Artikel mit Tag wirtschaftskrise
Dienstag, 9. März 2010
In USA längst Alltag, ist das Thema Internet-Sourcing hierzulande so gut wie inexistent. An der Mentalität kann es jedenfalls nicht liegen, denn der deutsche Michel gibt Jahr für Jahr im Web mehr Geld aus für Reisen, Bücher, Musik, Staubsauger, Notebooks und Schuhe und ist mit dieser Art des Shoppens im Übrigen hochzufrieden.
Und was ist mit dem deutschen Manager? Er pflegt eine rätselhafte Zurückhaltung, wenn es darum geht, Produkte oder Dienstleistungen zeitgemäß zu beschaffen oder zu verkaufen. Zeitgemäß, das heißt: vom Schreibtisch aus den Kontakt zu den richtigen Partnern finden, bessere Preis- und Lieferbedingungen aushandeln, Prozesse optimieren, Produktion besser auslasten, den gesamten Workflow in die IT integrieren. Die Vorteile wären überragend.
Ich weiß, Qualität, Zahlungsfluss und Schutz von geistigem Eigentum beschäftigen die Unternehmen, das sind aber Aspekte, die moderne Sourcing-Plattformen zuverlässig im Griff haben. Wo ist also der Hemmschuh?
Die deutsche Wirtschaft ist geplagt von zu hoher Exportlastigkeit und Überkapazitäten, und die Innovationskraft vieler Betriebe ist, milde ausgedrückt, zurückhaltend. Das sind die traurigen Erkenntnisse, die die Finanzkrise zu Tage gebracht hat. In einem globalen Markt sind aber hohe Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit gefragt, da reicht Althergebrachtes nicht mehr. Die Nutzung zeitgemäßer Technologien wäre schon mal ein guter Anfang, wenn es darum ginge, Kosten zu sparen und Ressourcen effektiver zu nutzen. Dann wäre auch wieder mehr Zeit für Innovation und Kreativität übrig – die eigentlichen Stärken der Deutschen.
Montag, 4. Mai 2009
Heute will ich mich mal zu einigen Problemen der Wirtschaftspolitik äußern – das wurde endlich mal Zeit, erst recht, wenn man sich bei einem Thema ausnahmsweise nicht als "selbsternannter" Experte bescheiden muss. Dabei kann man auf diesem Terrain ohnehin nichts falsch machen, denn erstens kennt sich hier sowieso jeder bestens aus – das ist wie beim Rührei-Machen oder beim Fotografieren. Zweitens hat die Evolution dafür gesorgt, dass es zu jedem denkbaren Standpunkt den passenden Professor gibt.
1. Problem: Deflation – alles wird billiger. Wirtschaftsabschwung führt zu Preisverfall und das ist gefährlich. Wir kennen das aus der IT: Der legendäre Z1 von Konrad Zuse zum Beispiel kostete 1937 noch gefühlte 753 Milliarden Reichsmark (mindestens); heute bekommt man für 399 Euro die schönsten Rechner geschenkt. Folge: Seit Zuses Zeiten kauft niemand Computer (der Z1 liegt seit 62 Jahren trotz Rabatt wie Blei im Regal), weil sie doch nächste Woche schon billiger werden. Und übernächste Woche noch billiger, usw. Daher kam ja die IT-Branche all die Jahre nie so recht auf die Beine. Renommierte Ökonomen wie Professor Walter von der Deutschen Bank oder der "Wirtschaftsweise" Bofinger können daher vor Deflation nur warnen.
2. Problem: Inflation – alles wird teurer. Milliardenschwere Konjunktur- und Bankenrettungsprogramme können zweistellige Inflationsraten auslösen und auch das ist gefährlich. "Star-Ökonom" Thomes Straubhaar vom HWWI warnt denn auch vor Inflation. Wir kennen das natürlich ebenfalls aus der IT: SAP-Wartungsverträge zum Beispiel oder Office-Lizenzen, es wird alles teurer und teurer. Was man heute verdient, ist schon morgen nichts mehr wert. Wer will da noch investieren? Daher kam ja auch die IT-Branche all die Jahre nie so recht auf die Beine.
3. Problem: Beides – man weiß einfach nicht, was kommt, was im Grunde nichts Neues ist, denn man wusste das ja bisher schon nicht (natürlich gab es ein paar Professoren, die sogar die Krise vorhergesagt hatten – was wiederum kein Wunder ist, bei so vielen Professoren). Und man kann ja nicht alles wissen. (Zum Beispiel: Wie viele Insekten gibt es auf der Welt? Das weiß doch auch kein Mensch.) Was aber sagt uns das Orakel von München? "Dass mehr Geld genauso gut für Deflation wie für Inflation stehen kann, ist ein trivialer, aber gerade deshalb wichtiger Punkt ..." (Prof. Dr. Dr. Hans-Werner Sinn) Das kann man nur unterstreichen: Die größten Trivialitäten sind oft die wichtigsten.
Donnerstag, 19. Februar 2009
Die Modelleisenbahnschmiede Märklin ist nicht wirklich ein IT-Unternehmen, auch wenn Züge, Signale und Weichen heute selbstverständlich digital gesteuert werden. Aber vielleicht kann die IT trotzdem etwas aus dem "Untergang des Hauses Märklin" lernen. Etwas über das Beraterwesen, das ja in der IT nicht so ganz unbekannt ist.
Die ftd hat sich dem allgemeinen Wehklagen über den Niedergang von Traditionsmarken nicht angeschlossen, sondern eine spannende Geschichte geschrieben, in der ganz zu Recht keine Eisenbahnen vorkommen.
Mittwoch, 18. Februar 2009
Was bisher geschah: Intershop und sein mittlerweile legendärer Gründer Stephan Schambach waren Ikonen der Dot-Com-Blase, mit der das Jahrtausend begonnen hatte. Intershop war damals fast ein Synonym für E-Commerce, und Schambachs Karriere galt als Musterfall für den gleichfalls legendären "Aufschwung Ost". 1998 ging das Jenaer Unternehmen mit einem Kurs von (umgerechnet) 51,13 Euro an den Neuen Markt, 2000 erreichte der Kurs 2105,37 Euro - und stürzte anschließend bis auf 0,88 Euro ab.
Und jetzt das: Jahre später - als viele schon gar nicht mehr wissen, dass Intershop überhaupt noch existiert - und mitten in der nächsten Krise, da überrascht plötzlich diese Nachricht: "Intershop erstmals mit Gewinn"
Wenn das keine gute Nachricht für den Aufschwung-IT ist!
Fehlt bloß noch, dass Pixelpark bei Opel einsteigt.
Freitag, 13. Februar 2009
Die Abwrackprämie ist also ein großer Erfolg. Angeblich drängen die Konsumenten in die Autohäuser und reißen den Händlern die Fahrzeuge aus den Händen. So sehr ich mich freue, dass es dem deutschen Kfz-Gewerbe wieder besser geht, es bleibt der berühmte "schale Beigeschmack" – die Sache ist nämlich so ungerecht.
Die beiden alten Server, die bei uns im Keller herumstehen, sind nämlich mindestens neun Jahre alt. Und dieser große, dicke Monitor mit der Staubkruste, der stammt sicher noch aus der Green-Screen-Ära. Und irgendwo liegt noch ein Notebook mit Windows 98 herum. Dafür wollen wir auch eine Abwrackprämie!!
Ein eklatanter Fall von Ungleichbehandlung zu Lasten der IT; kein Wunder, wenn der Nachwuchs nicht mehr Informatik studieren, sondern gleich auf Rennfahrer machen will. Eigentlich wundert es mich, dass Dell, HP, Toshiba, Acer usw. nicht längst ganze Busladungen voller Anwälte nach Karlsruhe schicken.
Da fällt mir gerade was Wichtiges ein: Was ist eigentlich mit dieser aus der Planung gestrichenen Pressemitteilung, die seit Wochen auf meinem Schreibtisch herumliegt? Könnte man doch auch abwracken ... sagen wir: 5 Euro, wenn ich dafür eine neue schreibe? Herr zu Wirtschaftminister, übernehmen Sie!
Und bloß nichts wegwerfen in den nächsten Wochen.
Donnerstag, 22. Januar 2009
"Die Wirtschaftskrise kann dem US-Technologiekonzern IBM offenbar kaum etwas anhaben: Der weltgrößte IT-Dienstleister vermeldete am Dienstag einen unerwartet deutlichen Gewinnanstieg und äußerte sich zudem überraschend zuversichtlich zu seinen Geschäftsaussichten. [...] Unter dem Strich kletterte das Ergebnis des weltgrößten Herstellers von Großrechnern um zwölf Prozent auf 4,43 Mrd. $." (FTD)
Na also - geht nicht, gibt's nicht. Man muss nur wollen.
Aber Problem: Was machen wir denn nun mit den 4,43 Mrd.?
Also, ich würde es gerne spenden. Den wirklich Bedürftigen. Meiner Hausbank zum Beispiel.
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