesbezüglich Fehlanzeige. Man kann Klaus Eck nur zustimmen:
Auch hier ist eine Vergleichszahl interessant: Barack Obama kommt bei Facebook auf 6.758.236 Befürworter. Das ist nicht einfach nur "mehr", das ist eine andere Liga. Ach was, eine andere Sportart. Zum Beispiel Xing: Nach den bisherigen Beobachtungen wäre es schon sehr überraschend, wenn sich Xing als die Social-Media-Plattform der deutschen Parteien präsentieren würde. Tatsächlich sind auch hier die Zahlen mager. SPD: 817 Mitglieder CSU: 349 Mitglieder Grüne: 506 Mitglieder Die Linke: 106 Mitglieder Noch einigermaßen aktiv ist hier die CDU, sie durchbricht die 1.000er-Mauer und kommt auf 1.085 Mitglieder; die FDP ist bei Xing fast schon hyper-aktiv und erreicht 2.088 Mitglieder. Nur zur Erinnerung: es gibt rund 48 Millionen Wähler. Zum Beispiel YouTube: Hier endlich geht es rund! Bei Youtube scheinen sich die Parteien voll zu engagieren – klar, hier haben sie eine Plattform, auf der sie all die wunderbaren Filmchen ihrer zahlreichen Auftritte hinterlegen können. Will das jemand sehen? Ja, durchaus: Über 40.000 Mal wurde der TV-Spot der SPD angeschaut, die Wahlwerbung der CDU "Wir haben die Kraft" kommt auf rund 39.000 Zuschauer; für ihr Statement zum Steuerrecht findet die Kanzlerin allerdings nur noch 144 Zuseher. Um auch hier die Relationen nicht ganz aus dem Auge zu verlieren: Allein die Zahl der Steuerberater beträgt fast 80.000. Alle Parteien haben zudem YouTube-Kanäle eingerichtet, wobei sich die hohen Zugriffszahlen durch die lange Zeit ihres Bestehens relativieren. Richtige Fans dieser Kanäle, also Abonnenten, gibt es nur wenige: CDU Kanalaufrufe: 317.0000, Abonnenten: 1.492 Kanal besteht seit: 2008 CSU Kanalaufrufe: 12.800 , Abonnenten: 98, Kanal besteht seit: 2008 SPD Kanalaufrufe: 335.000, Abonnenten: 1.626, Kanal besteht seit: 2007 FDP Kanalaufrufe: 709.000, Abonnenten: 1.792, Kanal besteht seit: 2006 Grüne Kanalaufrufe: 119.000, Abonnenten: 1.425, Kanal besteht seit: 2006 Die Linke Kanalaufrufe: 84.000 Abonnenten: 900, Kanal besteht seit: 2006 So spielt das Internet im Wahlkampf 2009, der schon als "Internet-Wahlkampf" tituliert wurde, eine recht biedere Rolle: Natürlich informieren sich die Wähler, die die Medien das ganze Jahr über online konsumieren, auch über die Wahl im Internet, das ist eine Trivialität. Und natürlich hat jeder Kandidat seine E-Mail-Adresse und jede Partei eine strahlend bunte Web-Site. Dort kann man die Kandidaten besichtigen, die Termine von Auftritten abfragen und bei Bedarf eine der beliebten Broschüren bestellen. Web 2.0? Außer bei SPD und CSU wird von den Web-Sites der Parteien nicht einmal auf die vorhandenen Web-2.0-Angebote verlinkt. Entgegen der vollmundigen Ankündigungen kann von einem Web-2.0-Wahlkampf also überhaupt keine Rede sein. Die Parteien haben offenbar aus den im Verhältnis zu den Wählerzahlen geringen Benutzerzahlen den Schluss gezogen, dass ein weiter gehendes Engagement hier nicht lohnend ist. TV-Talk-Runden machen auch in der hundertsten Auflage mehr her. Oder humorige Ansprachen in Bierzelten, vor geschätzen 0,005 Promille des Wahlvolks. Aber der Wahlkampf 2013, der wird dann bestimmt ein richtiger Web-2.0-Wahlkampf. |
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