Was war das wieder für eine Aufregung, letzte Woche. Otto-Versand hatte ein MacBook für 49 Euro statt für 1700 Euro angeboten und binnen gefühlter Nanosekunden ging die Nachricht durch das Web, durch Twitter, durch die Blogs und durch alles andere auch. Natürlich hatte Otto sich bei der Preisauszeichnung vertan und nach ein bisschen verlegenem Herumgedruckse hat man sich bei den eiligen Bestellern entschuldigt, man versprach als Ausgleich Warengutscheine und eine Verlosung von 50 Mac-Books unter den leer ausgegangenen Bestellern.
Und das waren nicht wenige: Angeblich wurden innerhalb weniger Stunden von 2565 Bestellern insgesamt 6534 Notebooks geordert.
Merkwürdige Sitten herrschen da draußen im Web: Jedermann war von Anfang an klar, dass es sich um einen Fehler gehandelt hatte. Skrupel, diesen offensichtlichen Fehler auszunutzen, gab es zumindest bei den 2565 Bestellern keine. Etliche der angeblich Enttäuschten berieten sich daraufhin mit ihren Anwälten, wie man die Lieferung erzwingen könne, man diskutierte die Rechtslage, und diverse Blogs wurden richtig böse auf Otto, weil die Hamburger partout nicht zum Angebot stehen wollten. Lawblogger Udo Vetter, sonst eine besonnene Stimme im Web-Chor, meinte: "Die Sach- und Rechtslage ist nicht klar ... Also mal ein Fall, in dem Kunden mit Rechtsschutzversicherung klar im Vorteil sind." Eine tolle Idee: mit der Rechtsschutzversicherung zu Gericht laufen und die 49 Euro durch die Instanzen boxen, ich würde sagen: notfalls Karlsruhe! So macht Social Media Spaß!
Natürlich wird nichts dergleichen passieren. Die moralische Bewertung des Falles wollen wir daher dem nächsten Kirchentag überlassen und uns nur auf einen kleinen Denkanstoß beschränken: "Hey Leute, geht's noch"?
Interessanter und amüsanter ist ein anderer Aspekt der Otto-Panne. Diverse Blogger und Twitterer haben nämlich gemutmaßt, es habe sich dabei in Wahrheit um eine ziemlich raffinierte PR-Aktion des Versandhauses gehandelt. Zu weit hergeholt? Vielleicht, aber auffällig ist es schon, dass die Panne nicht bei einer Waschmaschine oder einem Staubsauger passierte, sondern bei einem Trend-Produkt mit hoher Web-Affinität. In Folge der "49-Euro-Panne" weiß nun wirklich jeder, dass Otto-Versand MacBooks im Sortiment hat. Insofern: Vorteil Otto. Obwohl wir in diesem Fall auch sagen müssten: Kirchentag – übernehmen Sie!